Die kritisch-emanzipatorische Religionspädagogik reagiert auf gesellschaftliche Krisen wie 9/11, Finanzkrisen, Klimawandel und Pandemien, indem sie religiöse Bildung kontextsensibel reformuliert. Der Artikel definiert Kritik als differenzierte Analyse von Herrschaftsverhältnissen, sozialer Ungerechtigkeit und ideologischen Phänomenen mit deskriptiver und normativer Komponente, wobei der Kritiker seine eigene Position reflexiv ausweisen muss. Emanzipation wird als praxisoptimistische Annahme verstanden, dass soziale Verhältnisse durch menschliche Praxis veränderbar sind und zu Befreiung, Demokratisierung und Entfremdungsaufhebung führen können. Beide Begriffe bilden zwei Seiten einer Medaille: Kritik problematisiert negativ, Emanzipation zielt positiv auf Verbesserungen. Religionspädagogische Anwendungsbeispiele sind die kritische Ablehnung völkischen Nationalismus und die emanzipatorische Unterstützung der Klimabewegung. Der Ansatz geht auf die religionspädagogische Reformdekade (1965-1975) zurück und ist durch starke interdisziplinäre, ökumenische und transnationale Vernetzung charakterisiert. Wichtige Bezüge entstehen durch die Rezeption von Soziologie, Politischer Theologie, Kritischer Erziehungswissenschaft und transnationalen Austausch zwischen Europa und Lateinamerika. Trotz der Notwendigkeit differenzierter Positionierung birgt auch die kritisch-emanzipatorische Religionspädagogik selbst Risiken antiemanzipatorischer Effekte, weshalb ihre Konsequenzen ebenfalls kritisch zu untersuchen sind.