Didaktisch eröffnet das Medium einen vielschichtigen Zugang zu zentralen Themen des katholischen Religionsunterrichts: Schöpfungsverantwortung, Menschenwürde, Solidarität, Bewahrung der Schöpfung, Gewissensbildung und Handlungsorientierung. Methodisch empfiehlt sich ein mehrphasiges Vorgehen: Zunächst eine stille, ästhetische Bildbegegnung („Ich sehe – ich denke – ich fühle“), um subjektive Wahrnehmung ernst zu nehmen und religiöse Sprachfähigkeit zu fördern. Daran anschließend können Deutungsimpulse und Hintergrundinformationen zum Künstler und zur Tradition der Hungertücher treten, um Sachkompetenz aufzubauen. Kreative Umsetzungsformen – etwa das Gestalten einer „Klassen-Erdkugel“ aus Zeitungspapier, Collagen mit „Trostpflastern“ für die verwundete Erde oder das Schreiben eigener Zeitungsartikel („Good news“) – fördern personale und soziale Kompetenz sowie die Verbindung von Kopf, Herz und Hand. Performative Methoden wie Standbilder oder das „Spielball Erde“-Setting verdeutlichen leiblich erfahrbar die Fragilität und Verantwortung für die Welt. In höheren Klassen kann die Verknüpfung mit dem biblischen Schöpfungsbericht eine theologische Vertiefung leisten, indem Anfang, Auftrag und Zukunftsperspektive reflektiert werden. Gebetsformen (Wechselgebet, Gebetsball, eigenes „Gebet für unsere Erde“) ermöglichen spirituelle Aneignung und liturgische Einbettung, etwa in eine Schulandacht oder eine Fastenaktion. Differenzierung gelingt durch offene Aufgabenformate, Partner- und Gruppenarbeit sowie durch den Einsatz digitaler Tools zur anonymen Beteiligung. Insgesamt empfiehlt sich, das Medium nicht nur kognitiv, sondern handlungs- und projektorientiert einzusetzen, sodass aus der Bildbetrachtung konkrete Schritte schulischen und persönlichen Engagements erwachsen.
1. Was ist uns heilig? (Grundstufe, 2 Unterrichtseinheiten)
Materialien:
Bilder von Heiligen / Papierblätter / Zeitungspapier / Luftballon / Kleister / Farben / Hungertuch / Symbolkarten mit Ausrufezeichen, Herz und Fragezeichen / Schwungtuch / Leintuch / Gebetstext Psalm 104 / Klebeband und Sicherheitsnadeln
Was passiert im Unterricht?
Die Lernenden beschäftigen sich zunächst mit Heiligen und deren Symbolen. Anschließend überlegen sie, welcher Gegenstand ihr eigenes Leben und ihre Werte symbolisiert. Daraus gestalten sie persönliche „wertvolle Blätter“ mit Zeichnungen oder kleinen Zeitungsartikeln. Danach wird eine Erdkugel aus Zeitungspapier und Kleister hergestellt. Das Hungertuch wird betrachtet und mit der selbst gestalteten Erdkugel verglichen. In Gesprächsphasen reflektieren die Lernenden, was ihnen heilig und wichtig ist. Aus allen persönlichen Beiträgen entsteht schließlich ein gemeinsames Klassenhungertuch. Den Abschluss bildet ein Gebet zur Schöpfung nach Psalm 104.
2. Bunte Schnipsel (6. Klasse, 2 Unterrichtseinheiten)
Materialien:
Buch „Schnipselgestrüpp“ / Hungertuch / Präsentation / Film zum Künstler / Internetzugang / Arbeitsmaterialien für kreative Gestaltung
Was passiert im Unterricht?
Zu Beginn wird das Bilderbuch „Schnipselgestrüpp“ vorgelesen und besprochen. Anschließend betrachten die Lernenden das Hungertuch und erschließen Gemeinsamkeiten zwischen Buch und Kunstwerk. Themen sind Erde, Gemeinschaft, Verantwortung und Zukunft. Danach entwickeln die Lernenden eigene kreative Antworten. Sie gestalten Bilder, schreiben Geschichten oder Schlagzeilen, entwickeln Rollenspiele oder erstellen Collagen aus Zeitungsausschnitten. Die Ergebnisse werden am Ende präsentiert und gemeinsam reflektiert.
3. Vom Anfang (Klassen 6 bis 7)
Materialien:
Beamer / Hungertuch / Schwarzweißkopien des Bildes / Bibeltexte zur Schöpfung / Gedicht „Erinnern“ / Farben / Pflaster und Tapes / Zeitungen / Scheren / Kleber
Was passiert im Unterricht?
Die Lernenden betrachten das Hungertuch in Stille und formulieren persönliche Eindrücke. Anschließend lernen sie die Entstehungsgeschichte des Hungertuches und die Arbeitsweise des Künstlers kennen. In kreativen Arbeitsphasen gestalten sie Bilder zu den Verwundungen der Erde und versehen diese mit sogenannten Trostpflastern, auf denen konkrete Maßnahmen zum Schutz der Umwelt notiert werden. Alternativ bearbeiten sie Ausschnitte des Hungertuches künstlerisch weiter. Die Einheit endet mit der Schöpfungsgeschichte, dem Gedicht „Erinnern“ und einer spirituellen Reflexion über die Verantwortung für die Welt.
4. Spielball Erde (Sekundarstufe I)
Materialien:
Hungertuch / Ball mit Weltkugelmotiv / Präsentation / Wortkarten für Gebete und Reflexionen
Was passiert im Unterricht?
Nach einer Bildbetrachtung spielen die Lernenden mit einem Ball, der die Erde symbolisiert. Gemeinsam entwickeln sie Spielregeln, damit die Erde geschützt bleibt. Anschließend übertragen sie diese Regeln auf den Umgang mit der realen Erde. In einer zweiten Stunde wird das Ballspiel zu einem Gebetsball. Die Lernenden formulieren Wahrnehmungen, Dank, Lob, Sorgen und Bitten für die Erde. Abschließend verfassen sie persönliche Gebete für die Schöpfung.
5. Fallen lassen – beschützen – bewahren (8. Klasse)
Materialien:
Hungertuch / Ball / Präsentation / digitale Kartenabfrage mit Oncoo oder Moderationskarten
Was passiert im Unterricht?
Die Lernenden betrachten das Hungertuch zunächst schweigend. Danach stellen sie die Szene des Bildes mit einem Ball als Standbild nach. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob die Hände die Erde schützen oder loslassen. Anschließend sammeln die Lernenden Ideen dazu, wo Menschen die Erde bewahren und wo sie sie gefährden. Mithilfe digitaler Kartenabfragen werden Handlungsmöglichkeiten diskutiert und priorisiert. Die Einheit zielt darauf, persönliches und gesellschaftliches Verantwortungsbewusstsein zu stärken.
6. Bad news – good news (Sekundarstufe I)
Materialien:
Zeitungen oder Online Nachrichten / Hungertuch / Präsentation / Zeitungsgenerator / Materialien für Collagen und kreative Texte
Was passiert im Unterricht?
Die Lernenden analysieren zunächst Zeitungen und Schlagzeilen. Dabei setzen sie sich mit der Frage auseinander, warum negative Nachrichten oft mehr Aufmerksamkeit erhalten. Anschließend betrachten sie das Hungertuch und interpretieren dessen Aussagen über Umwelt, Mensch und Verantwortung. Danach verfassen sie eigene positive Nachrichten über gelingenden Umwelt und Klimaschutz oder gestalten Zeitungsartikel, die Hoffnung und Zukunftsperspektiven vermitteln. Ergänzend können Collagen, Erdkugeln aus Pappmaché oder Akrosticha entstehen.