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Katholische Akademie Bayern

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Napoleon Bonaparte

Veröffentlichung:1.6.2021

Der Fachartikel umfasst sechs Seiten. Der Artikel zeigt, dass Napoleon zwar als militärisches Genie und bedeutende historische Figur bis heute fasziniert, jedoch weniger als tragfähiger Staatsmann denn als Eroberer wirkte. Theologische Probleme stehen nicht im Mittelpunkt des Fachartikels. Berührt werden jedoch Fragen nach dem Verhältnis Napoleons zur Kirche, zu Religion, zu Christus, zur religiösen Instrumentalisierung von Herrschaft sowie zur moralischen Bewertung von Macht, Gewalt und Menschenwürde.

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Der Artikel untersucht, welche Bedeutung Napoleon Bonaparte zweihundert Jahre nach seinem Tod noch haben kann. Dabei zeichnet Johannes Willms das Bild eines Herrschers, der sich dem menschlichen Zugriff entzieht. Trotz zahlreicher Quellen, Briefe und Erinnerungen erscheint Napoleon nicht als nahbare Persönlichkeit. Er wird weder als fanatischer Ideologe noch als hasserfüllter Diktator beschrieben, sondern als machtbewusster Herrscher, der vor allem an der Beherrschung von Menschen interessiert war. Religion und Kirche bedeuteten ihm wenig. Mit der Kirche suchte er sich nur zu arrangieren, weil sie als geistige Macht eine Konkurrenz darstellte.

Im ersten Teil erklärt der Artikel Napoleons Aufstieg aus der Französischen Revolution heraus. Entscheidend war die neue Revolutionsarmee, die sich von den alten europäischen Heeren deutlich unterschied. Sie bestand aus freien Bürgern, die sich durch Freiheit, Gleichheit und Ehre motiviert sahen. Napoleon verstand es, diese Motivation zu nutzen und zu steigern. Als junger General trat er seinen Soldaten nahe, teilte ihre Entbehrungen, stärkte ihren Kampfgeist und verband militärisches Können mit geschickter Propaganda. Seine Feldzüge in Italien brachten ihm große Erfolge ein. Dadurch wurde er nicht nur militärisch, sondern auch politisch unentbehrlich. Seine Siege, seine propagandistische Selbstdarstellung und die finanziellen Erträge aus den eroberten Gebieten machten ihn zu einer Schlüsselfigur des revolutionären Frankreichs.

Im zweiten Teil beschreibt der Artikel, wie Napoleon diese Ausgangsposition nutzte, um sich durch den Staatsstreich vom 9. November 1799 an die Spitze Frankreichs zu setzen. Zunächst als Erster Konsul und später als Kaiser schuf er eine neue politische Ordnung. Einerseits gelang es ihm, Frankreich nach den Wirren der Revolution zu stabilisieren und ihm eine dauerhafte innere Ordnung zu geben. Andererseits markierte seine Kaiserherrschaft eine Abkehr von wichtigen Zielen der Revolution. Zwar hielt Napoleon am Grundsatz der Gleichheit vor dem Gesetz fest, doch Freiheit und Brüderlichkeit traten in den Hintergrund. Gerade diese rechtliche Gleichheit wirkte im monarchisch geprägten Europa weiterhin modern und herausfordernd.

Der Artikel betont jedoch, dass Napoleon als Kaiser nicht inne hielt, sondern seine Macht durch immer neue Eroberungen ausweitete. Nach dem Sieg von Austerlitz wurde er zum beherrschenden Machtfaktor Europas. Er hatte nun die Möglichkeit, in Deutschland und Italien dauerhafte staatliche Ordnungen zu schaffen. Nach Ansicht des Autors versäumte er diese Chance, weil er mehr Feldherr als Staatsmann war. Statt stabile politische Systeme aufzubauen, setzte er seine Expansion fort. Besonders deutlich wird dies am Beispiel Neapels und an der Einsetzung seiner Familienangehörigen auf fremde Throne. Napoleon ordnete Europa nicht zum Wohl der Völker neu, sondern nach den Interessen französischer Macht.

Ein Schwerpunkt des Artikels liegt auf dem Rheinbund. Dieser wird nicht als freier Zusammenschluss deutscher Staaten gedeutet, sondern als Machtinstrument Napoleons. Die deutschen Fürsten wurden zum Beitritt gezwungen und verloren einen großen Teil ihrer politischen Selbstständigkeit. Außenpolitik, militärische Ressourcen und zentrale Entscheidungen blieben von Frankreich abhängig. Der Rheinbund diente somit der politischen und militärischen Beherrschung Deutschlands. Zwar brachte diese Neuordnung auch Verwaltungsreformen und Modernisierungseffekte mit sich, doch waren diese nach Auffassung des Autors eher unbeabsichtigte Nebenfolgen als eigentliche Ziele Napoleons.

Besonders kritisch bewertet der Artikel zwei langfristige Folgen dieser Politik. Zum einen wurde durch die Mediatisierung eine gesellschaftliche Ordnung gefestigt, in der der Adel trotz politischer Verluste weiterhin starke soziale Vorrechte behielt. Diese Sonderstellung wirkte in Deutschland lange nach und schwächte später demokratische Entwicklungen. Zum anderen habe Napoleons Herrschaft die Bildung organischer Nationalstaaten in Deutschland und Italien nicht beschleunigt, sondern eher verzögert. Gerade die Länder, die besonders stark von napoleonischer Herrschaft geprägt wurden, brachten später Nationalsozialismus und Faschismus hervor. Der Autor formuliert hier eine bewusst zugespitzte und kritische Deutung.

Auch den häufig gelobten Modernisierungsschub relativiert der Artikel. Der Code Napoléon wurde in Deutschland nur begrenzt eingeführt und wirkte nicht durchweg fortschrittlich. In manchen Gebieten trug er sogar dazu bei, alte Besitzverhältnisse des Adels zu sichern. Ebenso weist der Autor die Vorstellung zurück, der Rheinbund sei eine frühe Lösung der deutschen Frage gewesen. Vielmehr handelte es sich um ein von Frankreich kontrolliertes Gebilde ohne echte föderale Selbstständigkeit.

Im letzten Teil fragt Johannes Willms nach Napoleons bleibender Bedeutung. Er kommt zu dem Ergebnis, dass Napoleon zweifellos ein militärisches Genie war, aber keine stabilen und legitimen politischen Systeme schaffen konnte. Europa und Frankreich standen nach seinen Kriegen materiell und kulturell schlechter da als zuvor. Dennoch unterscheidet ihn der Autor von totalitären Diktatoren wie Hitler oder Stalin. Napoleon beruhte auf dem Prinzip der Gleichheit vor dem Gesetz und respektierte grundsätzlich Menschenrechte. Zugleich benennt der Text Widersprüche. So führte Napoleon die von der Revolution abgeschaffte Sklaverei wieder ein. Andererseits förderte er in seinem Herrschaftsbereich die Emanzipation der Juden.

Zum Schluss widmet sich der Artikel dem napoleonischen Nachleben und der Legendenbildung. Besonders wichtig war dafür der Mémorial de Sainte Hélène, in dem Napoleon nachträglich stilisiert und den Erwartungen des liberalen Publikums angepasst wurde. So entstand ein Mythos, der Napoleon nicht nur als historischen Herrscher, sondern beinahe als heilsgeschichtliche Figur erscheinen ließ. Einzelne Autoren verglichen ihn sogar mit Christus. Der Artikel zeigt daran, dass Napoleon bis heute Projektionsfläche für politische Hoffnungen, Sehnsüchte und Deutungen bleibt.

Als Fazit hält Johannes Willms fest, dass Napoleons anhaltende Faszination wohl in seinem radikalen Individualismus liegt. Er verkörpert den Willen zum Sieg, zur Macht und zum Ruhm in einer besonders reinen und schamlosen Form. Deshalb wird über ihn bis heute gestritten. Er bleibt eine historische Gestalt, in der jede Generation auch etwas von sich selbst erkennt.

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