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Katholische Akademie Bayern

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Untergang und neuer Anfang

Romano Guardinis Das Ende der Neuzeit

Veröffentlichung:1.1.2024

Der Fachartikel umfasst fünf Seiten. Er stellt Guardinis Schrift Das Ende der Neuzeit als einen Versuch der Orientierung nach dem Zweiten Weltkrieg vor und zeigt, wie Guardini die Krise der Moderne deutet. Theologisch behandelt der Artikel vor allem die Probleme des Verhältnisses von Gott und Mensch, von Glaube und Wissenschaft, von Freiheit und Autorität, von Offenbarung und säkularer Welt sowie die Frage, wie christlicher Glaube in einer widerchristlich geprägten Zeit bestehen kann.

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Der Artikel erläutert Romano Guardinis Schrift Das Ende der Neuzeit als eine dichte und programmatische Deutung der geistigen Situation nach dem Zweiten Weltkrieg. Der Verfasser zeigt zunächst, dass Guardinis Text als Versuch einer Orientierung zu verstehen ist. Guardini will Menschen in einer Zeit des Zusammenbruchs und der Unsicherheit helfen, ihre Lage zu begreifen, ohne belehrend aufzutreten. Die Schrift steht in engem Zusammenhang mit früheren Vorlesungen und gehört zu jenen Texten, in denen Guardini nach 1945 nach neuen Wegen des Denkens und Glaubens sucht. Dabei geht es nicht nur um eine historische Analyse der Neuzeit, sondern auch um eine kritische Bilanz ihrer geistigen Grundlagen und um die Suche nach einem neuen Anfang.

Im nächsten Schritt beschreibt der Artikel Guardinis Sicht auf das Mittelalter. Dieses erscheint bei ihm als eine Welt der Ordnung, der Symbolik und der religiösen Durchdringung. Der mittelalterliche Mensch lebt in einer Wirklichkeit, die auf Gott hin offen ist und in der das Dasein in eine übergreifende Ordnung eingebettet bleibt. Gesetz, Ethos, Denken und Kunst sind in einem christlichen Deutungshorizont verbunden. Dabei macht der Artikel deutlich, dass Guardini das Mittelalter nicht romantisch verklärt. Er will nicht in die Vergangenheit zurückkehren, sondern aus ihr Maßstäbe gewinnen, um die Gegenwart besser zu verstehen.

Dem stellt Guardini das neuzeitliche Welt und Menschenbild gegenüber. Dieses wird nach dem Artikel durch die drei Begriffe Natur, Subjekt und Kultur geprägt. Der neuzeitliche Mensch erlebt sich als autonom und versucht, die Welt aus eigener Kraft zu ordnen und zu beherrschen. Doch gerade darin liegt nach Guardini eine tiefe Spannung. Einerseits erhebt sich der Mensch auf Kosten Gottes und beansprucht Selbstgenügsamkeit. Andererseits erniedrigt er sich selbst, indem er sich nur noch als Teil der Natur versteht und seine besondere Würde verliert. Der Artikel arbeitet heraus, dass Guardini hier eine doppelte Krise diagnostiziert, nämlich Selbstüberschätzung und Selbsterniedrigung zugleich. Der Mensch verliert Maß und Mitte und damit letztlich auch den Zugang zu seinem eigentlichen Wesen.

Ein wichtiger Teil des Artikels widmet sich dem Problem, dass der Glaube in der Neuzeit in eine Verteidigungsstellung gerät. Während der christliche Glaube früher weithin als selbstverständlicher Horizont des Lebens galt, muss er sich nun vor Philosophie und Wissenschaft rechtfertigen. Daraus entsteht eine angestrengte Apologetik. Der Artikel nennt hier zentrale Konflikte, die Guardini beschreibt, etwa die Fragen nach Gottes Wirken in der Welt, nach der Freiheit des Menschen, nach Vorsehung, Offenbarung, Kirche und göttlicher Autorität. Diese Probleme sind nach der Darstellung des Artikels bis heute aktuell, weil viele Glaubende ihren Glauben in einer als fremd oder feindlich erlebten Welt behaupten müssen.

Danach zeigt der Artikel, wie Guardini das Ende der Neuzeit versteht. Der Zusammenbruch nach dem Zweiten Weltkrieg wird von ihm als Krisis und Entscheidungssituation wahrgenommen. Guardini sieht darin nicht einfach nur Untergang, sondern die Möglichkeit eines neuen Anfangs. Der falsche Fortschrittsoptimismus der Moderne wird entlarvt, und der Mensch erkennt, dass er seinen Ort in der Wirklichkeit verloren hat. Der Artikel greift dafür Guardinis Bild der Ortlosigkeit auf. Der Mensch hängt im Irgendwo, weil er den Zusammenhang des Seins nicht mehr versteht und seinen Bezug zu Gott und zu sich selbst verliert. Diese Orientierungslosigkeit prägt nach Guardini die moderne Existenz.

Besonders eindrücklich ist die Analyse der widerchristlichen Form der Gegenwart. Der Artikel betont, dass Guardini eine Welt beschreibt, in der christliche Maßstäbe nicht mehr selbstverständlich sind. Religiöse Fragen werden in einen eigenen Bereich abgeschoben, während das weltliche Leben als unabhängig von Offenbarung verstanden wird. Guardini sieht darin keine bloße Säkularisierung, sondern eine bewusst widerchristliche Entwicklung. Zugleich erkennt er darin aber auch eine Chance, weil dadurch die Fronten klarer werden und ein entschiedener Glaube neu sichtbar werden kann. Ein halber, angepasster oder nur kulturell mitlaufender Glaube reicht nicht mehr aus.

Im letzten Teil arbeitet der Artikel Guardinis Lösungsansatz heraus. Entscheidend ist die Rückgewinnung der Personalität des Menschen. Der Mensch soll sich wieder als Person verstehen, deren Würde nicht aus Leistung, Funktion oder Kultur stammt, sondern aus ihrer Beziehung zu Gott. Diese Sicht wird erst im Horizont von Offenbarung, Gotteskindschaft und Vorsehung wirklich verständlich. Der Glaube muss deshalb neu entschlossen und klar werden. Guardini fordert Vertrauen und Tapferkeit. Christlicher Glaube soll sich von Halbheiten und bloßen Anpassungen lösen und als echte Antwort auf die Krise der Zeit gelebt werden. Der Artikel macht deutlich, dass Guardini darin keinen Rückzug aus der Welt sieht, sondern eine neue Form der Orientierung, die dem Menschen Halt, Würde und Richtung geben kann.

Insgesamt zeigt der Fachartikel, dass Guardinis Denken Ende und Anfang zusammenführt. Das Ende der Neuzeit ist nicht nur eine Diagnose des Verlustes, sondern zugleich ein Aufruf zu neuer Nüchternheit, neuer Personalität und neuem Glaubensmut. Dadurch wird Guardinis Schrift auch für die Gegenwart von Kirche und Glaube anschlussfähig.

Hessen

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