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Christoph ThomaSchulamt Innsbruck

Christoph Thoma,

Schulamt Innsbruck

Was nach dem Glauben kommt MB 1257

Veröffentlichung:1.1.1970

Die Unterrichtsstunde „Was nach dem Glauben kommt“ mit sieben Seiten fragt, welche Rolle Religion in einer säkularen Welt noch spielt. Er beschreibt den Niedergang kirchlicher Autorität und die Folgen von Missbrauch, Heuchelei und Vertrauensverlust, betont aber zugleich die bleibende Bedeutung religiöser Ideen wie Gerechtigkeit, Freiheit und Solidarität. Assheuer warnt davor, dass eine völlig gottlose Gesellschaft Gefahr läuft, sich Macht, Technik oder Nationalismus als neuen „Göttern“ zu unterwerfen. Religion, so seine These, bleibt unverzichtbar als moralische Kraft, die Macht kritisch hinterfragt und den Schwachen eine Stimme gibt.

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I. Einführung (10 Minuten)

Die Stunde beginnt mit einer provokativen Frage an die Klasse:

„Stellt euch vor, es gäbe keine Religionen mehr. Was würde sich in der Welt verändern?“

Die Schüler notieren spontan Stichworte (2 Minuten), die an der Tafel gesammelt werden (z. B. „mehr Frieden“, „weniger Moral“, „mehr Freiheit“, „weniger Orientierung“).

Danach wird kurz erklärt, dass Thomas Assheuer in seinem Essay genau diese Frage stellt und diskutiert, was Gesellschaft, Moral und Politik verlieren könnten, wenn Religion verschwindet.

Kurze Inputphase:

Religionen als moralische und soziale Ordnungsrahmen

Säkularisierung als Herausforderung

Zitat an der Tafel: „Ohne den Stachel der Religion wäre die Moderne endlich frei – das ewige Experiment des Menschen mit sich selbst.“ (Assheuer)

Ziel wird erläutert: Die Stunde soll klären, ob Religion heute noch gebraucht wird – und wenn ja, wofür.


II. Diskussion (20 Minuten)

Methode: „Fishbowl“-Diskussion

In der Mitte sitzen fünf Schüler, außen der Beobachterkreis.

Einstiegsfrage:

„Kann eine Gesellschaft ohne Religion gerecht und menschlich bleiben?“

Impulse aus dem Text:

Religion als Protest gegen das Unerträgliche und gegen Unrecht

Gefahr einer „Machtreligion“ ohne Gott (Nationalismus, Kapitalismus, Kommunismus)

Religion als „machtlose Macht“: Stimme der Schwachen

Religion als Wurzel der Menschenrechte (Exodus-Erzählung, Bund mit Gott)

Die Lehrkraft achtet darauf, dass Positionen von Kant, Metz und Assheuer auftauchen:

Kant: „Es müsse anders zugehen“ – moralische Stimme der Religion

Metz: Kritik an der Kirche als sündenempfindlich statt leidempfindlich

Assheuer: Gefahr einer Welt ohne Transzendenz

Nach etwa 15 Minuten wird der Beobachterkreis einbezogen:

Welche Argumente waren besonders stark? Was wurde übersehen?


III. Praktische Anwendung (25 Minuten)

Gruppenarbeit in 4 Teams:

Jede Gruppe entwirft eine Zukunftsvision – in Form einer Mini-Szene oder kurzen Textcollage (max. 5 Minuten Präsentationszeit).

Auftrag:

„Wie sieht eine Welt ohne Religion aus – oder eine, in der Religion ihre ursprüngliche Kraft zurückgewinnt?“

Varianten zur Auswahl:

Eine futuristische Gesellschaft ohne Religion, in der Moral verhandelbar wird.

Eine Gesellschaft, in der Religion zur Stimme der Gerechtigkeit zurückfindet.

Ein Land, in dem Macht, Medien und Technik zur neuen „Religion“ werden.

Eine globale Bewegung, in der sich Gläubige und Atheisten für eine neue Ethik verbinden.

Hilfsmaterialien: Zitate aus Assheuer, Karten mit Schlüsselbegriffen („Macht“, „Freiheit“, „Gerechtigkeit“, „Glaube“, „Fortschritt“).

Ziel: Schüler übersetzen den philosophischen Gehalt des Textes in greifbare Szenarien.


1. Eine futuristische Gesellschaft ohne Religion, in der Moral verhandelbar wird

In dieser Zukunft ist Religion vollständig verschwunden. Moralische Werte sind keine festen Prinzipien mehr, sondern werden von Mehrheiten, Algorithmen oder wirtschaftlichen Interessen bestimmt. Entscheidungen über Leben und Tod – etwa in Medizin, Umwelt oder Technik – richten sich nach Nutzen und Effizienz, nicht nach Würde oder Mitgefühl. Menschen leben zwar frei, aber auch orientierungslos. Der Sinn des Lebens wird zum Produkt individueller Selbsterfindung, während Solidarität und Verantwortung an Bedeutung verlieren. Ohne den Glauben an etwas Höheres wird Moral zu einem flexiblen Tauschgut – je nach Situation, Macht oder Markt.


2. Eine Gesellschaft, in der Religion zur Stimme der Gerechtigkeit zurückfindet

In dieser Vision erinnern sich Religionen an ihre ursprüngliche Aufgabe: den Schutz der Schwachen und den Protest gegen Unrecht. Kirchen und Glaubensgemeinschaften treten gemeinsam für soziale Gerechtigkeit, Frieden und Klimaschutz ein, ohne Machtansprüche zu erheben. Gläubige verstehen Religion nicht als Dogma, sondern als Quelle der Hoffnung und moralischen Orientierung. Glauben bedeutet, Verantwortung für die Welt zu übernehmen. Diese Religion ist kritisch, dialogisch und offen – sie steht auf der Seite der Opfer und wird zur moralischen Instanz in einer zerrissenen Welt.


3. Ein Land, in dem Macht, Medien und Technik zur neuen „Religion“ werden

Hier regieren Algorithmen, Daten und nationale Interessen. Erfolg, Effizienz und Kontrolle ersetzen Sinn, Vertrauen und Liebe. Menschen beten nicht mehr zu Gott, sondern zu Fortschritt, Reichtum und digitaler Perfektion. Medien inszenieren Führerfiguren wie Propheten, soziale Netzwerke schaffen Glaubensgemeinschaften aus Likes und Followern. Wahrheit wird zur Ware, Macht zum Götzen. Diese neue „Religion“ der Technik gibt Sicherheit, aber keine Seele. Sie verspricht Erlösung durch Innovation – und opfert dafür Freiheit, Menschlichkeit und Mitgefühl.


4. Eine globale Bewegung, in der sich Gläubige und Atheisten für eine neue Ethik verbinden

In dieser Zukunft entsteht eine Allianz aus Menschen aller Weltanschauungen, die sich für eine gemeinsame Ethik einsetzen. Sie einigen sich auf Grundwerte wie Menschenwürde, Frieden, ökologische Verantwortung und Gerechtigkeit. Religion wird nicht abgeschafft, sondern als kulturelle und spirituelle Quelle verstanden, die mit Vernunft und Wissenschaft ins Gespräch tritt. Atheisten und Gläubige erkennen, dass sie trotz unterschiedlicher Überzeugungen dieselbe Sehnsucht teilen: eine bessere, gerechtere Welt. Diese Bewegung schafft eine neue Form des Glaubens – an die Kraft des Menschen, das Gute zu wollen.


IV. Präsentation der praktischen Anwendung (15 Minuten)

Jede Gruppe stellt ihre Szene oder Collage vor.

Die Klasse bewertet kurz mithilfe von drei Leitfragen:

Was zeigt diese Zukunft über den Menschen?

Welche Rolle spielt Glaube oder Transzendenz?

Welche Gefahr oder Hoffnung ist sichtbar?

Kurze schriftliche Rückmeldung an die Gruppen (Klebezettel-Methode).


V. Reflexion und Zusammenfassung (10 Minuten)

Gemeinsames Blitzlicht:

„Was würde unserer Welt fehlen, wenn der Glaube verschwindet?“

Die Lehrkraft fasst zusammen:

Religion bleibt trotz aller Kritik Quelle moralischer Orientierung.

Sie kann Macht kritisch hinterfragen, statt selbst Macht zu sein.

Eine „zweite Achsenzeit“ (Assheuer) könnte Religion neu definieren – als Bündnis für Gerechtigkeit und Menschlichkeit.

Tafelbild:

„Religion als kritische Macht – oder als machtlose Stimme?“


VI. Hausaufgabe

Schriftliche Reflexion (ca. 1 Seite):

„Braucht eine gerechte Gesellschaft den Glauben an Gott – oder reicht menschliche Vernunft?“

Optional: Beziehe dich auf ein Beispiel aus Politik, Umwelt oder persönlicher Erfahrung.


VII. Abschließende Worte

Die Lehrkraft betont, dass Religion im besten Sinn ein „Ort des Protests gegen das Unrecht“ sein kann – und dass Glaube, verstanden als Hoffnung auf Gerechtigkeit, nie überflüssig wird.


VIII. Zusätzliche kreative Ideen

Podcast-Projekt: Schüler gestalten eine Mini-Folge „Was kommt nach dem Glauben?“ mit Interview und Kommentar.

Kunst-Impuls: Gestaltung einer symbolischen Collage „Der Mensch ohne Transzendenz“ (Bilder, Schlagworte, Bibelverse).

Philosophische Schreibwerkstatt: „Wenn Gott schweigt, wer spricht dann?“ – freie Kurztexte oder fiktive Dialoge.


IX. Bibelzitate zur Vertiefung

„Was hilft es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt und doch Schaden nimmt an seiner Seele?“ (Mt 16,26)

„Gerechtigkeit, Gerechtigkeit sollst du suchen.“ (Dtn 16,20)

„Selig sind, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie werden satt werden.“ (Mt 5,6)

„Ich will Barmherzigkeit, nicht Opfer.“ (Hos 6,6 / Mt 9,13)

Hessen

Hessen

Sekundarstufe II | Q2 Gott – verborgen und offenbar

Q2.3 Religionskritik – Bestreitung der Vernünftigkeit des Gottesglaubens.

Sekundarstufe II | Q4 Kirche – Gemeinde Jesu Christi

Q4.3 Kirche in der Welt von heute.

Rheinland-Pfalz

Rheinland-Pfalz

Sekundarstufe II | 11/2 Der Mensch auf der Suche nach Gott

11.2 / 2. Gottesbestreitungen und Religionskritik.

Sekundarstufe II | 13 Der Mensch und seine Zukunft - Die Zukunft der Menschheit

13 / 4. Zukunft und Aufgaben der Religionen.

Text

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9.11.2025

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Unterrichtsstunde

Menschen & Welt

Suchen, Verarbeiten und Aufbewahren ,Kommunizieren und Kooperieren ,Produzieren und Präsentieren ,Analysieren und Reflektieren

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