Für den Einsatz im Religionsunterricht bietet es sich an, zunächst von den Erfahrungen der Lernenden mit Helfen und Hilfe auszugehen. Fragen wie „Wann habe ich schon einmal Hilfe gebraucht?“, „Wer hat mir geholfen?“, „Wann konnte ich einem anderen Menschen helfen?“ oder „Welche Hilfe tut einem Menschen wirklich gut?“ eröffnen einen lebensweltlichen Zugang. Die Gedanken können im Sitzkreis ausgetauscht oder zunächst auf Karten notiert werden. Dabei sollte herausgearbeitet werden, dass jeder Mensch im Laufe seines Lebens auf andere angewiesen ist und zugleich selbst etwas für andere tun kann. Genau diese wechselseitige Erfahrung von Hilfe bildet einen zentralen Gedanken des Mediums. Es möchte Lernende für die Hilfebedürftigkeit anderer sensibilisieren und Fähigkeiten wie Helfen, Trösten und Freude schenken fördern.
Darauf aufbauend kann der Begriff Diakonie erschlossen werden. Die Lernenden sammeln zunächst Vermutungen darüber, was das Wort bedeuten könnte und wo ihnen Diakonie möglicherweise bereits begegnet ist. Anschließend werden Beispiele diakonischer Arbeit betrachtet. Das Material nennt unter anderem Einrichtungen für ältere Menschen, Krankenhäuser, Beratungsstellen, Kindertageseinrichtungen und Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen. Die Lernenden können diese Arbeitsbereiche auf Karten schreiben und überlegen, welche Formen der Unterstützung dort angeboten werden. Eine Zuordnungsaufgabe zwischen Lebenssituationen und Hilfsangeboten kann verdeutlichen, wie vielfältig diakonisches Handeln ist. Dabei sollte Diakonie nicht ausschließlich als institutionelle Hilfe vermittelt werden. Die grundlegende Frage lautet vielmehr, welche Haltung hinter diesem Handeln steht und was christliche Nächstenliebe im konkreten Alltag bedeutet.
Für die theologische Vertiefung eignet sich das Material M1 zu den biblischen Wurzeln. Grundlage sind Aussagen aus Matthäus 25 über hungrige, durstige, fremde, unbekleidete, kranke und gefangene Menschen. Auf Seite 4 werden die Aussagen mit kleinen Bildern verbunden. Die Lernenden ordnen die Darstellungen den entsprechenden Aussagen zu und lösen dabei ein Bilderrätsel. Methodisch sollte diese Aufgabe durch ein theologisches Gespräch erweitert werden. Die Lernenden können überlegen, warum die Zuwendung zu Menschen in Not im Text unmittelbar mit Jesus verbunden wird. Dabei lässt sich der Grundgedanke entwickeln, dass christlicher Glaube nicht nur in Worten sichtbar wird, sondern auch im Umgang mit anderen Menschen.
Die biblischen Aussagen können anschließend in die Lebenswelt der Lernenden übertragen werden. Zu jeder Aussage aus Matthäus 25 kann eine heutige Situation gesucht werden. Beim Thema Hunger kann beispielsweise über das Teilen von Lebensmitteln gesprochen werden, beim Fremdsein über das Willkommenheißen neuer Menschen, bei Krankheit über Besuche, Aufmerksamkeit und Trost. Die Lernenden können kleine Szenen gestalten, Bilder zeichnen oder kurze Geschichten schreiben. Auf diese Weise wird der Bibeltext nicht lediglich gelesen, sondern auf gegenwärtige Erfahrungen bezogen. Zugleich sollte darauf geachtet werden, Nächstenliebe nicht auf einzelne gute Taten zu reduzieren. Sie kann als grundsätzliche Haltung der Aufmerksamkeit, Wertschätzung und Verantwortung gegenüber anderen Menschen erschlossen werden.
Mit der Geschichte „Lauf kleiner Spatz“ bietet das Medium einen erzählerischen Zugang zur Frage, was es bedeutet, Hilfe zu brauchen und Hilfe zu erhalten. Nach einem Unfall kann der Spatz nicht mehr fliegen und zweifelt zunächst an sich selbst. Maus und Rabe begleiten ihn, machen ihm Mut und helfen ihm, neue Möglichkeiten für sein Leben zu entdecken. Die Geschichte sollte abschnittsweise vorgelesen werden. Vor dem Weiterlesen können die Lernenden Vermutungen formulieren, Gedanken des Spatzes aussprechen oder Gefühle der Figuren benennen. Besonders ergiebig ist die Frage, wie sich die Gefühle des Spatzes im Verlauf der Geschichte verändern und welche Bedeutung seine Freunde dabei haben.
Das Material schlägt ausdrücklich ein Rollenspiel vor. Die Lernenden können ausgewählte Szenen nachspielen und anschließend reflektieren, welche Formen der Unterstützung sichtbar geworden sind. Dabei lässt sich zwischen praktischer Hilfe, Trost, Ermutigung, Zuhören, Gemeinschaft und dem Zutrauen eigener Fähigkeiten unterscheiden. Auch Standbilder eignen sich gut. Eine Gruppe stellt beispielsweise den verzweifelten Spatz dar, eine weitere Gruppe den Spatz nach den Erfahrungen mit seinen Freunden. Die übrigen Lernenden beschreiben Veränderungen in Körperhaltung und Beziehung der Figuren. Dadurch werden emotionale und soziale Aspekte der Geschichte sichtbar.
Bei der Arbeit mit dieser Geschichte ist eine sensible Perspektive auf Behinderung und Einschränkungen wichtig. Das Unterrichtsgespräch sollte nicht den Eindruck vermitteln, Menschen mit Behinderungen seien grundsätzlich hilflos oder auf die Unterstützung anderer reduziert. Vielmehr kann herausgearbeitet werden, dass Menschen unterschiedliche Fähigkeiten besitzen, dass jeder Mensch Unterstützung benötigt und dass ein sinnvolles Leben nicht an bestimmte körperliche Fähigkeiten gebunden ist. Diese Zielrichtung ist auch im Material angelegt, das ausdrücklich vermitteln möchte, dass Leben trotz Krankheit, Leid und Not sinnvoll gestaltet werden kann.
Besonders handlungsorientiert ist das Material M3. Vorgesehen ist ein diakonisches Projekt, bei dem eine Einrichtung besucht oder ein Mensch und eine betreuende Person in die Schule eingeladen werden können. Die Lernenden bereiten Interviewfragen vor und kommen mit ihrem Gegenüber ins Gespräch. Diese Begegnung bietet die Möglichkeit, Diakonie nicht nur über Texte kennenzulernen, sondern Menschen, Tätigkeiten und Erfahrungen unmittelbar wahrzunehmen. Vor dem Besuch sollten gemeinsam Gesprächsregeln entwickelt werden. Die Lernenden können Fragen zum Alltag, zu Aufgaben, schönen Erfahrungen, Herausforderungen und Formen gegenseitiger Unterstützung sammeln.
Die auf Seite 6 vorgeschlagene Handmethode eignet sich besonders gut zur Gestaltung der Begegnung. Die Lernenden zeichnen ihre eigene Hand und schreiben Antworten auf persönliche Fragen hinein. Anschließend zeichnen sie die Hand ihres Gegenübers und halten dessen Antworten fest. Die Hand kann dabei zugleich als Symbol des diakonischen Handelns erschlossen werden. Hände können helfen, tragen, trösten, begrüßen, schenken, schützen und gemeinsam etwas gestalten. Aus den Händen der gesamten Lerngruppe kann nach der Begegnung ein großes Gemeinschaftsbild entstehen. In dessen Mitte kann ein Satz wie „Wir können füreinander da sein“ stehen.
Nach einem Besuch sollte eine ausführliche Reflexionsphase stattfinden. Die Lernenden können erzählen oder aufschreiben, wen sie kennengelernt haben, was sie überrascht hat, was ihnen gefallen hat und welche Fragen entstanden sind. Genau solche Reflexionsfragen werden auch im Material zur Auswertung des diakonischen Projekts aufgegriffen. Dabei können ursprüngliche Vorstellungen mit den tatsächlichen Begegnungserfahrungen verglichen werden. Dies ist besonders wichtig, um mögliche Vorurteile oder Berührungsängste wahrzunehmen und zu reflektieren.
Mit M4 wird schließlich das Kronenkreuz als Zeichen der Diakonie erschlossen. Das Symbol verbindet Kreuz und Krone. Im Material steht das Kreuz für Not und Tod, während die Krone auf die Hoffnung auf Jesus Christus verweist. In ihrer Verbindung wird die Hoffnung ausgedrückt, dass Not und Tod überwunden werden. Zugleich wird diese Hoffnung mit dem konkreten Auftrag verbunden, menschliche Not zu lindern. Methodisch sollte das Symbol zunächst ohne Erklärung präsentiert werden. Die Lernenden beschreiben Formen und entwickeln eigene Vermutungen. Erst anschließend wird die im Material vorgesehene Bedeutung erschlossen. Danach können sie das Kronenkreuz selbst gestalten und Erfahrungen aus dem diakonischen Projekt in die freien Flächen eintragen.
Zum Abschluss bietet sich eine Rückkehr zur Ausgangsfrage an: „Was bedeutet Diakonie sein?“ Die Lernenden können eigene Antworten formulieren und diese auf einem gemeinsamen Plakat sammeln. Auch Satzanfänge wie „Diakonie bedeutet für mich …“, „Nächstenliebe zeigt sich, wenn …“, „Helfen bedeutet nicht nur …, sondern auch …“ oder „Ich kann anderen Menschen helfen, indem …“ können eingesetzt werden. Auf diese Weise wird sichtbar, dass das Medium Sachwissen über Diakonie mit biblischer Orientierung, christlichem Menschenbild, Empathie, Begegnung und eigener Handlungskompetenz verbindet. Die Lernenden erfahren Diakonie damit nicht nur als Organisation der Evangelischen Kirche, sondern als konkrete Ausdrucksform christlicher Nächstenliebe.
Der Einstieg gelingt über ein Bibelzitat zu Gottes Zusagt einer lebenslangen Begleitung. Anhand von Bildern werden Assoziationen zum Alt werden und Alt sein gesammelt. Das Bild und Vorurteil vom untätigen alten Menschen, der auf sein Ende wartet wird reflektiert. Die gelingt anhand von Erzählungen älterer Menschen über ihre Aktivitäten. Im nächsten Schritt wird das Zusammenarbeiten von Jung und Alt in Familie, Kirche und Schule untersucht und mit Beispielen belegt. Diese werden auf dem Arbeitsblatt notiert. In einem letzten Schritt werden die Bedürfnisse alter Menschen untersucht. Es wird über Wunschzettel geprüft, welche dieser Wünsche in der eigenen Familie oder Umgebung durch eigene Mithilfe erfüllt werden können.