Didaktisch eignet sich das Medium besonders für einen problemorientierten und multiperspektivischen Unterricht, weil Extremismus nicht ausschließlich über Definitionen erschlossen, sondern anhand konkreter Erscheinungsformen, gesellschaftlicher Konflikte und medialer Kommunikationsformen untersucht wird. Ausgangspunkt sollte die Lebenswelt der Lernenden sein. So kann zunächst gesammelt werden, in welchen Zusammenhängen ihnen der Begriff Extremismus bereits in Nachrichten, sozialen Medien oder öffentlichen Debatten begegnet ist. Genau einen solchen Zugang sieht auch der Ablaufplan des Materials vor. Anschließend bietet sich eine gemeinsame begriffliche Klärung an, da Begriffe wie Extremismus, Radikalismus, Terrorismus und Populismus im alltäglichen Sprachgebrauch häufig unscharf verwendet werden. Das Glossar kann dabei als kontinuierliches Nachschlagewerk eingesetzt werden. Besonders ergiebig ist eine vergleichende Arbeit mit dem Schaubild „Extremistisches Denken“. Lernende können die dort aufgeführten Merkmale zunächst ordnen und anschließend begründet den unterschiedlichen Erscheinungsformen des Extremismus zuweisen. Dabei sollte darauf geachtet werden, nicht vorschnell politische oder religiöse Positionen mit Extremismus gleichzusetzen. Entscheidend ist vielmehr die begründete Prüfung von Aussagen und Handlungen anhand demokratischer Grundprinzipien wie Menschenwürde, Pluralismus, Gleichheit, Grundrechten und politischer Teilhabe. In einer anschließenden arbeitsteiligen Gruppenarbeit können Lernende unterschiedliche Beispiele untersuchen und ihre Ergebnisse gegenseitig vorstellen. Das Material selbst schlägt dafür Rechtsextremismus, Linksextremismus, islamistischen Extremismus sowie Reichsbürger und Selbstverwalter vor. Methodisch sinnvoll ist dabei ein einheitliches Analyseraster mit Fragen nach Ideologie, Menschenbild, Feindbildern, Verhältnis zur Demokratie, Umgang mit Gewalt, Kommunikationsformen und gesellschaftlichen Gefahren. Dadurch werden Gemeinsamkeiten und Unterschiede sichtbar, ohne die unterschiedlichen Phänomene gleichzusetzen. Ein weiterer Schwerpunkt sollte auf Medienkompetenz liegen. Die Beschäftigung mit virtueller Radikalisierung ermöglicht es, Mechanismen digitaler Kommunikation, Vernetzung und extremistischer Propaganda kritisch zu untersuchen. Das Material verbindet diese Auseinandersetzung ausdrücklich mit der Entwicklung von Strategien gegen virtuelle Radikalisierung. Videos sollten dabei nicht lediglich zur Illustration gezeigt werden. Vor dem Sehen können Beobachtungsaufträge vergeben, während des Sehens zentrale Aussagen notiert und anschließend Darstellungsweise, Sprache, Perspektive und Aussageabsicht untersucht werden. Für den Religionsunterricht bietet insbesondere die Auseinandersetzung mit religiösem Extremismus die Möglichkeit, konsequent zwischen Religion, religiöser Überzeugung, Fundamentalismus und politisch beziehungsweise religiös legitimiertem Extremismus zu differenzieren. Dadurch lässt sich vermeiden, Religion insgesamt mit extremistischen Erscheinungsformen zu verbinden. Zugleich können Fragen nach Menschenwürde, Freiheit, Toleranz, religiöser Vielfalt, Verantwortung und friedlichem Zusammenleben vertieft werden. Zum Abschluss sollte der Unterricht von der Analyse zur Handlungsorientierung führen. Lernende können konkrete Möglichkeiten sammeln, wie Einzelne, Schule, Zivilgesellschaft und Staat auf extremistische Äußerungen und Handlungen reagieren können. Das Material sieht hierfür ausdrücklich eine Unterrichtsstunde zu Prävention und Gegenstrategien vor und verbindet individuelle Handlungsmöglichkeiten mit den Handlungsspielräumen des demokratischen Staates. Besonders produktiv ist eine abschließende Reflexion darüber, welche Verantwortung Lernende selbst in Schule, Alltag und digitalen Räumen übernehmen können. Auf diese Weise dient das Medium nicht nur dem Erwerb von Sachwissen, sondern insbesondere der politischen und ethischen Urteilsbildung, der Medienkritik und der Stärkung demokratischer Handlungskompetenz.