Die didaktische Konstruktion von Lerngegenständen gehört zu den Kernaufgaben des Religionsunterrichts, findet aber in der wissenschaftlichen Forschung bislang erstaunlich wenig Beachtung. Der vorliegende Beitrag geht der Frage nach, ob die (Re-)Konstruktion von Lerngegenständen das Potenzial für ein eigenständiges religionsdidaktisches Forschungsformat birgt – eines, das sich durch die spezifische Natur des Religionsunterrichts von anderen Fachdidaktiken unterscheidet. Dazu wird zunächst terminologisch geklärt, was unter Lerngegenständen zu verstehen ist: nicht die bloße „Aufbereitung" fachtheologischer Inhalte, sondern ein komplexer konstruktiver Vorgang, in dem potenzielle Gegenstände eine Transformation erfahren und in einem Lernarrangement modelliert werden, das sowohl Lehren als auch Lernen ermöglicht. Der Beitrag entwickelt anschließend ein systematisches Modell zur Erschließung dieses Forschungsfeldes, das vier zentrale Orientierungsfaktoren berücksichtigt: Wissenschaftsorientierung, Praxisorientierung, Schülerorientierung und Lebensweltorientierung. Diese werden in Verschränkung mit vier verschiedenen Forschungsebenen – der Handlungsebene, Materialebene, Instruktionsebene und Theorieebene – in einer Matrix integriert. So entsteht ein differenziertes Analyseraster, das mögliche Forschungsperspektiven zur (Re-)Konstruktion von Lerngegenständen sichtbar macht und an exemplarischen Beispielen konkretisiert wird. Der Autor prüft dabei kritisch, ob dem unverwechselbaren Gegenstand theologischer Reflexion im Religionsunterricht formatbegründende Bedeutung zukommt oder ob es sich lediglich um die Domäne handelt, innerhalb derer geforscht wird, während die methodischen Formate universell für alle Fachdidaktiken gelten. Die abschließende Antwort fällt vorsichtig positiv aus und eröffnet damit neue Perspektiven für eine religionsspezifische Forschungslandschaft.