Der Artikel gliedert sich in vier Hauptteile. Im ersten Teil (Zugang) schildert Bahr die Spannung zwischen touristisch-oberflächlichem Besuch und tiefgreifender Begegnungserfahrung mit dem Ort – illustriert durch eine Schülerinnenstimme, die den Besuch als „eine der wichtigsten Erfahrungen" ihres Lebens bezeichnet.
Der zweite Teil gibt eine detaillierte historische Rekonstruktion des Lagerkomplexes: von der Vorgeschichte Oświęcims über den Aufbau des Stammlagers (Auschwitz I) mit der zynischen Inschrift „Arbeit macht frei" unter Kommandant Rudolf Höß, das Lager Auschwitz-Monowitz als Zwangsarbeitsanlage für die IG Farben (25.000 von 35.000 Häftlingen starben; Lebenserwartung 2–3 Monate), Auschwitz als nationalsozialistisch geplante „Musterstadt des Deutschtums" im Osten, bis hin zum Vernichtungslager Birkenau mit seiner industriellen Mordmaschinerie (Krematorien der Firma Topf und Söhne, Vergasungen, Deportation von fast einer halben Million ungarischer Juden in sechs Wochen 1944). Insgesamt wurden ca. 1,3 Millionen Menschen ermordet, davon etwa 1,1 Millionen Juden.
Der dritte Teil entfaltet den „Zivilisationsbruch Auschwitz" als theologische Anfrage: Jüdische und christliche Theologen (Ginzel, Metz, Levi) ringen um die Frage, wie nach Auschwitz von Gott gesprochen werden kann. Bahr schlägt mit Metz vor, die Theodizee-Frage zur Anthropodizee-Frage weiterzuführen – nicht wer Gott im Angesicht von Auschwitz sei, sondern wer der Mensch ist und war. Primo Levis „Ist das ein Mensch?" erhält den Stellenwert eines neuen „Schema Jisrael". Johann Baptist Metz' Theologie der „Memoria passionis" und Compassion als „Weltprogramm des Christentums" werden als bleibende theologische Orientierung skizziert.
Der vierte Teil zieht religionsdidaktische Konsequenzen: (1) Soziale Anthropo-Theologie als Ausrichtung des Faches – Hinwendung zum Anderen hat Priorität vor der Gottesliebe; (2) Strukturkritik als sozialethische Aufgabe des Religionsunterrichts, verbunden mit materialistischer Schriftauslegung; (3) Fächerübergreifende Auseinandersetzung mit Auschwitz als allgemeinbildende Aufgabe, die keinem Einzelfach überlassen werden kann; (4) Didaktik des Ortes: Verweilen, selbsttätiges Erkunden, Biographien von Überlebenden, Abgrenzung von trivialisierenden Spielfilmformaten; (5) „Nie wieder" als konstruktives Programm – Marian Turskis „elftes Gebot" (‚Du sollst nicht gleichgültig sein'), Menschenrechte als Bildungsaufgabe, Eintreten für Rechtsstaatlichkeit als Christenpflicht; (6) Gestaltungshinweise für Gedenkveranstaltungen am 27. Januar – Ortwahl, Personalisierung, sensible Nutzung jüdischer Gedenktradition, Verhältnis von Sprechen und Schweigen, Klage im gottesdienstlichen Kontext.