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Jan-Hendrik HerbstTheoWeb

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Unterrichtsmaterialien als Ort der Ideologieproduktion? Perspektiven kritischer Religionsbuchanalyse in der Gegenwart

Veröffentlichung:1.5.2026

Ein Religionsbuch reproduziert antisemitische Verschwörungsmythen – und dies ist kein Einzelfall. Der Artikel zeigt, warum kritische Ideologieanalyse von Schulbüchern heute neu und anders betrieben werden muss, um verborgene Vorurteile sichtbar zu machen.

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Religions- und Schulbücher sind „Kinder ihrer Zeit" – doch welche Ideologien prägen sie unbewusst? Ein aktuelles Beispiel zeigt, wie das Kursbuch Religion Elementar 2 klassische antisemitische Motive reproduziert: Im Passionskapitel findet sich ein fiktives „Protokoll einer Geheimsitzung" jüdischer Priester gegen Jesus, das an die berüchtigte Fälschung der „Protokolle der Weisen von Zion" erinnert. Solche Befunde machen deutlich, dass eine kritische Religionsbuchanalyse heute dringender denn je notwendig ist – zumal in einer Zeit, in der Verschwörungsideologien, Rassismus und Antisemitismus gesellschaftlich erneut erstarken. Der Artikel skizziert historische Wurzeln einer ideologiekritischen Religionsbuchanalyse aus den 1960er Jahren und zeigt auf, warum dieser Ansatz nach Jahrzehnten der Skepsis rehabilitiert werden sollte – allerdings grundlegend erneuert. Dafür braucht es erstens einen reflektierten und pluralen Theoriebezug, der sich nicht auf eine einzige kritische Schule beschränkt. Zweitens sind methodische Erweiterungen erforderlich: Neben der klassischen qualitativen Inhaltsanalyse bieten sich postkoloniale Ansätze, Diskursanalyse, Foucaults Machtanalyse oder Bourdieus Habitustheorie an. Drittens ist eine Spezifizierung der jeweils zu untersuchenden Ideologie – ob Antisemitismus, Rassismus, Neoliberalismus oder Fundamentalismus – unverzichtbar, um ihre eigenlogische Wirkungsweise zu erfassen. Der Artikel argumentiert dafür, dass kritische Religionsbuchanalyse trotz ihrer normativen Voraussetzungen einen wichtigen Beitrag zur Qualitätsentwicklung von Unterrichtsmaterialien und zur religionspädagogischen Forschung leisten kann. Er öffnet damit den Weg zu einer zeitgemäßen Ideologiekritik, die Unterrichtsmaterialien auf ihre verborgenen Botschaften hin durchleuchtet – nicht aus Moralismus, sondern aus pädagogischer Verantwortung.

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