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Eulenfisch

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Wen streicheln? Wen essen?

Veröffentlichung:1.1.2015

Der Fachartikel ist im Heft Eulenfisch unter dem Titel „Wen streicheln? Wen essen?“ erschienen und umfasst S. 60–65. Der Beitrag behandelt die tierethische Frage nach der moralischen Legitimität des Essens von Tieren und zeigt, wie diese Thematik im Religionsunterricht der gymnasialen Oberstufe behandelt werden kann. Im Zentrum stehen theologische Probleme wie das Verhältnis von Mensch und Tier in der Schöpfung, der Schöpfungsauftrag „Macht euch die Tiere untertan“, die Mitgeschöpflichkeit von Mensch und Tier sowie die moralische Verantwortung des Menschen gegenüber leidensfähigen Tieren.

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Der Artikel beschäftigt sich mit der Frage, wie tierethische Fragestellungen im Religionsunterricht der Oberstufe thematisiert werden können. Ausgangspunkt ist die gesellschaftliche Diskussion über den Umgang mit Tieren, die besonders unter Jugendlichen stark präsent ist. Kampagnen wie „Wen streicheln, wen essen?“ zeigen, dass viele Menschen zunehmend hinterfragen, warum einige Tiere als Haustiere gelten, während andere gegessen werden. Diese Sensibilität findet sich auch bei Lernenden im Unterricht wieder.

Ein Beispiel aus dem Unterricht verdeutlicht dies. In einer Lateinstunde diskutierten Lernende über eine Geschichte, in der Hasen gerettet werden, anschließend aber Hühner gegessen werden sollen. Die Klasse reagierte kritisch auf diese scheinbar selbstverständliche Unterscheidung zwischen verschiedenen Tierarten. Die Diskussion zeigte, dass Essgewohnheiten oft kulturell geprägt und selten reflektiert sind. Lernende mussten Stellung beziehen und überlegen, ob man entweder alle Tiere essen könne oder gar keine oder ob eine Zwischenposition möglich sei.

Der Artikel argumentiert, dass tierethische Fragen einen sinnvollen Platz im Ethikunterricht der Oberstufe haben. Sie ermöglichen es, bereits erarbeitete ethische Theorien erneut anzuwenden und miteinander zu verknüpfen. Gleichzeitig fördern sie die Entwicklung einer persönlichen Haltung und Verantwortung in gesellschaftlichen Fragen. Tierethik lässt sich mit verschiedenen Unterrichtsfächern verbinden, etwa mit Biologie, Politik oder Wirtschaft. Auch theologische Perspektiven spielen eine wichtige Rolle, insbesondere das biblische Verständnis von Mensch und Tier als Geschöpfe Gottes.

Im theologischen Kontext wird besonders der Begriff der Mitgeschöpflichkeit hervorgehoben. Tiere werden nicht nur als Teil der Natur verstanden, sondern als Mitgeschöpfe des Menschen. Daraus ergibt sich die Frage, welche Verantwortung Menschen gegenüber Tieren tragen. Obwohl die Bibel kein grundsätzliches Verbot des Tötens von Tieren enthält, betont sie dennoch den Wert und die Würde der Tiere innerhalb der Schöpfung.

Der Artikel beschreibt mehrere didaktische Bausteine für den Unterricht. Zunächst werden Bilder eingesetzt, die das Verhältnis von Mensch und Tier problematisieren. Lernende diskutieren anhand solcher Darstellungen, ob Tiere als Nahrungsmittel betrachtet werden dürfen. Dabei treten unterschiedliche Argumente auf. Einige Lernende beziehen sich auf biologische Argumente wie Nahrungsketten oder evolutionäre Vorteile des Fleischkonsums. Andere kritisieren Massentierhaltung, Umweltprobleme oder die fehlende Fairness im Verhältnis zwischen Mensch und Tier.

In einem zweiten Schritt beschäftigen sich Lernende mit verschiedenen Ernährungsformen wie Vegetarismus, Veganismus oder Flexitarismus. Diese Lebensstile werden mit unterschiedlichen ethischen Begründungen verbunden. Philosophische Positionen wie der Utilitarismus von Peter Singer oder die Theorie der Tierrechte von Tom Regan werden dabei diskutiert. Auch anthropozentrische und pathozentrische Ansätze werden unterschieden.

Ein weiterer Baustein thematisiert das Töten von Tieren selbst. Durch den Vergleich historischer und moderner Bilder von Schlachtsituationen wird deutlich, dass sich der gesellschaftliche Umgang mit dem Töten von Tieren stark verändert hat. Früher war das Schlachten stärker in soziale Zusammenhänge eingebunden, während es heute meist unsichtbar in industriellen Strukturen stattfindet.

Ein Text des Metzgers Karl Ludwig Schweisfurth wird genutzt, um die Frage nach einem verantwortlichen Umgang mit Tieren zu diskutieren. Schweisfurth vertritt die Position, dass Tiere ein gutes Leben haben und möglichst stressfrei getötet werden sollten. Diese Argumentation führt zu der grundlegenden Frage, ob der Mensch überhaupt das Recht hat, ein tierisches Leben zu beenden.

Abschließend wird ein philosophisches Gespräch zwischen David Precht und Robert Spaemann analysiert. Spaemann hält Fleischessen grundsätzlich für moralisch erlaubt, betrachtet den Verzicht darauf jedoch als moralisch höherwertig. Seine Begründung liegt in der besonderen Stellung des Menschen, der als einziges Wesen moralische Verantwortung tragen kann. Gleichzeitig müsse der Mensch Tiere vor Leid schützen und dürfe Massentierhaltung oder grausame Praktiken nicht akzeptieren.

Die Diskussion zeigt jedoch auch Schwierigkeiten dieser Argumentation. Wenn der Mensch allein aufgrund seiner Spezies besonderen moralischen Wert besitzt, entsteht der Vorwurf des Speziesismus. Deshalb bleibt die tierethische Frage letztlich offen und fordert Lernende dazu auf, ein eigenes Urteil zu entwickeln.

Der Artikel betont zum Schluss, dass Religionsunterricht nicht einfach Ernährungstrends bestätigen soll. Vielmehr geht es darum, Gewissen und Verantwortung zu stärken. Der biblische Gedanke der Mitgeschöpflichkeit kann dabei helfen, Tiere nicht nur als Ressourcen, sondern als Teil der gemeinsamen Schöpfung zu verstehen.

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