Der Artikel behandelt die Herausforderung mangelnder Kohärenz in der universitären Religionslehrkräftebildung, wonach Fachwissenschaften, Fachdidaktiken und Bildungswissenschaften oft unabgestimmt nebeneinander bestehen. Dies führt dazu, dass Studierende isolierte Wissensbestände erwerben, die sie nur bedingt für unterrichtliche Zwecke adaptieren können. Das KulturPLUS-Projekt, das von 2016-2023 an der Universität Bamberg im Rahmen der „Qualitätsoffensive Lehrerbildung" durchgeführt wurde, setzte kulturelle Bildung als Referenzpunkt für Innovationsmaßnahmen ein. Der Autor begründet dies theoretisch mit vier Modi der Welterfahrung nach Baumert et al. (kognitiv, moralisch-evaluativ, ästhetisch-expressiv, religiös-konstitutiv). Kulturelle Bildung wird verstanden als Auseinandersetzung mit impliziten symbolischen Ordnungen und kulturellen Codes in verschiedensten menschlichen Praktiken. Der Artikel beschreibt konkrete Umsetzungsmaßnahmen in der Religionslehrkräftebildung: (1) Vernetzung von Fächern durch kulturbezogene Lehrveranstaltungen, die theologisch-fachwissenschaftliche und religionsdidaktische Kompetenzbereiche verzahnen (z.B. „Alttestamentliche Texte und ihre Rezeption in christlichen Oratorien"), sowie zwei Profilschwerpunkte („konfessionelle Kooperation" und „Nachhaltigkeit reflektieren und gestalten"); (2) interdisziplinäre Forschung zu kultureller Lehrkräftebildung in der KulturPLUS-Forschungsgruppe; (3) disziplinenübergreifende Lehrformate wie Ringvorlesungen und Thementage zu kultureller Bildung; (4) Integration kultureller Akteure aus dem lokalen Umfeld (Diözesanmuseum, kirchliche Einrichtungen). Die Ergebnisse zeigen eine Steigerung der Kohärenz innerhalb der Religionslehramtsstudiengänge und verstärkte Sichtbarkeit religionsdidaktischer Themen. Der Autor schlussfolgert, dass kulturelle Bildung produktive Potenziale für kohärente Lehrkräftebildung bietet und dass die Religionslehrkräftebildung sich aktiv an transdisziplinären Profilierungen beteiligen sollte.