Für den Religionsunterricht eignet sich das Medium besonders für Unterrichtsvorhaben zu Gerechtigkeit, Menschenwürde, Gleichberechtigung, Arbeit, Leistung, Verantwortung, Geschlechterrollen, Beruf und Berufung sowie zur christlichen Sozialethik. Die Frage nach gerechter Bezahlung lässt sich dabei über eine rein wirtschaftliche Betrachtung hinausführen. Im Mittelpunkt kann die grundlegende ethische Frage stehen, wann Arbeit gerecht bewertet wird und welche Vorstellungen vom Wert eines Menschen und vom Wert seiner Tätigkeit gesellschaftliche Entscheidungen bestimmen. Auf diese Weise können die Lernenden erkennen, dass Lohngerechtigkeit nicht allein eine Frage individueller Leistung ist, sondern auch gesellschaftliche Vorstellungen, Rollenbilder, Machtverhältnisse und Bewertungen verschiedener Tätigkeiten berührt.
Für den Einstieg bietet sich die Karikatur M1 auf Seite 1 besonders an. Sie zeigt zwei unterschiedlich große Taschen als bildlichen Vergleich der Einkommen von Frauen und Männern. Die Lernenden können das Bild zunächst ohne weitere Informationen beschreiben und Vermutungen darüber äußern, welche Aussage der Zeichner vermitteln möchte. Methodisch eignet sich eine zunächst stille Bildbetrachtung mit anschließendem Austausch in Partnerarbeit. Die Lernenden können auf Karten notieren, was sie sehen, welche Aussage sie vermuten und welche Fragen das Bild bei ihnen auslöst. Im Plenum werden die Beobachtungen gesammelt. Eine mögliche Leitfrage lautet: Ist unterschiedliche Bezahlung automatisch ungerecht? Diese offene Frage verhindert eine vorschnelle Antwort und eröffnet die anschließende sachliche Untersuchung.
In der Erarbeitungsphase können die Grafiken aus M2 genutzt werden. Die Lernenden erschließen zunächst, was unter Gender Pay Gap verstanden wird, und untersuchen anschließend die Entwicklung der durchschnittlichen Bruttostundenverdienste. Dabei sollten sie zwischen Beschreibung, Erklärung und Bewertung unterscheiden. Zunächst werden ausschließlich Daten beschrieben. Erst danach werden mögliche Ursachen untersucht. Das Material weist ausdrücklich darauf hin, dass Faktoren wie Beschäftigungsumfang, Beruf und Branche, Qualifikation, Berufserfahrung und Führungsverantwortung eine Rolle spielen, zugleich aber ein nicht vollständig erklärter Unterschied bestehen bleibt. Diese Unterscheidung ist für die ethische Urteilsbildung besonders wichtig, weil sie verhindert, dass statistische Unterschiede unmittelbar mit Diskriminierung gleichgesetzt oder umgekehrt vorschnell individualisiert werden.
Für eine vertiefende Gruppenarbeit können die Lernenden unterschiedliche Ursachen der Lohnungleichheit bearbeiten. Eine Gruppe beschäftigt sich mit Berufswahl und Geschlechterbildern, eine weitere mit der Bewertung sozialer und technischer Berufe, eine weitere mit unbezahlter Sorgearbeit und eine weitere mit strukturellen Möglichkeiten der Veränderung. Anschließend präsentieren die Gruppen ihre Ergebnisse und ordnen die Ursachen danach, ob sie stärker durch persönliche Entscheidungen, gesellschaftliche Erwartungen, Arbeitsbedingungen oder politische Rahmenbedingungen geprägt sind. Dadurch wird deutlich, dass individuelle und gesellschaftliche Verantwortung miteinander verbunden sind.
Besonders geeignet für einen lebensweltorientierten Zugang ist die Grafik M4 zur Berufswahl. Sie zeigt starke Unterschiede zwischen verschiedenen Ausbildungsberufen und macht sichtbar, dass bestimmte Tätigkeitsfelder weiterhin überwiegend von Frauen oder von Männern gewählt werden. Die im Medium vorgeschlagene Umfrage zu Berufswünschen kann im Religionsunterricht erweitert werden. Lernende können anonym angeben, welche Berufe sie interessieren und welche Eigenschaften sie mit diesen Berufen verbinden. Anschließend wird untersucht, ob Begriffe wie technisch, sozial, fürsorglich, körperlich, kreativ, erfolgreich oder verantwortungsvoll bestimmten Geschlechtern zugeordnet werden. Entscheidend sollte nicht sein, einzelne Berufswünsche zu bewerten, sondern die Frage, wodurch solche Vorstellungen entstehen und ob sie persönliche Entscheidungen möglicherweise stärker beeinflussen, als den Lernenden zunächst bewusst ist.
Material M5 eröffnet eine wichtige Diskussion über den gesellschaftlichen Wert unterschiedlicher Tätigkeiten. Der Text stellt heraus, dass Tätigkeiten in sozialen Berufen trotz hoher fachlicher, persönlicher und sozialer Anforderungen teilweise geringer vergütet werden als technisch geprägte Tätigkeiten. Für den Religionsunterricht kann daran die Frage angeschlossen werden, wie eine Gesellschaft den Wert von Arbeit bestimmt. Die Lernenden können überlegen, ob die Höhe des Einkommens tatsächlich etwas über die gesellschaftliche Bedeutung einer Tätigkeit aussagt. Dabei können Pflege, Erziehung, Bildung, technische Berufe und weitere Tätigkeiten miteinander verglichen werden. Als Reflexionsfrage bietet sich an: Was ist eine Arbeit wert, die für andere Menschen unverzichtbar ist? Diese Frage führt unmittelbar zu Themen wie Dienst am Menschen, Verantwortung, Solidarität und Gemeinwohl.
Material M6 ermöglicht eine Auseinandersetzung mit Vorbildern und Selbstbildern. Der Text thematisiert die Vorstellung, besondere Begabung und Brillanz seien stärker männlich geprägt, und verweist darauf, dass Erwartungen von Erwachsenen das Selbstvertrauen junger Menschen beeinflussen können. Methodisch kann eine Vorbildergalerie gestaltet werden. Die Lernenden wählen Menschen aus Wissenschaft, Technik, Pflege, Kirche, Politik, Sport, Kultur oder dem eigenen Umfeld aus, die für sie Mut, Verantwortung oder Kompetenz verkörpern. Anschließend wird gemeinsam untersucht, welche Eigenschaften die ausgewählten Personen zu Vorbildern machen und ob Geschlechterbilder bei der Auswahl eine Rolle spielen. Im Religionsunterricht kann die Diskussion anschließend auf die Frage erweitert werden, ob Menschen unabhängig von Geschlecht dieselbe Würde, dieselben Begabungsmöglichkeiten und dieselbe Verantwortung zur Gestaltung ihres Lebens besitzen.
Besonders ergiebig ist die im Material formulierte Frage, ob Frauen selbst dafür verantwortlich seien, wenn sie durchschnittlich weniger verdienen, weil sie vermeintlich die falschen Berufe wählen. Diese provokante Fragestellung eignet sich für eine strukturierte Kontroverse. Die Lernenden erhalten zunächst unterschiedliche Argumente und müssen auch eine Position untersuchen, die nicht ihrer persönlichen Meinung entspricht. Nach einer ersten Diskussion wechseln sie die Perspektive. Abschließend formuliert jede Person ein eigenes Urteil. Dadurch lernen die Lernenden, zwischen individueller Verantwortung und strukturellen Voraussetzungen zu unterscheiden und komplexe gesellschaftliche Fragen nicht auf einfache Schuldzuweisungen zu reduzieren.
Ein weiterer Schwerpunkt kann auf unbezahlter Sorgearbeit liegen. Das Material zeigt, dass Kinderbetreuung, Pflege und weitere familiäre Aufgaben weiterhin besonders häufig von Frauen übernommen werden und dass sich dies auf Arbeitszeit, Einkommen und spätere Rente auswirken kann. Im Unterricht können die Lernenden zunächst sammeln, welche Tätigkeiten notwendig sind, damit ein Haushalt oder eine Familie funktioniert. Danach ordnen sie diese Tätigkeiten danach, ob sie bezahlt oder unbezahlt ausgeführt werden. Dadurch kann die Frage entstehen, warum gesellschaftlich notwendige Tätigkeiten teilweise wirtschaftlich kaum sichtbar sind. Eine weiterführende ethische Frage lautet, ob nur das als Arbeit gelten sollte, wofür Menschen Geld erhalten.
Die Grafik M8 auf Seite 5 kann diesen Zugang unterstützen. Sie visualisiert, dass Mütter nach den zugrunde liegenden Befragungsdaten den überwiegenden Anteil der Kinderbetreuung übernahmen. Die Lernenden können daraus verschiedene Modelle einer gerechten Aufgabenverteilung in einer Familie entwickeln. Dabei sollte vermieden werden, private Familienmodelle pauschal moralisch zu bewerten. Im Mittelpunkt steht vielmehr die Frage, unter welchen Bedingungen Entscheidungen tatsächlich frei getroffen werden können und welche wirtschaftlichen Folgen unterschiedliche Modelle für die beteiligten Menschen besitzen.
Die Materialien zu Girls Day und Boys Day ermöglichen eine unmittelbare Verbindung zur Lebenswelt. Vorgestellt werden Angebote, durch die Mädchen Einblicke in technische und naturwissenschaftliche Tätigkeitsfelder und Jungen Erfahrungen in sozialen, erzieherischen und pflegerischen Berufen gewinnen können. Lernende mit entsprechenden Erfahrungen können berichten, welche Berufe sie kennengelernt haben und ob sich ihre Vorstellungen dadurch verändert haben. Anschließend kann ein eigener schulischer Berufetag entworfen werden, bei dem bewusst Tätigkeiten vorgestellt werden, die traditionelle Rollenerwartungen überschreiten.
Besonders wichtig ist Material M10, weil es verdeutlicht, dass Berufswahl nicht allein von persönlichen Interessen abhängt. Jugendliche können einen Beruf auch deshalb ausschließen, weil sie geringe soziale Anerkennung durch Eltern oder Freundeskreis erwarten oder ungünstige Arbeitsbedingungen, geringe Verdienstmöglichkeiten oder schlechte Aufstiegschancen vermuten. Im Religionsunterricht kann daran die Frage nach Beruf und Berufung angeschlossen werden. Die Lernenden können reflektieren, welche Kriterien für ihre eigene Berufswahl wichtig sind. Einkommen, Anerkennung, persönliche Begabung, Sicherheit, Freude, gesellschaftlicher Nutzen, Familie und Möglichkeiten zur Selbstverwirklichung können gewichtet und anschließend diskutiert werden. So entsteht eine differenzierte Auseinandersetzung mit der Frage, was gute Arbeit und ein gelingendes Berufsleben ausmacht.
Zum Abschluss eignet sich das Interview M11, in dem verschiedene Maßnahmen zur Verringerung der Lohnlücke diskutiert werden. Genannt werden unter anderem eine bessere Bezahlung vieler frauendominierter Berufe, die Überprüfung von Entgeltsystemen, bessere Möglichkeiten zur Vereinbarkeit von Familie und Erwerbstätigkeit sowie eine gleichmäßigere Verteilung von Sorgearbeit. Die Lernenden können diese Vorschläge arbeitsteilig untersuchen und anschließend eine Rangfolge erstellen. Sie müssen dabei begründen, welche Maßnahmen sie für besonders gerecht, wirksam und umsetzbar halten. Das Material selbst sieht ausdrücklich vor, Maßnahmen auszuwählen und deren Dringlichkeit zu begründen.
Als abschließender Transfer eignet sich eine Zukunftswerkstatt. Die Lernenden entwerfen eine Gesellschaft, in der Frauen und Männer gleiche Möglichkeiten in Bildung, Beruf, Einkommen, Familie und gesellschaftlicher Teilhabe besitzen. Sie formulieren zunächst, welche Veränderungen sie für notwendig halten, und entwickeln anschließend konkrete Maßnahmen für Schule, Arbeitswelt, Familie und Politik. Eine persönliche Abschlussreflexion kann die Frage aufnehmen, wie die Lernenden selbst später Erwerbsarbeit und Sorgearbeit verteilen möchten. Damit verbindet das Medium gesellschaftliche Analyse mit persönlicher Lebensplanung und ermöglicht im Religionsunterricht eine Auseinandersetzung mit Gerechtigkeit als persönlicher und gesellschaftlicher Aufgabe.
Der Einstieg gelingt über einer Karikatur zu ungleicher Lohnverteilung zwischen den Geschlechtern. Diese gefühlte Ungleichverteilung wird dann anhand einer Statistik erfasst. Eine weitere Karikatur zeigt die Berufsentscheidungen von Männern und Frauen auf, wobei die technischen gut bezahlten Berufe von Männer dominiert sind. Rollenmuster der Gesellschaft werden hinterfragt und über einen Text und weitere Statistiken zur Kinder Betreuung erarbeitet. In einem weiteren Schritt werden diese Rollenbilder dekonstruiert und Beispiele für Förderung der Durchbrechung der Muster werden aufgezeigt.