Für den Religionsunterricht bietet das Medium zahlreiche Möglichkeiten, sollte jedoch nicht unverändert als vollständiges Bibliodrama übernommen werden. Das Material weist selbst darauf hin, dass mehrere seiner Methoden Leitungsfähigkeit und Erfahrung in der Begleitung von Gruppen voraussetzen. Für den schulischen Unterricht empfiehlt es sich deshalb, ausgewählte Elemente herauszugreifen und sie an Alter, Lerngruppe, Zeitrahmen und Vertrautheit der Lernenden mit körperorientierten und szenischen Methoden anzupassen. Ein geeigneter Einstieg kann die im Material vorgesehene Satzergänzung sein. Lernende vervollständigen etwa den Gedanken „Etwas tun sollen und nicht wollen ist“ oder sammeln Assoziationen zum Begriff Umweg. Dadurch wird die Grundspannung der Jonaerzählung erschlossen, ohne den Bibeltext bereits ausführlich zu erklären. Besonders anschaulich ist anschließend die Körperarbeit. Bewegungen wie aufstehen, gehen, weggehen, hinaufgehen, hinabgehen, hineingehen, herausgehen und umkehren können von den Lernenden im Raum dargestellt werden. Danach wird untersucht, wo diese Bewegungen im Jonabuch auftreten und welche innere Bedeutung sie besitzen könnten. Auf diese Weise werden äußere Wege und innere Entwicklungen miteinander verbunden. Eine weitere geeignete Methode ist das szenische Lesen. Die Orte Ninive, Tarschisch, Meer, Jafo und der Platz östlich von Ninive können mit Tüchern oder Karten im Klassenraum markiert werden. Die Lernenden übernehmen anschließend Rollen wie Gott, Jona, Schiffsmannschaft, Menschen von Ninive, Meer, Fisch, Sturm, Rizinus oder Wurm. Besonders interessant ist die im Medium vorgeschlagene Aufteilung Jonas auf zwei Personen. Eine Person stellt das äußere Handeln dar, eine weitere seine inneren Bewegungen. Diese Methode eignet sich hervorragend, um den Unterschied zwischen sichtbarem Verhalten und inneren Gedanken herauszuarbeiten. Im Unterricht kann die innere Stimme Jonas beispielsweise erklären, weshalb er flieht, wovor er Angst hat, was ihn ärgert oder was er von Gott erwartet. Nach jeder Szene sollte eine Auswertung erfolgen, bei der zunächst beschrieben wird, was beobachtet wurde, bevor Interpretationen vorgenommen werden. Für die Arbeit an Jona 1 bietet sich außerdem die Methode der inneren Stimmen an. Eine Person verkörpert Jona, eine zweite steht hinter ihr und formuliert mögliche Gedanken nach dem Auftrag Gottes. Das Material verwendet diese Methode ausdrücklich, um Jonas innere Reaktionen auf seinen Auftrag wahrzunehmen. Im schulischen Kontext sollte die Aufgabe auf die biblische Figur konzentriert werden. Eine Übertragung auf persönliche Situationen kann angeboten werden, darf aber nicht eingefordert werden. Besonders sensibel ist die im Material auf Seite drei vorgestellte Imagination zum Gebet im Bauch des Fisches. Die Teilnehmenden legen sich dort auf eine Decke und stellen sich die Tiefe des Meeres und Jonas Situation vor. Das Material betont ausdrücklich die Freiheit, nur diejenigen Impulse aufzunehmen, die persönlich mitgegangen werden können. Für den Religionsunterricht kann daraus eine kürzere Fantasiereise entwickelt werden. Lernende sollten selbst entscheiden können, ob sie die Augen schließen, sitzen oder an der Übung überhaupt teilnehmen möchten. Anschließend kann Jona 2 als Gebet in einer Grenzsituation untersucht werden. Leitfragen können sein, welche Gefühle Jona ausdrückt, wie sich seine Sicht auf Gott verändert und weshalb das Gebet zu einer Wendung innerhalb der Geschichte wird. Einen weiteren Schwerpunkt bildet die Umkehr Ninives. Das Medium fragt nach Verhaltensweisen, die Leben mindern, Kraft rauben oder Menschen entmutigen, und verbindet dies mit Jona 3. Für den Unterricht eignen sich hierzu fiktive Fallbeispiele aus Schule und Gesellschaft. Die Lernenden können untersuchen, welche Folgen ungerechtes oder verletzendes Handeln hat und was Umkehr konkret bedeuten könnte. Dadurch wird der religiöse Begriff der Umkehr als tatsächliche Veränderung von Denken und Handeln erschlossen. Auf persönliche Schuldbekenntnisse oder öffentliche Aussagen über eigenes Fehlverhalten sollte im Unterricht verzichtet werden. Besonders ergiebig für ältere Lernende ist schließlich Jona 4. Jona ärgert sich darüber, dass Gott Ninive verschont. Damit entsteht eine anspruchsvolle Frage nach dem Verhältnis von Gerechtigkeit und Barmherzigkeit. Das Material schlägt vor, Jonas Zorn und die Vorstellung von Gottes Gnade räumlich gegenüberzustellen und beide Perspektiven miteinander diskutieren zu lassen. Im Unterricht kann daraus eine Positionierung entstehen. Eine Raumseite steht für die Forderung nach gerechter Konsequenz, die andere für Barmherzigkeit und Vergebung. Die Lernenden sammeln zunächst Argumente für beide Positionen und beziehen sie anschließend auf die Jonaerzählung. Entscheidend ist, die Spannung nicht vorschnell aufzulösen. Gerade die offene Schlussfrage des Jonabuches eignet sich dazu, die Lernenden selbst zu theologischen Urteilen herauszufordern. Das Material endet ebenfalls mit einem Antwortsatz auf diese offene Frage. Als abschließende Aufgabe können die Lernenden deshalb einen eigenen letzten Satz für das Jonabuch verfassen oder einen inneren Monolog Jonas nach Gottes letzter Frage gestalten. Ebenso kann der gesamte Weg Jonas auf einem Bodenbild dargestellt werden. Tarschisch, Meer, Fisch, Ninive und der Ort beim Rizinus werden dabei zu Stationen eines äußeren und inneren Weges. Die Lernenden ordnen jeder Station Begriffe wie Auftrag, Flucht, Angst, Rettung, Gebet, Annahme, Umkehr, Zorn und Barmherzigkeit zu. Auf diese Weise verbindet das Medium Bibelarbeit, Bewegung, Raumwahrnehmung, Rollenarbeit, emotionale Perspektivübernahme und theologische Reflexion. Besonders wertvoll ist dabei, dass Jona nicht als idealer Prophet dargestellt wird. Seine Verweigerung, sein Zorn und sein Widerstand gegenüber Gottes Barmherzigkeit bleiben Teil der Geschichte. Dadurch können Lernende entdecken, dass biblische Texte auch Zweifel, Konflikte und offene Fragen innerhalb der Beziehung zwischen Mensch und Gott zur Sprache bringen.