Der Artikel von Bernd Lutz definiert Sakramentenkatechese als dialogische, ganzheitliche und lebensbegleitende Erschließung der kirchlichen Sakramente, die eng mit der Lebenserfahrung und Biografie der Teilnehmenden verknüpft ist. Sie bildet einen wesentlichen Teil der Sakramentenpastoral, die das pastorale Handeln der römisch-katholischen Kirche umfasst, das Gläubige und Gemeinden bei der christlichen Lebensgestaltung unterstützt. Der Artikel beschreibt grundlegende gesellschaftliche Veränderungen, die von der Moderne zur Post- oder entfalteten Moderne führen und die Sakramentenpastoral durch Pluralisierung, Säkularisierung und Digitalisierung fundamental prägen. Ein zentrales Problem wird in der wachsenden Spannung zwischen dem kirchlichen Anspruch der Sakramente und der abnehmenden religiösen Sozialisation der Bevölkerung identifiziert, was zu kontroversen Debatten zwischen rigoroser und niederschwelliger Praxis führt. Die Deutsche Bischofskonferenz reagiert auf diese Situation mit offenen Dokumenten wie "Sakramentenpastoral im Wandel" (1996), die zur Suche nach neuen Wegen ermutigen, ohne verbindliche Richtlinien vorzuschreiben. Im Bereich der Katechese werden sechs verschiedene Modelle identifiziert: Instruktionsmodell, Hauskirche, Gemeindekatechese, katechumenale Wege, Mystagogie und Kasualpraxis. Ein grundlegendes Dilemma besteht in der Frage nach dem Verhältnis zwischen Glaube und Sakrament: Während Gnade nicht durch Leistung verdient werden kann, werden faktisch oft überprüfbare Voraussetzungen für den Sakramentenempfang verlangt. Der Artikel argumentiert, dass Religiosität multidimensional erfasst werden muss und dass Menschen Glaube unterschiedlich ausbilden, weshalb differenzierte katechetische Wege für verschiedene Altersgruppen und Lebenssituationen notwendig sind, um der wachsenden Individualisierung gerecht zu werden.