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Vandenhoeck Ruprecht | Religion unterrichten

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Künstliche Intelligenz

Neuro-Enhancement, Metaversum und Transhumanismus? – Warum es höchste Zeit ist, sich auf das christliche Menschenbild zu besinnen

Veröffentlichung:1.1.2022

Der Artikel ist in dem Heft Religion unterrichten unter dem Titel: „Künstliche Intelligenz, Neuro Enhancement, Metaversum und Transhumanismus? – Warum es höchste Zeit ist, sich auf das christliche Menschenbild zu besinnen“ enthalten. Der vorliegende Text umfasst 5 Seiten, nämlich Seite 31 bis 36. Doris Nauer beschreibt, wie Künstliche Intelligenz, technische Selbstoptimierung, Metaversum und transhumanistische Zukunftsentwürfe das Verständnis vom Menschen tiefgreifend verändern. Dem setzt sie das christliche Menschenbild entgegen, das die Würde, Ganzheit, Begrenztheit und Erlösungsbedürftigkeit des Menschen betont.

Theologische Probleme des Fachartikels sind vor allem die Frage nach dem christlichen Menschenbild, nach der Gottesebenbildlichkeit, nach Menschenwürde, Schöpfungsverantwortung, Endlichkeit und Tod, Erlösung, Selbstoptimierung sowie nach der Grenze zwischen Mensch und Maschine.

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Der Artikel setzt bei der Beobachtung an, dass sich durch Künstliche Intelligenz, Robotik, Neuro Enhancement, Metaversum und transhumanistische Ideen tiefgreifende, oft kaum bemerkte Veränderungen vollziehen. Die Autorin greift vor allem Visionen auf, die von einer zukünftigen künstlichen Superintelligenz ausgehen. Solche Systeme sollen nicht nur menschliche Fähigkeiten nachahmen, sondern durch selbstständiges Lernen eine Intelligenz entwickeln, die die menschliche übertrifft. Diese Vorstellung ist mit der Idee der Singularität verbunden, also mit einem Punkt, an dem Maschinen intelligenter werden als ihre Entwickler. Auch wenn diese Entwicklungen für viele Menschen noch abstrakt erscheinen, prägen KI Anwendungen den Alltag bereits heute in Kommunikation, Verkehr, Medizin, Wirtschaft und Sicherheit.

Im nächsten Schritt beschreibt der Artikel den Transhumanismus beziehungsweise Posthumanismus als eine Weltanschauung, die aus den neuen technischen Möglichkeiten hervorgegangen ist. Nach dieser Sicht soll der Mensch seine biologischen Grenzen überwinden und sich durch Technik verbessern. Die Autorin stellt verschiedene Formen dieser Selbstoptimierung dar. Dazu gehören genetische Eingriffe, die gezielte Auswahl oder Veränderung von Embryonen, körperliche Optimierung durch chirurgische Maßnahmen, Neuro Enhancement zur Steigerung von Leistung, Konzentration und Stimmung sowie die technische Aufrüstung des menschlichen Körpers durch künstliche Organe, Implantate und Verschmelzungen von Gehirn und Computer. Hinzu kommt die Vision, das menschliche Bewusstsein digital zu rekonstruieren und in virtuelle Welten oder Roboter zu übertragen. Dahinter steht die Hoffnung, den Menschen von seiner Körperlichkeit unabhängig zu machen und ihm eine Form technischer Unsterblichkeit zu ermöglichen.

Die Autorin zeigt, dass diese Entwicklungen ambivalent sind. Einerseits bieten sie große Chancen. KI kann Krankheiten diagnostizieren, Therapien verbessern, schwere Arbeit übernehmen und technische Abläufe optimieren. Andererseits entstehen weitreichende ethische und anthropologische Probleme. Es stellt sich die Frage, ob alle Menschen gleichermaßen von diesen Entwicklungen profitieren oder ob sich die Gesellschaft in aufgewertete und nicht aufgewertete Menschen spaltet. Ebenso wird gefragt, ob Maschinen oder Mischwesen aus Mensch und Technik künftig Würde und Rechte erhalten sollen. Die Autorin problematisiert auch die Möglichkeit, dass Menschen ihre eigene biologische Existenz immer stärker ablehnen und sich selbst als defizitäre Wesen betrachten, die überwunden werden müssen.

Vor diesem Hintergrund plädiert der Artikel dafür, sich neu auf das christliche Menschenbild zu besinnen. Die Autorin betont, dass christliche Anthropologie trotz kirchlicher Glaubwürdigkeitskrisen keineswegs überholt ist. Gerade angesichts der aktuellen Technikentwicklungen könne sie wichtige Impulse für ein menschenfreundliches, solidarisches und verantwortliches Zusammenleben geben. Vor allem der Religionsunterricht wird als Raum beschrieben, in dem junge Menschen über die Folgen neuer Technologien nachdenken und christliche Deutungen des Menschseins kennenlernen können. Dazu müssen traditionelle christliche Begriffe in eine verständliche und zeitgemäße Sprache übersetzt werden.

Ein zentraler Gedanke des Artikels ist, dass der Mensch aus christlicher Sicht ein ganzheitliches Wesen ist. Körper, Psyche, Geist, Spiritualität und soziale Geschichtlichkeit gehören zusammen. Gegenüber transhumanistischen Vorstellungen wird betont, dass der Mensch nicht auf Bewusstsein, Intelligenz oder Daten reduziert werden darf. Ebenso kritisiert die Autorin den Versuch, reale leibliche und soziale Beziehungen durch virtuelle Kontakte im Metaversum zu ersetzen. Das christliche Menschenbild hält daran fest, dass Menschsein wesentlich verkörpert, sozial und auf Beziehung angelegt ist.

Besonders wichtig sind für die Autorin zwei Ambivalenzerfahrungen des Menschseins. Die erste beschreibt sie mit den Bildern „fast gottgleich“ und zugleich „Staub“. Der Mensch ist nach christlicher Auffassung von Gott gewollt, geliebt und mit Würde ausgestattet. Zugleich bleibt er begrenzt, verletzlich und sterblich. Daraus folgt, dass Menschen sich nicht selbst vergöttlichen und nicht dem Wahn grenzenloser Selbstoptimierung verfallen sollen. Sie dürfen unvollkommen sein, krank werden, altern und sterben. Der Tod muss nicht als Feind bekämpft werden, sondern gehört zum endlichen Leben dazu.

Die zweite Ambivalenzerfahrung beschreibt der Artikel mit den Begriffen „sündig“ und zugleich „erlöst“. Menschen bleiben hinter ihrem eigentlichen Menschsein zurück, wenn sie nur sich selbst optimieren und die Verantwortung für andere und für die Schöpfung aus dem Blick verlieren. Zugleich müssen sie sich aus christlicher Sicht nicht selbst erlösen. Sie dürfen darauf vertrauen, dass ihr Wert und ihre Würde nicht erst durch Leistung, Perfektion oder technische Aufrüstung entstehen. Daraus ergibt sich eine deutliche Kritik an transhumanistischen Versuchen, das menschliche Leben technisch unbegrenzt zu verlängern oder den Menschen in eine höhere Daseinsform zu überführen.

Am Ende unterstreicht die Autorin, dass die Idee der unantastbaren Menschenwürde nur erhalten bleibt, wenn der Mensch um seiner selbst willen geachtet wird. Eine zunehmende Cyborgisierung könne jedoch die Grenze zwischen Mensch und Maschine verwischen und damit die Grundlage der Menschenwürde gefährden. Wenn der Mensch nur noch nach Leistungsfähigkeit, Optimierung oder technischer Aufrüstbarkeit beurteilt wird, droht eine Einteilung in wertvolle und weniger wertvolle Existenzen. Der Artikel versteht das christliche Menschenbild deshalb als notwendiges Korrektiv gegen eine technikgetriebene Abwertung des Menschen. Es erinnert daran, dass Menschen nicht deshalb wertvoll sind, weil sie optimiert, leistungsfähig oder unsterblich werden, sondern weil sie als Menschen Würde besitzen.

Hessen

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10.1 Verantwortung für das Leben. Menschenwürde und Gottesebenbildlichkeit.

Sekundarstufe II | Q3 Ethik – die Frage nach Gut und Böse

Q3.5 Zukunft der Erde, Zukunft des Menschen und kirchliche Positionen.

Rheinland-Pfalz

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