Joachim Theis entwickelt eine Theorie biblischer Bildung, die über kognitive Informationsvermittlung weit hinausgeht. Ausgangspunkt ist die Kritik an einem rein kognitiv ausgerichteten Bibelunterricht, der weder die biblischen Texte in ihrer Eigenständigkeit noch das Sinnverlangen der SchülerInnen ernst nimmt. Demgegenüber konzipiert Theis biblische Bildung als lebenslangen, dialogischen Prozess: Beide – Text und VersteherIn – agieren als Subjekte. Der Verstehenshorizont der RezipientInnen ist kein leerer Raum, der nur mit Textinhalt gefüllt werden müsste; der biblische Text ist kein totes Material. In der existentiellen Aneignung konstituiert der Text für seine RezipientInnen neuen Sinn. Dieser Prozess der Sinnkonstitution muss wissenschaftliche Erkenntnisse, subjektive Strukturen und den Horizont der Verstehensgemeinschaft integrieren. Theis schlägt eine ‚Ermöglichungsdidaktik' vor, die diesen Prozess durch geeignete didaktische Settings möglich macht – und damit die Bibel zum lebendigen ‚Buch des Lebens' werden lässt.