Der Artikel untersucht, welche Möglichkeiten der Jugendkatechismus YOUCAT im Social Web eröffnet. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass YOUCAT einerseits deutlich in der Tradition klassischer Katechismen steht, etwa in Aufbau und Frage Antwort Form, andererseits aber in entscheidenden Punkten neue Wege geht. Die auffällige Gestaltung, die jugendnahe Sprache und die vielen zusätzlichen Elemente machen das Buch zwar zugänglicher, doch nach Ansicht der Autoren liegt das wirklich Neue nicht allein in der äußeren Form, sondern in seinem möglichen Anschluss an digitale Kommunikationsformen.
Der Titel YOUCAT wird als vieldeutig beschrieben. Er kann für Jugendkatechismus stehen, aber ebenso als Dein Katechismus oder Dein katholischer Glaube verstanden werden. Gerade diese Offenheit macht den Titel einprägsam und anschlussfähig. Zugleich klingt in YOUCAT das bekannte Internetportal YouTube an. Damit entsteht die Frage, ob YOUCAT tatsächlich eine Art Katechismus 2.0 sein kann, also ein Glaubensbuch, das nicht nur Inhalte vorgibt, sondern Diskussion, Beteiligung und Vernetzung fördert.
Im nächsten Schritt erklären die Autoren, was unter Social Web und Web 2.0 verstanden wird. Gemeint sind digitale Anwendungen, die Kommunikation, Austausch, Beziehungsaufbau und gemeinsames Arbeiten ermöglichen. Anders als in älteren Internetformen gibt es nicht mehr nur klare Rollen von Anbietern und Nutzern. Vielmehr werden die Nutzenden selbst zu Produzenten von Inhalten. Diese Entwicklung verändert auch die Art, wie religiöse Inhalte vermittelt werden können. Der Glaube kann nun nicht mehr nur von oben nach unten weitergegeben werden, sondern wird in digitalen Räumen gemeinsam besprochen, kommentiert und ausgelegt.
Dazu stellen die Autoren verschiedene Formen des Social Web vor, etwa Wikis, Blogs, Kurznachrichtendienste, Plattformen zum Austausch digitaler Inhalte und soziale Netzwerke. Diese Formen schaffen neue Möglichkeiten, religiöse Themen gemeinsam zu bearbeiten. Gerade für den YOUCAT sehen die Autoren hier ein großes Potenzial, weil er als Grundlage für Gespräche, Lerngruppen und digitale Glaubensnetzwerke dienen kann.
Besonders ausführlich wird Facebook behandelt. Die Autoren beschreiben die enorme Reichweite und Attraktivität dieses Netzwerkes. Facebook wird als Ort verstanden, an dem Menschen Verbindung, Zugehörigkeit und Austausch suchen. Zugleich verschweigen die Autoren die Probleme nicht. Sie nennen Fragen des Datenschutzes, die Vermischung von privat und öffentlich, Oberflächlichkeit von Beziehungen, Selbstdarstellung und Kommerzialisierung. Dennoch halten sie fest, dass digitale Netzwerke die gesellschaftliche Kommunikation dauerhaft verändern und daher auch von Kirche und Religionspädagogik ernst genommen werden müssen. Wer Menschen dort erreichen will, wo sie leben und kommunizieren, darf das Social Web nicht ausklammern.
Für YOUCAT sehen die Autoren in Facebook die Chance, dass Glaubensinhalte nicht nur verbreitet, sondern diskutiert werden. Bereits vor der offiziellen Vorstellung des Buches entstanden dort Fanseiten, auf denen Inhalte in verschiedenen Sprachen kommentiert, ergänzt und weitergegeben wurden. Dadurch wird YOUCAT zu einem Medium, das zur Beteiligung einlädt. Die Kirche erscheint dann nicht nur als lehrende Instanz, sondern auch als dialogfähige Begleiterin. In diesem Sinn kann das Social Web helfen, traditionelle kirchliche Kommunikation zu öffnen und persönlicher zu gestalten.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Plattform Second Life. Diese virtuelle dreidimensionale Welt bietet nach Einschätzung der Autoren noch weitergehende Möglichkeiten als klassische Netzwerke, weil dort Begegnung, Gespräch und gemeinsames Gestalten in einem virtuellen Raum möglich werden. Jugendliche und andere Nutzende können dort mit Avataren auftreten, Orte gestalten, Inhalte präsentieren und in Echtzeit miteinander sprechen. Für religiöse Bildung bedeutet das, dass Glaube nicht nur gelesen, sondern in virtuellen Lern und Begegnungsräumen erlebt und bearbeitet werden kann.
Die Autoren betonen besonders drei Aspekte, die im Blick auf Religion und YOUCAT wichtig sind. Erstens ermöglicht das Social Web die Diskussion religiöser Inhalte. Zweitens fördert es aktive Beteiligung und Selbstorganisation. Drittens braucht es eine fachliche Begleitung, damit Glaube in pluralen Räumen nicht beliebig wird. Gerade angesichts von religiöser Unentschiedenheit und Vermischung verschiedener Vorstellungen sei es wichtig, die eigene religiöse Tradition besser zu kennen und reflektiert vertreten zu können.
Als Beispiel für digitale Pastoral wird die virtuelle Kirche St. Georg in Second Life genannt. Dort haben sich reale Gläubige zu einer virtuellen Gemeinschaft zusammengeschlossen, die gemeinsam betet, Bibelkurse durchführt und Gesprächskreise hält. Dieses Projekt zeigt nach Auffassung der Autoren, dass virtuelle Welten ein sinnvolles pastorales Handlungsfeld sein können. Kirche kann auch dort präsent sein, wo Menschen digital miteinander leben und kommunizieren.
Hinzu kommt die Chance des interreligiösen Dialogs. In Second Life sind auch andere christliche Konfessionen sowie jüdische, buddhistische und muslimische Gruppen vertreten. Dadurch entstehen neue Räume für Begegnung, Vergleich und Auseinandersetzung. Ein Dialog über den YOUCAT in einem solchen Umfeld könnte dazu beitragen, den eigenen Glauben besser zu verstehen und zugleich offen mit anderen Positionen ins Gespräch zu kommen.
Am Ende benennen die Autoren auch Risiken der digitalen Welt. Sie verweisen auf mögliche problematische Inhalte, auf die allgemeine Gefahr negativer Beeinflussung und auf medienkritische Einwände. Im Fall von Second Life sehen sie allerdings auch Schutzmechanismen und betonen, dass viele Angebote kostenlos und relativ leicht zugänglich sind. Insgesamt überwiegt für sie klar die Chance. YOUCAT kann im Social Web zu einem Instrument moderner Glaubenskommunikation werden, das kirchliche Lehre, persönliche Aneignung, gemeinsames Lernen und weltweite Vernetzung miteinander verbindet. Der Artikel plädiert somit dafür, digitale Medien als ernsthaften Ort religiöser Bildung und kirchlicher Kommunikation zu begreifen.