Demokratie ist fragil – das zeigt sich in gegenwärtigen Krisen, Polarisierungen und populistischen Bewegungen weltweit. Gerade weil nur etwa 8 Prozent der Menschheit in funktionierenden Volldemokratien lebt, wird die Kultivierung eines demokratischen Bewusstseins zur Dringlichkeit. Der Artikel macht deutlich, dass Demokratie auf öffentliche Deliberation und auf die Fähigkeit zum Umgang mit politischen Ambiguitäten angewiesen ist – also auf die Kompetenz, Vielfalt, Widersprüche und Mehrdeutigkeit auszuhalten und kreativ damit umzugehen. Populistische Phänomene hingegen zeichnen sich durch Ambiguitätsintoleranz aus: Sie lehnen Nuancen und Komplexität ab, folgen einem „Freund-Feind-Denken" und führen nicht etwa zu einer Korrektur demokratischer Defizite, sondern zu deren Verschärfung.
An diesem Punkt kommt religiöse Bildung ins Spiel. Der Artikel argumentiert, dass der Religionsunterricht eine spezifische theologisch-ethische Verantwortung trägt, um antidemokratischen Haltungen wirksam zu begegnen. Ausgehend von einer intersubjektiven Ausrichtung kann religiöse Bildung zentrale Aspekte wie Menschenwürde, Anerkennung des Anderen und Gleichheit unabhängig von Herkunft, Geschlecht oder Religion zur Sprache bringen. Dies geschieht nicht im Sinne einer Moralisierung der Politik, sondern durch die Vermittlung von Ambiguitätstoleranz – einer Grundhaltung, die es ermöglicht, mit Unsicherheit und Mehrdeutigkeit konstruktiv umzugehen. Der Text verbindet dabei politische Bildung mit theologischen Ressourcen und weist auf die historisch gewachsene Verantwortung der Kirchen hin, sich aktiv für demokratische Strukturen einzusetzen – ein Lernprozess, der in der Religionspädagogik fortgesetzt werden muss.