Im Rahmen eines Geschichtsprojektes, das sich mit dem Schicksal von Wernigeröder Juden während der Zeit des Nationalsozialismus auseinandersetzt hatten sich hatten sich Gymnasiasten auf Spurensuche begeben. Mit Unterstützung des Offenen Kanals in Wernigerode wurde das Projekt von der der Stadträtin Renate Goetz geleitet.
Für den Film verwendeten sie Bilder aus dem Stadtarchiv, befragten Zeitzeugen und fanden Häuser und Läden in der Stadt, die Schauplatz von Judenhass und -verfolgung gewesen sind. Auf diese Weise gewährten sie den Zuschauern einen Einblick in die Veränderungen im Leben von sechs jüdischen Einwohnern. Der von den Schülern gewählte Untertitel " enteignet, vertrieben, ermordet " lässt sich auf fast jeden von ihnen übertragen.
Das Video verbindet Musik, Erinnerung und lokale Geschichte zu einer eindrucksvollen Darstellung jüdischen Lebens und jüdischer Verfolgung in Wernigerode während der Zeit des Nationalsozialismus. Ausgangspunkt ist das jiddische Lied über ein brennendes Schtetl, das die Atmosphäre von Bedrohung, Verlust und Zerstörung verdichtet. Daran schließen sich historische Dokumente, Zeitzeugenberichte und Beispiele konkreter Lebensgeschichten an. Im Mittelpunkt stehen jüdische Familien und Einzelpersonen aus Wernigerode, deren Häuser, Geschäfte, Schulen und Lebenswege vorgestellt werden. Sichtbar wird, wie vertraute Nachbarinnen und Nachbarn, angesehene Geschäftsleute, Schulkinder und Lehrkräfte Schritt für Schritt ausgegrenzt, entrechtet, deportiert und ermordet wurden. Besonders eindrücklich sind die Erinnerungen von Menschen, die diese Familien noch kannten und ihre Freundlichkeit, Nähe und Menschlichkeit beschreiben. Zugleich zeigt das Medium, dass Erinnerung nicht beim Rückblick stehen bleibt, sondern in die Gegenwart hineinwirkt, etwa wenn Häuser, Tafeln und Begegnungsorte bewusst als Orte des Gedenkens und der Versöhnung gestaltet werden. So entsteht ein dichtes Bild von jüdischer Stadtgeschichte, von zerstörten Lebenswelten und von der Aufgabe, die Namen und Geschichten der Opfer weiterzutragen.