Für den Religionsunterricht eignet sich das Medium besonders zur Auseinandersetzung mit Glaubenswegen, religiöser Suche, Berufung, Nachfolge, Gottesvorstellungen und der Frage, wie persönlicher Glaube entstehen und sich entwickeln kann. Als Einstieg kann die zentrale Frage Jesu „Was sucht ihr?“ verwendet werden. Die Lernenden notieren zunächst für sich, wonach Menschen in ihrem Leben suchen können, etwa nach Sinn, Anerkennung, Sicherheit, Orientierung, Gemeinschaft, Glück oder Hoffnung. Dabei sollte ausdrücklich offengehalten werden, ob die Lernenden selbst religiös glauben. Der Unterricht kann dadurch Glauben als möglichen menschlichen Suchweg thematisieren, ohne ein persönliches Glaubensbekenntnis vorauszusetzen. Anschließend kann die im Medium beschriebene Situation heutiger Glaubenssuche aufgegriffen werden. Das Material spricht von einer tastenden Sehnsucht nach Gott, Sinn und Heil und fragt danach, wie Glaube zur Mitte des Lebens werden kann. Für die erste Textarbeit eignet sich die vorgeschlagene sprachliche Untersuchung besonders gut. Die Lernenden markieren im Bibeltext Verben aus den Wortfeldern suchen, folgen, finden und sehen und ordnen diese anschließend den beteiligten Personen zu. Daraus kann ein Wegschema entstehen, das sichtbar macht, dass Glaube im Text als Prozess dargestellt wird. In einer Gruppenarbeit können die Lernenden anschließend mit Karten die Beziehungen zwischen Johannes, den ersten Jüngern, Jesus, Andreas und Simon darstellen. Dabei untersuchen sie, von wem ein Impuls ausgeht, wer eine Begegnung vermittelt, welche Eigeninitiative eine Person zeigt und welche Veränderung aus der Begegnung entsteht. Ein weiterer Schwerpunkt kann auf der Frage liegen, welche Rolle andere Menschen für die Entwicklung des eigenen Glaubens oder der eigenen Weltanschauung spielen. Die Lernenden können dazu zwischen vermitteltem Glauben und eigener Überzeugung unterscheiden und diskutieren, wann übernommene Vorstellungen zu persönlichen Überzeugungen werden. Der zweite Textabschnitt mit Philippus und Natanael ermöglicht die Beschäftigung mit Zweifel und Vorurteilen. Natanaels skeptische Reaktion auf die Herkunft Jesu aus Nazaret kann zunächst untersucht werden. Besonders interessant ist die Reaktion des Philippus: Er versucht nicht, Natanael mit Argumenten zu überzeugen, sondern lädt ihn mit „Komm und sieh!“ zu einer eigenen Begegnung ein. Methodisch lässt sich daraus ein Schreibgespräch über die Frage entwickeln, ob religiöser Glaube vermittelt, begründet oder vor allem erfahren werden muss. Für eine vertiefende christologische Arbeit können die unterschiedlichen Bezeichnungen Jesu gesammelt und auf Karten angeordnet werden. Die Lernenden untersuchen, was mit Rabbi, Messias, Sohn Gottes, König von Israel und Menschensohn jeweils über Jesus ausgesagt wird und weshalb keine einzelne Bezeichnung die Bedeutung Jesu vollständig erfasst. Besonders geeignet für eine abschließende Vertiefung sind die beiden Holzschnitte von Sr. Sigmunda May. Die Lernenden können zunächst jeweils nur ein Bild betrachten, Körperhaltungen, Blickrichtungen, Nähe, Distanz und Bewegungen beschreiben und anschließend beide Darstellungen vergleichen. Das Material selbst deutet die Spannung zwischen den Bildern als Weg von einer vorsichtigen Annäherung an Jesus zu einer Erfahrung, die über den bisherigen Erwartungshorizont hinausführt. Die Bilder können außerdem Anlass sein, einen eigenen Glaubensweg oder allgemein einen Weg der Sinnsuche symbolisch zu gestalten. Möglich sind Wegbilder, kurze Texte, Gedankenblasen oder eine Folge von Stationen mit Begriffen wie suchen, hören, folgen, sehen, bleiben, finden und bekennen. Wichtig ist dabei, dass Lernende auch Zweifel, Distanz und Nichtglauben ausdrücken dürfen. Als Ergebnissicherung können sie die Frage beantworten, welche Schritte nach Joh 1,38 bis 51 vom Suchen zu einer eigenen Überzeugung führen. Der im Medium vorgeschlagene Abschluss mit dem langsamen Sprechen zentraler Aussagen des Bibeltextes kann für religiös offene Lerngruppen als meditative Phase verwendet werden. So ermöglicht das Medium eine Verbindung von genauer Bibelarbeit, christologischem Lernen, Bilderschließung, persönlicher Sinnsuche und Reflexion über die Entstehung von Glauben.