Der Artikel geht von der Grundüberzeugung aus, dass die Kirche um der Menschen willen da ist. Dieses Prinzip wird theologisch mit der Menschwerdung Gottes in Jesus Christus und mit dem Wort Jesu begründet, dass der Sabbat für den Menschen da sei. Daraus folgt für den Autor, dass auch die Kirche nicht Selbstzweck sein darf. Sie darf nicht verlangen, dass Menschen ihr dienen, sondern sie muss selbst den Menschen dienen. Der Verfasser kritisiert, dass im kirchlichen Alltag oft genau das Gegenteil sichtbar wird. Viele kirchliche Formeln und Erwartungen zielen seiner Meinung nach darauf, Menschen für die Stabilisierung der Kirche einzuspannen, statt die Kirche an den Bedürfnissen der Menschen auszurichten.
Im Zentrum des Artikels steht die Mahnung des Jesuiten Alfred Delp, die Kirche müsse in die Diakonie zurückkehren. Haslinger greift diesen Gedanken auf und erweitert ihn zur Forderung nach einer Rückkehr in Seelsorge und Diakonie. Gemeint ist damit nicht ein Dienst an der Kirche selbst, sondern ein selbstloser Dienst an allen Menschen. Dieser Dienst darf nicht versteckt auf Mitgliedergewinnung, Kirchenbindung oder kirchlichen Nutzen zielen. Die Kirche soll Menschen helfen, ohne dabei eigene institutionelle Interessen zu verfolgen.
Der Autor erklärt dann ausführlich, was unter Seelsorge zu verstehen ist. Seelsorge meint für ihn die Sorge um den ganzen Menschen in seiner unverwechselbaren Persönlichkeit. Sie ist ein am christlichen Glauben orientiertes und fachlich qualifiziertes Handeln, das Menschen hilft, ihren Lebensweg zu bewältigen und ihr Leben verantwortlich und stimmig zu gestalten. Seelsorge und Diakonie gehören deshalb eng zusammen. Beide zielen darauf, Menschen in ihren konkreten Lebenssituationen beizustehen, gerade auch in Krisen, in Leid, in Krankheit, in Einsamkeit oder in sozialer Not.
Anschließend diagnostiziert der Artikel eine Abkehr der Kirche von Seelsorge und Diakonie. Diese Abkehr sieht der Autor nicht einfach in der Professionalisierung sozialer und therapeutischer Hilfen, sondern in der innerkirchlichen Entwicklung selbst. Besonders kritisch bewertet er die Bildung pastoraler Großstrukturen. Wenn Seelsorgende nicht mehr konkret einem Ort oder einer Gemeinde zugeordnet sind, geht nach seiner Auffassung die Nähe zur Lebenswelt der Menschen verloren. Statt unmittelbarer Hilfe trete dann immer öfter Organisation, Strukturplanung und Verwaltung.
Zugleich kritisiert der Autor die starke Verlagerung pastoraler Aufgaben auf Ehrenamtliche. Zwar schätzt er ehrenamtliches Engagement, doch dürfe dieses nicht dazu dienen, professionelle Seelsorge und Diakonie zu ersetzen. Die Kirche habe Menschen gegenüber eine Verantwortung, gerade weil Seelsorge und diakonische Hilfe fachlich anspruchsvoll sind und großes Vertrauen verlangen. Wer Menschen in Trauer, Krankheit, Krisen oder anderen belastenden Situationen begleitet, braucht dafür Kompetenz, Diskretion und Verlässlichkeit. Deshalb dürfe die Kirche diese Aufgaben nicht leichtfertig delegieren.
Ein weiterer Schwerpunkt des Artikels ist die Kritik am pastoralen Selbstverständnis vieler kirchlicher Berufe. Haslinger beobachtet, dass manche Seelsorgenden sich lieber in Planung, Gremienarbeit und Leitungsfunktionen bewegen, als sich den konkreten Sorgen und Nöten von Menschen auszusetzen. Besonders problematisch findet er eine Haltung, in der direkte Seelsorge und Diakonie als wenig prestigeträchtig, belastend oder nicht passend zur eigenen Rolle empfunden werden. Diese Entwicklung bewertet er als tiefgreifende Krise kirchlicher Identität.
Der Autor betont, dass Seelsorge und Diakonie in der Gesellschaft weiterhin gebraucht werden. Gerade in Extremsituationen werde sichtbar, wie notwendig Seelsorgende sind. Daraus leitet er drei Begründungen für die Rückkehr in Seelsorge und Diakonie ab. Erstens gehören sie zur eigentlichen Identität pastoraler Berufe. Zweitens schuldet die Kirche den betroffenen Menschen eine fachlich gute und verlässliche Begleitung. Drittens ist die Kirche auch der Gesellschaft gegenüber verpflichtet, weil sie öffentliche Anerkennung und Unterstützung gerade mit ihrem seelsorglichen und sozialen Dienst rechtfertigt. Wenn sie diesen Dienst vernachlässigt, untergräbt sie ihre Glaubwürdigkeit und verletzt ihr stillschweigendes Übereinkommen mit der Gesellschaft.
Am Ende erzählt Haslinger die Geschichte einer Rettungsstation, die sich nach und nach in ein gemütliches Clubhaus verwandelt und dabei ihren eigentlichen Auftrag vergisst. Dieses Bild macht deutlich, wie er die Lage der Kirche sieht. Eine Kirche, die sich zu sehr mit sich selbst beschäftigt, ihre Strukturen pflegt und den unmittelbaren Dienst an den Menschen vernachlässigt, verliert ihren Sinn. Der Artikel endet somit mit einem klaren Appell: Die Kirche kann nur dann Zukunft haben, wenn sie in Seelsorge und Diakonie zurückkehrt und sich neu konsequent an den Menschen orientiert.