Die Ausbildung zum Priester ist anspruchsvoll und erfordert Entschlossenheit, da sie eine radikale Lebensentscheidung bedeutet. In Haiti wurde diese Situation durch das schwere Erdbeben von 2010 dramatisch verschärft: Viele kirchliche Gebäude wurden zerstört, zahlreiche Seminaristen und Geistliche kamen ums Leben, und die Priesterausbildung musste unter prekären Bedingungen in Zelten fortgeführt werden. Trotz dieser schwierigen Umstände hielten viele Priesteramtskandidaten am Glauben fest, empfanden die Katastrophe als Prüfung und sahen ihre Berufung dadurch sogar bestätigt.
Besonders deutlich wird in diesem Zusammenhang die gesellschaftliche Rolle der Kirche in Haiti. Weil staatliche Strukturen im Bildungs- und Gesundheitswesen weitgehend fehlen, übernimmt die Kirche zentrale Aufgaben in der sozialen und kulturellen Versorgung der Bevölkerung. Die Priesterausbildung ist daher nicht nur von religiöser, sondern auch von gesellschaftlicher Bedeutung. Junge Menschen, die sich auf diesen Weg einlassen, verstehen sich als Hoffnungsträger und Werkzeuge für eine geistliche wie soziale Erneuerung des Landes. Ihre Berufung ist Ausdruck von Idealismus und Glaubenstreue und zugleich ein Beitrag zur Zukunft Haitis.