Der Religionsunterricht in Norwegen verfügt über ein erhebliches, bislang ungenutztes Potenzial zur Bekämpfung von Antisemitismus. Eine Inhaltsanalyse des norwegischen RE-Lehrplans für Primar- und Sekundarstufe zeigt ein bemerkenswert stilles Schweigen zu Judentum, Holocaust und Antisemitismus – obwohl die historischen Gründe dafür sprechen würden, diese Themen prominent zu platzieren. Der norwegische Holocaust ist ein dunkles Kapitel der Nationalgeschichte: Etwa 770 norwegische Juden wurden 1942/43 deportiert, nur 30 überlebten. Trotz dieser traumatischen Vergangenheit und obwohl Juden als eine der fünf anerkannten nationalen Minderheiten Norwegens gelten, fehlt jede verbindliche curriculare Verpflichtung, über diese Geschichte zu unterrichten. Zwar enthalten einzelne RE-Lehrbücher entsprechende Inhalte, doch Schulen und Lehrer sind nicht verpflichtet, diese zu nutzen oder zu unterrichten. Die Studie argumentiert, dass diese curriculare Lücke problematisch ist – insbesondere vor dem Hintergrund einer zeitgenössischen Resurgenz des Antisemitismus. Die Autoren plädieren für eine „kontrapunktale Pädagogik", die Antisemitismus gezielt entgegenwirkt. Der RE-Unterricht sollte nicht nur Geschichte vermitteln, sondern aktiv zur inklusiven Bildung beitragen, indem er Schüler für die Mechanismen und Folgen von Antisemitismus sensibilisiert. Dies erfordert eine explizite curriculare Verankerung und konkrete Unterrichtsbeispiele für Religionslehrkräfte.