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Offener Kanal Magdeburg

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Raus hier - Das Schicksal von Juden in Wernigerode während der NS-Zeit

Veröffentlichung:24.9.2013

Im Rahmen eines Geschichtsprojektes, das sich mit dem Schicksal von Wernigeröder Juden während der Zeit des Nationalsozialismus auseinandersetzt hatten sich hatten sich Gymnasiasten auf Spurensuche begeben. Mit Unterstützung des Offenen Kanals in Wernigerode wurde das Projekt von der der Stadträtin Renate Goetz geleitet.

Für den Film verwendeten sie Bilder aus dem Stadtarchiv, befragten Zeitzeugen und fanden Häuser und Läden in der Stadt, die Schauplatz von Judenhass und -verfolgung gewesen sind. Auf diese Weise gewährten sie den Zuschauern einen Einblick in die Veränderungen im Leben von sechs jüdischen Einwohnern. Der von den Schülern gewählte Untertitel " enteignet, vertrieben, ermordet " lässt sich auf fast jeden von ihnen übertragen.

Das Video verbindet Musik, Erinnerung und lokale Geschichte zu einer eindrucksvollen Darstellung jüdischen Lebens und jüdischer Verfolgung in Wernigerode während der Zeit des Nationalsozialismus. Ausgangspunkt ist das jiddische Lied über ein brennendes Schtetl, das die Atmosphäre von Bedrohung, Verlust und Zerstörung verdichtet. Daran schließen sich historische Dokumente, Zeitzeugenberichte und Beispiele konkreter Lebensgeschichten an. Im Mittelpunkt stehen jüdische Familien und Einzelpersonen aus Wernigerode, deren Häuser, Geschäfte, Schulen und Lebenswege vorgestellt werden. Sichtbar wird, wie vertraute Nachbarinnen und Nachbarn, angesehene Geschäftsleute, Schulkinder und Lehrkräfte Schritt für Schritt ausgegrenzt, entrechtet, deportiert und ermordet wurden. Besonders eindrücklich sind die Erinnerungen von Menschen, die diese Familien noch kannten und ihre Freundlichkeit, Nähe und Menschlichkeit beschreiben. Zugleich zeigt das Medium, dass Erinnerung nicht beim Rückblick stehen bleibt, sondern in die Gegenwart hineinwirkt, etwa wenn Häuser, Tafeln und Begegnungsorte bewusst als Orte des Gedenkens und der Versöhnung gestaltet werden. So entsteht ein dichtes Bild von jüdischer Stadtgeschichte, von zerstörten Lebenswelten und von der Aufgabe, die Namen und Geschichten der Opfer weiterzutragen.

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Für den Religionsunterricht ist das Video besonders wertvoll, weil es Geschichte nicht abstrakt vermittelt, sondern über konkrete Orte, Gesichter, Stimmen und Biografien erfahrbar macht. Lernenden begegnen nicht nur historischen Daten, sondern Menschen mit Beziehungen, Hoffnungen, Berufen und Familien. Gerade darin liegt die große didaktische Stärke des Mediums. Es eignet sich vor allem für Unterrichtseinheiten zu Judentum, Antisemitismus, Erinnerungskultur, Nationalsozialismus, Menschenwürde und Verantwortung. Methodisch empfiehlt sich ein abschnittsweiser Einsatz, da das Material sehr dicht und emotional ist. Einzelne Lebensgeschichten können zunächst herausgearbeitet und in Kleingruppen erschlossen werden. Dabei können Lernenden fragen, wer diese Menschen waren, wie sie vor der Verfolgung lebten, welche Veränderungen eintraten und was aus ihnen wurde. Sehr sinnvoll ist eine Arbeit mit biografischen Karten, Zeitleisten oder Stadtplänen, auf denen die Orte jüdischen Lebens markiert werden. So wird deutlich, dass Verfolgung nicht irgendwo geschah, sondern mitten in Städten und Nachbarschaften. Die Zeitzeugenpassagen eignen sich besonders für eine empathische Annäherung. Lernenden können untersuchen, wie Erinnerung sprachlich gestaltet wird, welche Gefühle in den Aussagen spürbar werden und warum manche Erinnerungen auch nach Jahrzehnten lebendig bleiben. Ebenso bietet das Medium Anlass, über Mut, Angst, Schweigen und Zivilcourage nachzudenken. Ein weiterer didaktischer Zugang liegt in der Verbindung von Vergangenheit und Gegenwart. Die Darstellung der Villa als zukünftiger Ort der Begegnung und Versöhnung eröffnet Gespräche darüber, wie Erinnerung heute gestaltet werden kann und welche Verantwortung daraus erwächst. Kreative Verfahren sind ebenfalls gut möglich, etwa das Schreiben eines Erinnerungsbriefes, das Gestalten einer Gedenktafel, das Formulieren eines inneren Monologs aus Sicht eines betroffenen Kindes oder die Planung eines schulischen Erinnerungsprojekts. Die Lehrkraft sollte das Medium sensibel begleiten, Gesprächsregeln vereinbaren und ausreichend Zeit für Reflexion einplanen, da die Inhalte belastend sein können. Gerade im Religionsunterricht kann das Medium helfen, historisches Lernen mit ethischer Urteilskraft, Empathie und Verantwortung für die Gegenwart zu verbinden.

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