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Erzbistum Köln

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Wie wichtig sind wir für Gott?

Veröffentlichung:1.1.2010

Der Fachartikel „Die großen Fragen der Bibel. Wie wichtig sind wir für Gott?“ von Prof. Dr. Christina Kalloch ist im Heft "impulse" enthalten und umfasst 4 Seiten. Der Beitrag zeigt anhand zentraler biblischer Texte aus Altem und Neuem Testament, dass der Mensch für Gott von bleibendem Wert ist und von ihm geliebt wird. Behandelt werden dabei vor allem die theologischen Probleme der Gottesferne, der Theodizee, der Bedeutung des Menschen in der Schöpfung, der Gottesebenbildlichkeit, der Treue Gottes zu seiner Schöpfung sowie der Zusammenhang von Schöpfung, Erlösung und Vollendung.

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Der Artikel geht von der für gläubige Menschen zunächst überraschenden Frage aus, wie wichtig der Mensch für Gott ist. Eigentlich lebt der christliche Glaube aus der Gewissheit, von Gott angenommen und geliebt zu sein. Dennoch gibt es Erfahrungen von Gottesferne, Zweifel und Erschütterung, die diese Gewissheit infrage stellen. Gerade deshalb wird die Frage zu einer großen biblischen Frage. Der Beitrag sucht Antworten in zentralen Texten der Bibel und zeigt, dass die biblische Überlieferung dem Menschen einen hohen Wert zuspricht.

Ausgangspunkt ist die Schöpfungstheologie in Genesis 1. Dort wird die Welt als gute Schöpfung Gottes beschrieben. Damit ist eine grundlegende Aussage getroffen. Alles, was über das Verhältnis von Gott und Mensch gesagt wird, steht unter dem Vorzeichen, dass Gott die Welt gut geschaffen hat und dass seine Schöpfung Ausdruck seines guten Willens ist. Der Schöpfungsglaube wird jedoch nicht naiv verstanden, sondern im Zusammenhang mit der Theodizeefrage. Die Erfahrung von Leid, Bedrohung und Chaos stellt die Frage, ob Gottes gute Ordnung sich wirklich durchsetzt. Biblische Texte antworten darauf mit der Hoffnung, dass nicht das Chaos, sondern die Lebensfreundlichkeit Gottes das letzte Wort hat.

Der Artikel betont, dass sich im Schöpfungshandeln Gottes seine freie Selbstbindung an die Welt zeigt. Gott sagt unwiderruflich Ja zu seiner Schöpfung. Dieses bleibende Band wird besonders im Gedanken des Segens sichtbar. Auch die Sintfluterzählung wird in diesem Sinn gedeutet. Sie ist nicht nur eine Erzählung von Gericht, sondern vor allem eine Hoffnungsbotschaft, weil Gott zusagt, seine Schöpfung nicht endgültig zu vernichten, und seinen Bund mit ihr bekräftigt. Ähnlich zeigt das Buch Ijob, dass selbst das, was Menschen nicht verstehen, nicht gegen Gottes Schöpfungstreue spricht. Vielmehr bleibt die Welt trotz ihrer Spannungen ein Raum, in dem Gott gegenwärtig ist.

Im nächsten Schritt wendet sich der Artikel der Weisheitstheologie zu. In ihr wird Schöpfung als Ort der Gotteserkenntnis verstanden. Weisheit gründet nicht nur in menschlicher Vernunft, sondern in Gottesfurcht und Gottvertrauen. Der Mensch kann die Lebensordnung der Welt erkennen, weil sie vom Schöpfer getragen ist. Besonders wichtig ist dabei der Satz aus dem Weisheitsbuch, dass Gott alles liebt, was ist. Gottes Liebe gilt seiner ganzen Schöpfung, weil sie sein Werk ist. Gott ist ein Freund des Lebens. Darum ist seine Zuwendung nicht vorübergehend, sondern bleibend. Seine Milde und Menschenfreundlichkeit gründen in seiner Beziehung zu allem, was er geschaffen hat.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Psalm 8. Dieser Psalm beantwortet die Frage nach der Bedeutung des Menschen für Gott in besonders dichter Form. Obwohl der Mensch klein und vergänglich erscheint, gedenkt Gott seiner und wendet sich ihm zu. Daraus ergibt sich eine biblische Theologie der Menschenwürde. Der Mensch besitzt Würde nicht aus eigener Leistung, sondern weil Gott sie ihm zugesprochen hat. Er ist beinahe gottgleich geschaffen und erhält Verantwortung für die Schöpfung. Der Mensch ist also nicht wertlos oder zufällig, sondern von Gott gewollt, geschützt und in seine Weltordnung hineingenommen.

Von dort führt der Artikel in das Neue Testament. Hier wird die Bedeutung des Menschen im Licht Jesu Christi noch einmal vertieft. Der Mensch erscheint nun nicht nur als Geschöpf Gottes, sondern als Bruder und Schwester des Herrn und als Empfänger göttlicher Liebe. Jesu Verkündigung der Gottesherrschaft, seine Heilungen und seine Zuwendung zu Ausgegrenzten zeigen, dass Gottes gute Schöpfungsordnung wiederhergestellt werden soll. Wo Jesus Menschen heilt und aufrichtet, wird die verletzte Schöpfung erneuert.

Besonders eindrücklich wird dies im Lukasevangelium am Gleichnis vom guten Vater und den beiden Söhnen. Der Vater wartet nicht distanziert, sondern geht dem verlorenen Sohn entgegen, nimmt ihn wieder auf und gibt ihm seine Würde zurück. Zugleich wirbt er auch um den älteren Sohn. Das Gleichnis macht deutlich, dass Gott den Menschen nicht aufgibt, sondern sucht, ihm entgegenkommt und Gemeinschaft mit ihm will. Darin zeigt sich, wie wichtig der Mensch für Gott ist.

Abschließend betrachtet der Artikel Verse aus dem Johannesevangelium, besonders die Aussage, dass Gott die Welt so sehr geliebt hat, dass er seinen einzigen Sohn hingab. In Jesus Christus verdichtet sich die biblische Zusage in höchster Weise. Gott bleibt seiner Schöpfung nicht fern, sondern kommt ihr nahe. Er wird in Jesus Christus Mensch und eröffnet den Menschen Anteil am ewigen Leben. Schöpfung und Erlösung gehören deshalb untrennbar zusammen. Die Liebe Gottes zur Welt zeigt sich darin, dass er sie nicht verloren gibt, sondern rettet.

Am Ende hält der Artikel fest, dass die Bibel in großer Klarheit bezeugt, wie wichtig der Mensch für Gott ist. Diese Zusage ist radikal und bedingungslos. Zugleich bleibt die Theodizeefrage bestehen. Das Leid der Welt ist nicht einfach aufzulösen. Der Artikel schlägt deshalb keine einfache Lösung vor, sondern hält die Spannung aus. Tragender Gedanke bleibt, dass Mensch und Welt Gott so wichtig sind, dass Gott an und mit seiner Schöpfung leidet. Gott bleibt also nicht fern, sondern macht sich in seiner Liebe verletzlich und nah.

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