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Magazin ZeitspRUng

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Lebendige Seelen: Reh, Mücke, Löwe, Mensch

Veröffentlichung:5.3.2026

Das Medium „Lebendige Seelen: Reh, Mücke, Löwe, Mensch“ von Margit Herfarth ist eine Unterrichtseinheit für die Jahrgangsstufen 5 und 6 mit einem Umfang von etwa sechs bis acht Unterrichtsstunden. Im Zentrum steht die Beziehung zwischen Mensch und Tier und die Frage, wie der biblische Begriff der Seele zu einem neuen Verständnis dieser Beziehung beitragen kann. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass die Seele in der Theologiegeschichte häufig zur Abgrenzung des Menschen vom Tier verwendet wurde. Dem stellt das Medium die biblische Vorstellung der „nefesch“ gegenüber. Nefesch kann unter anderem Leben, Lebensenergie, Kehle oder Atem bedeuten und wird in biblischen Texten sowohl auf Menschen als auch auf Tiere bezogen. Mensch und Tier haben demnach nicht lediglich eine Seele, sondern werden als lebendige Seele verstanden. Beide sind Lebewesen, beide stehen in Beziehung zur Schöpfung und beide sind auf Gott bezogen. Seele wird deshalb als Beziehungsbegriff erschlossen, der die Verbundenheit der Geschöpfe hervorhebt und zum Nachdenken über Mitgeschöpflichkeit anregt. Als zentrales literarisches Medium dient Ferdinand von Schirachs Erzählung „Der Pater und das Reh“. Weitere Materialien führen über die Beziehung zwischen Mensch und Tier, die provokative Frage nach der Gleichheit von Mensch und Mücke und die biblische Vision eines Friedens zwischen Mensch und Tier zu einer vertieften Auseinandersetzung mit Tierethik, Schöpfung und Verantwortung.

Der Artikel aus zeitsprung (1/2024) von Dr. Margit Herfarth stellt eine Unterrichtseinheit (6–8 Stunden) für die Jahrgangsstufe 5/6 vor, die sich mit der Frage nach der Seele von Tieren und der Mitgeschöpflichkeit befasst. Ausgangspunkt ist der literarische Text „Der Pater und das tote Reh" von Ferdinand von Schirach, der ethische und religiöse Fragen in säkularer Sprache aufwirft. Theologisch fundiert wird die Einheit durch den biblisch-hebräischen Begriff nefesch (Seele als Lebensenergie, die Mensch und Tier gemeinsam ist). Über fünf Arbeitsblätter werden Schuld, Mitgeschöpflichkeit, Tierethik und eschatologische Friedensvision erarbeitet. Der Artikel enthält neben dem didaktischen Konzept auch eine theologische Hinführung sowie eine umfangreiche Literaturliste.


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Didaktisch bietet das Medium einen lebensnahen Zugang zu theologischer Anthropologie, Schöpfungstheologie und Tierethik. Ausgangspunkt ist ausdrücklich nicht die isolierte Frage, ob Tiere eine Seele haben. Vielmehr geht es um den Menschen und seine Verbundenheit mit der nichtmenschlichen Schöpfung. Der Begriff Seele wird dabei als biblische Sprachhilfe angeboten, mit der Lernende ihre eigenen Erfahrungen und Vorstellungen von Mensch, Tier und Welt probeweise religiös deuten können. Tiere eignen sich für diesen Zugang besonders, weil viele Lernende eine unmittelbare emotionale Beziehung zu Tieren besitzen und Fragen nach ihrem Empfinden, ihrer Würde und ihrem Lebensrecht schnell zu grundlegenden Fragen nach dem Wesen des Lebens führen. Methodisch ist besonders die Rahmung durch die Erzählung „Der Pater und das Reh“ ergiebig. Der entscheidende Satz des Paters wird zunächst ausgespart und bildet eine Leerstelle, die von den Lernenden selbst gefüllt wird. Sie formulieren nach der ersten Begegnung mit der Geschichte einen eigenen Satz und halten damit ihre zunächst intuitive Deutung fest. In den folgenden Unterrichtsstunden begegnen ihnen weitere Impulse, anhand derer sie diesen Satz überprüfen, verändern, erweitern oder präzisieren können. Am Ende der Einheit wird erneut auf die ursprüngliche Formulierung zurückgegriffen. Dadurch wird der eigene Lernprozess sichtbar und die Entwicklung theologischer Urteile nachvollziehbar. Die abschließenden Sätze können vorgelesen oder kreativ gestaltet und als Galerie präsentiert werden. Die Erzählung ermöglicht zugleich eine intensive ethische Auseinandersetzung mit Schuld, Scham, Verantwortung und Versöhnung. Die zunächst anonyme Beziehung zwischen Mensch und Tier verändert sich durch die Begegnung mit dem verletzten beziehungsweise getöteten Reh. Das Tier wird zum konkreten Gegenüber. Besonders bedeutsam ist, dass der Pater nicht mit einer Strafpredigt reagiert, sondern den Kindern eine Möglichkeit eröffnet, Verantwortung für das Reh zu übernehmen. Damit lässt sich im Unterricht diskutieren, was Schuld bedeutet, ob und wie Wiedergutmachung möglich ist und welche Verantwortung Menschen gegenüber anderen Lebewesen tragen. Die weiteren Materialien ermöglichen eine schrittweise Vertiefung. Die Frage nach dem Verhältnis von Tier und Mensch eröffnet den biblischen Begriff nefesch als Interpretationsmöglichkeit. Die Gegenüberstellung von Mensch und Mücke radikalisiert anschließend die Frage nach der Mitgeschöpflichkeit und fordert Lernende heraus, eigene Hierarchien zwischen Lebewesen wahrzunehmen und zu begründen. Schließlich eröffnet die biblische Vorstellung vom Frieden zwischen Mensch und Tier eine utopische Perspektive. Lernende können überlegen, wie eine friedliche und verantwortungsvolle Beziehung zwischen Menschen und Tieren aussehen könnte und welche Veränderungen dafür in ihrer eigenen Lebenswelt notwendig wären. Für den Religionsunterricht ist dabei wesentlich, keine bestimmte Haltung vorzugeben. Vielmehr sollten unterschiedliche Positionen sichtbar werden und miteinander ins Gespräch kommen. Fragen nach Nutztierhaltung, Ernährung, Haustieren, Artenschutz oder dem unterschiedlichen gesellschaftlichen Wert verschiedener Tierarten können ergänzend aufgenommen werden, sofern sie aus den Beiträgen der Lernenden entstehen. Die auf Seite 7 abgebildeten Tiere Reh, Mücke und Löwe können hierfür bereits als visueller Gesprächsimpuls dienen: Warum empfinden Menschen gegenüber einem Reh oder Löwen möglicherweise anders als gegenüber einer Mücke? Wer entscheidet über den Wert eines Lebewesens? Die Einheit fördert damit Wahrnehmung und Deutung, religiöse Sprachfähigkeit, Perspektivübernahme, Urteilsbildung und Kommunikation. Als abschließende Aufgabe bietet es sich an, die Lernenden ihre persönliche Vorstellung von „lebendiger Seele“ formulieren oder kreativ darstellen zu lassen und dabei zu erläutern, welche Konsequenzen sich daraus für das Verhältnis von Mensch, Tier, Schöpfung und Gott ergeben.


Klassenstufe: 5/6 (Lebensfrage 1: Fragen nach dem Sein und Werden), gut geeignet auch für Klasse 7, da die theologischen und ethischen Fragen eine gewisse Reife im Umgang mit abstrakten Begriffen erfordern.

Thematische Einordnung:

Die Einheit fragt nicht primär, ob Tiere eine Seele haben, sondern nutzt diese Frage als Zugang zur tieferen Frage: Wer sind wir als Menschen in unserer Verbundenheit mit der nicht-menschlichen Schöpfung? Damit verbindet sie Kindertheologie, Schöpfungstheologie und Tierethik auf eine Weise, die Lebensweltbezug (Tiere als Beziehungspartner von Kindern), biblische Grundlagen und gegenwärtige ökologische Herausforderungen zusammenführt.

Theologischer Kern:

Der hebräische Begriff nefesch – Seele als Atem, Kehle, Lebensenergie – wird als Schlüsselbegriff eingeführt. Er verbindet Mensch und Tier, statt sie zu trennen, und ermöglicht ein nicht-anthropozentrisches, relationales Seelenbild. Dieser Ansatz kontrastiert bewusst mit der Aristoteles/Thomas von Aquin-Tradition, die dem Tier nur eine niedrigere Seelenstufe zuschrieb, und bietet so auch eine kurze, anregende Problemgeschichte des Seelenbegriffs.

Aufbau der Unterrichtseinheit (5 Arbeitsblätter):


AB 1 – „Der Pater und das tote Reh" (Einstieg): Der Text von Ferdinand von Schirach wird zunächst ohne den Schlüsselsatz des Paters präsentiert. Die Schüler*innen formulieren intuitiv einen eigenen „einzigen Satz" – das ist eine starke Methode, weil sie sofort persönliche Deutung einfordert, ohne theologisches Vorwissen vorauszusetzen. Der Text ermöglicht eine emotionale Annäherung an Schuld, Scham und Verantwortung gegenüber Tieren.

AB 2 – Tier und Mensch: Was sind wir füreinander? Vertiefung des Mensch-Tier-Verhältnisses; Einführung des nefesch-Begriffs als biblischer Interpretationsrahmen. Hier wird die theologische Substanz der Einheit entfaltet.

AB 3 – Mensch und Mücke: Sind wir gleich? Provokative Radikalisierung der Mitgeschöpflichkeit – auch nicht-theologisch deutbar. Gut geeignet für kontroverse Diskussionen und differenziertes Urteilen.

AB 4 – Friede zwischen Mensch und Tier: Eschatologische Friedensvision (z.B. Jesaja 11) als Utopie, die in die Gegenwart übertragen wird. Kreative und gestalterische Aufgaben bieten sich hier an.

AB 5 – „Ein einziger Satz" (Abschluss): Der Schirach-Text wird nun vollständig präsentiert (mit dem Satz des Paters). Die Schüler*innen überarbeiten oder bestätigen ihren eigenen Satz aus AB 1 – eine sehr elegante Rahmenkonstruktion, die Lernentwicklung sichtbar macht.


Methodische Stärken:

Die Rahmenkonstruktion mit dem „einzigen Satz" (Einstieg und Schluss) ist besonders gelungen: Sie macht den Lernfortschritt für die Schüler*innen selbst erfahrbar. Der Schirach-Text funktioniert niedrigschwellig, emotional ansprechend und ohne religiöses Vorwissen. Die Einheit kombiniert literarischen, biblischen und ethischen Zugang und eignet sich gut für heterogene Lerngruppen.

Hinweise zur Vorbereitung:


Der Text „Der Pater und das tote Reh" von Ferdinand von Schirach muss in einer geeigneten Fassung vorliegen (AB 1 und AB 5 unterscheiden sich: erst ohne, dann mit dem Schlüsselsatz).

Für AB 4 bietet sich kreativ-gestalterisches Arbeiten an (z.B. Zeichnung, Collage, eigener Text zur Friedensvision).

Die theologische Einführung im Artikel ist für Lehrkräfte sehr lesenswert und bietet solides Hintergrundwissen zu nefesch und zur Theologiegeschichte des Seelenbegriffs.


Differenzierung und Anschlussmöglichkeiten:

Die Einheit lässt sich gut mit Schöpfungstheologie, Umweltethik und dem Thema Nachhaltigkeit verbinden. Für Klasse 7–8 könnte die philosophiegeschichtliche Entwicklung (Aristoteles, Descartes) als Zusatzmaterial einbezogen werden.

Bild, Text

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5.3.2026

Interreligiöser Dialog

Sequenz

Menschen & Welt ,Religionen

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