Der Fachartikel fragt danach, was Natur eigentlich bedeutet. Ausgehend von einer Tagung in Regensburg wird gezeigt, dass der Begriff Natur sehr vielschichtig ist und in Philosophie, Theologie und Naturwissenschaft unterschiedlich verstanden wird. Bischof Rudolf Voderholzer führt in das Thema ein und erklärt, dass Natur nicht einfach nur das Grüne oder Unberührte meint. Natur wird im Gegensatz zu Kultur, Kunst, Technik, Person, Gnade, Geist, Umwelt und Schöpfung verständlich. Besonders wichtig ist für die Theologie die Frage, wie Natur und Gnade zusammenhängen. Der Mensch ist nach christlichem Verständnis auf Gott hin geschaffen und kann sich nicht selbst erlösen. Zugleich ist Natur nicht wertlos, sondern von Gott geschaffen und auf Vollendung ausgerichtet.
Ein weiterer Schwerpunkt ist das Verhältnis von Naturwissenschaft und Schöpfungsglauben. Der Text betont, dass christlicher Glaube und wissenschaftliche Erkenntnis nicht notwendig im Widerspruch stehen. Die Natur ist nach christlichem Verständnis durch den göttlichen Logos geordnet und deshalb vernünftig erkennbar. Naturwissenschaft kann die Welt mit Naturgesetzen erklären, ohne Gott dadurch auszuschließen. Gerhard Haszprunar zeigt, dass Evolution, Kosmologie und Schöpfung zusammengedacht werden können. Evolution erscheint dann als Weise, in der Schöpfung geschieht. Zufall bedeutet dabei nicht Sinnlosigkeit, sondern Offenheit. Gerade Freiheit, Entwicklung und Verantwortung gehören zu einer Schöpfung, die nicht starr vorherbestimmt ist.
Michael Stickelbroeck fragt nach dem Wesen des Lebendigen. Er unterscheidet Lebewesen von leblosen Dingen und technischen Produkten. Lebendige Wesen besitzen Einheit, Form, Eigenbewegung, innere Zielgerichtetheit und eine eigene Entwicklung. Naturwissenschaft beschreibt die biologischen Prozesse, während Philosophie und Theologie nach tieferen Gründen, Sinn und Schöpfung fragen. Gottes Handeln wird nicht als Eingriff neben natürlichen Ursachen verstanden, sondern als schöpferischer Grund allen Seins. Der Mensch erscheint als besonderes Lebewesen, weil er Leib, Geist und Person ist. Er ist zur Antwort vor Gott gerufen und trägt Verantwortung für sein Handeln, für andere Menschen und für die Schöpfung.
Für Lehrer ist der Text besonders geeignet, um Lernenden zu zeigen, dass Natur ein Grundbegriff vieler Fächer ist. Er verbindet Biologie, Philosophie, Religion und Ethik. Lernende können daran erkennen, dass christlicher Schöpfungsglaube nicht einfach gegen Evolution und Naturwissenschaft steht, sondern nach Sinn, Ursprung, Freiheit und Verantwortung fragt.