RU-digitalRU-digital-logo
1 Bild
Loccumer Pelikan

Loccumer Pelikan

Das weiße Gold der Energiewende

Ein Planspiel mit dem neuen kategorischen Imperativ von Hans Jonas für die Jahrgänge 9 und 10

Veröffentlichung:26.2.2026

Der Beitrag „Das weiße Gold der Energiewende“ von Christina Harder beschäftigt sich mit der ethischen Frage, wie technische Entwicklungen verantwortet werden können, wenn ihre Folgen weit in die Zukunft reichen und Menschen, Tiere und Natur betreffen. Ausgangspunkt ist das „Prinzip Verantwortung“ des jüdischen Philosophen und Theologen Hans Jonas. Angesichts der weitreichenden Möglichkeiten moderner Technik entwickelt Jonas einen neuen kategorischen Imperativ, nach dem menschliches Handeln so gestaltet werden soll, dass auch in Zukunft echtes menschliches Leben auf der Erde möglich bleibt. Diese Verantwortung erweitert Jonas ausdrücklich auf Tiere und Natur. Der Beitrag überträgt diesen ethischen Ansatz auf einen konkreten Konflikt um den Abbau von Lithium im Erzgebirge. Lithium wird für Batterien von Elektroautos benötigt und besitzt damit eine wichtige Bedeutung für Verkehrs und Energiewende. Gleichzeitig kann der Abbau mit erheblichen Eingriffen in Natur und Lebensräume verbunden sein. Daraus entsteht ein ethisches Dilemma: Soll Lithium abgebaut werden, um den Klimawandel durch eine veränderte Mobilität zu bekämpfen, auch wenn dadurch vor Ort Natur und Umwelt gefährdet werden? Die Lernenden erschließen diesen Konflikt in einem Planspiel und übernehmen unterschiedliche gesellschaftliche, wirtschaftliche, ökologische und kirchliche Perspektiven. Auf diese Weise verbindet der Beitrag philosophische Ethik, christliche Schöpfungsverantwortung, Klimaschutz, Nachhaltigkeit und konkrete ethische Urteilsbildung.

Die Beitrag „Das weiße Gold der Energiewende“ von Christina Harder entwirft ein Planspiel für die Jahrgänge 9/10, in dem Schüler*innen den neuen kategorischen Imperativ und das Verantwortungsprinzip von Hans Jonas auf eine aktuelle Konfliktlage anwenden: den geplanten Lithiumabbau (als „weißes Gold“) im Ost-Erzgebirge. Im Zentrum steht ein ethisches Dilemma zwischen Klimaschutz/Energiewende und Risiken für Natur, Tiere und regionale Lebensgrundlagen. Das Planspiel dient dazu, ethische Modelle nicht nur theoretisch zu besprechen, sondern praktisch zu erproben, Rollenperspektiven einzunehmen und anschließend kritisch zu reflektieren.

Die Materialien sind auf der Webseite rechts in dem unteren Download zu finden. Der obere Download enthält die PDF mit dem gesamten Heft, aus dem der Artikel stammt.

Products

Das Unterrichtsmaterial ist ausdrücklich für die Jahrgänge 9 und 10 konzipiert und eignet sich besonders für Unterrichtseinheiten zu Verantwortung, Schöpfungsverantwortung, Klimawandel, Nachhaltigkeit, Technikethik und ethischer Urteilsbildung. Der Beitrag ist besonders interessant, weil ein anspruchsvolles philosophisches Konzept nicht ausschließlich theoretisch behandelt, sondern auf einen konkreten gesellschaftlichen Konflikt angewendet wird.

Als Einstieg kann die Lehrkraft die Frage präsentieren: „Was darf der Mensch heute tun, wenn niemand genau weiß, welche Folgen sein Handeln in fünfzig oder hundert Jahren haben wird?“ Die Lernenden sammeln erste Antworten und Beispiele. Genannt werden können Klimawandel, künstliche Intelligenz, Atomenergie, Gentechnik, Rohstoffabbau oder Eingriffe in Ökosysteme. Dadurch wird ein Grundproblem der Verantwortungsethik sichtbar: Menschen verfügen über technische Möglichkeiten, deren langfristige Folgen sie nicht vollständig vorhersehen können.

Anschließend kann Hans Jonas vorgestellt werden. Dabei sollte zunächst seine Grundannahme im Mittelpunkt stehen, dass die technischen Möglichkeiten des Menschen eine neue Form ethischer Verantwortung notwendig machen. Die Lernenden können untersuchen, warum eine Handlung nicht nur danach beurteilt werden sollte, welche unmittelbaren Folgen sie für gegenwärtig lebende Menschen besitzt. Auch zukünftige Generationen sowie Tiere, Pflanzen und natürliche Lebensgrundlagen müssen berücksichtigt werden.

Für die Vorbereitung des Planspiels empfiehlt der Beitrag, den kategorischen Imperativ Immanuel Kants und den neuen kategorischen Imperativ von Hans Jonas bereits behandelt zu haben. Die Lernenden können beide Ansätze in einer Tabelle vergleichen. Dabei werden Gemeinsamkeiten und Unterschiede herausgearbeitet. Besonders wichtig ist die Frage nach den Folgen einer Handlung. Bei Jonas rücken die langfristigen Auswirkungen menschlichen Handelns auf zukünftiges Leben ausdrücklich in den Mittelpunkt.

Ein besonderer Schwerpunkt sollte auf dem Begriff Verantwortung liegen. Die Lernenden können zunächst überlegen, für wen oder was ein Mensch Verantwortung übernehmen kann. Anschließend werden die Kategorien Gegenwart, Zukunft, Menschen, Tiere, Pflanzen und Natur eingeführt. Dadurch wird sichtbar, wie umfassend Jonas Verantwortung versteht.

Für den Religionsunterricht bietet sich eine Verbindung mit dem christlichen Gedanken der Bewahrung der Schöpfung an. Die Lernenden untersuchen, welche Verantwortung sich aus der Vorstellung ergeben kann, dass die Welt Schöpfung Gottes ist. Anschließend vergleichen sie diesen religiösen Zugang mit der philosophischen Verantwortungsethik von Hans Jonas. Dabei können Gemeinsamkeiten und Unterschiede herausgearbeitet werden.

Im Mittelpunkt der praktischen Arbeit steht das Planspiel zum Lithiumabbau im Erzgebirge. Die Ausgangssituation besitzt einen realen Hintergrund. In der Region um Altenberg wurden Lithiumvorkommen entdeckt. Lithium wird unter anderem für Batterien von Elektroautos benötigt und spielt deshalb eine wichtige Rolle bei der Verkehrswende. Gleichzeitig bestehen Befürchtungen, dass Abbau und Verarbeitung das ökologische Gleichgewicht der Region beeinträchtigen könnten.

Vor Beginn des Planspiels sollte zunächst geklärt werden, warum Lithium überhaupt benötigt wird. Die Lernenden können recherchieren, wo Lithium eingesetzt wird und welche Bedeutung der Rohstoff für Elektromobilität und Energiespeicherung besitzt. Ebenso sollte untersucht werden, welche möglichen Auswirkungen sein Abbau auf Landschaft, Wasser, Tiere, Pflanzen und Menschen haben kann. Dadurch wird deutlich, dass einfache Lösungen kaum möglich sind.

Anschließend übernehmen die Lernenden unterschiedliche Rollen. Im Material sind Perspektiven aus Kommune, Wirtschaft, Rohstoffwirtschaft, Umweltschutz und Kirche vorgesehen. Die Lernenden erhalten Informationen zu den jeweiligen Interessen ihrer Gruppe und entwickeln daraus Argumente für die simulierte Bürgerversammlung.

Ein besonderer didaktischer Wert des Planspiels liegt im Perspektivwechsel. Lernende müssen eine Position vertreten, die nicht unbedingt ihrer persönlichen Meinung entspricht. Dadurch erfahren sie, dass ethische Konflikte häufig daraus entstehen, dass unterschiedliche berechtigte Interessen miteinander konkurrieren. Klimaschutz, Arbeitsplätze, wirtschaftliche Entwicklung, Naturschutz, Energieversorgung und Verantwortung für zukünftige Generationen können gleichzeitig wichtige Werte darstellen.

Die kirchliche Perspektive ermöglicht einen spezifisch religionspädagogischen Zugang. Die entsprechende Gruppe kann untersuchen, welche Position eine christliche Gemeinde im Konflikt um den Lithiumabbau vertreten könnte. Dabei können Schöpfungsverantwortung, Nächstenliebe, Gerechtigkeit und Verantwortung für zukünftige Generationen berücksichtigt werden.

Während der simulierten Bürgerversammlung präsentieren die Gruppen ihre Argumente und reagieren auf die Positionen der anderen Beteiligten. Die Lehrkraft sollte darauf achten, dass nicht lediglich Meinungen ausgetauscht werden. Die Lernenden sollen ihre Positionen begründen und dabei möglichst ausdrücklich auf ethische Kriterien zurückgreifen.

Besonders wichtig ist die anschließende Reflexion des Planspiels. Die Lernenden verlassen bewusst ihre Rollen und betrachten den Konflikt nun wieder aus ihrer persönlichen Perspektive. Diese Trennung zwischen Rolle und eigener Position ist bedeutsam, da die im Planspiel vertretene Meinung nicht mit der persönlichen Überzeugung eines Lernenden übereinstimmen muss.

In der Ergebnissicherung können die wichtigsten Argumente der verschiedenen Gruppen gesammelt werden. Anschließend wird untersucht, wie der neue kategorische Imperativ von Hans Jonas von den verschiedenen Gruppen verwendet wurde. Dadurch wird deutlich, dass auch ein ethischer Grundsatz nicht automatisch zu einer einzigen eindeutigen Lösung führen muss.

Eine besonders anspruchsvolle Fragestellung lautet: „Was ist wichtiger: Lithium für den Kampf gegen den Klimawandel oder der Schutz der Natur im Erzgebirge?“ Die Lernenden sollen dabei möglichst nicht einfach zwischen zwei Möglichkeiten wählen. Vielmehr können sie Bedingungen formulieren, unter denen ein verantwortbarer Kompromiss denkbar wäre.

Für eine weitere Vertiefung eignet sich die von Hans Jonas entwickelte Heuristik der Furcht. Die Lernenden untersuchen, warum Jonas bei möglichen schwerwiegenden und unumkehrbaren Folgen zur besonderen Vorsicht auffordert. Anschließend kann diskutiert werden, ob diese Haltung angesichts des Klimawandels angemessen ist oder ob zu große Vorsicht technischen Fortschritt verhindern könnte.

Hier lässt sich die im Beitrag dargestellte Kritik an Jonas einbeziehen. Einer skeptischen Haltung gegenüber den Gefahren neuer Technologien kann die Hoffnung gegenübergestellt werden, dass gerade neue technische Entwicklungen zur Lösung ökologischer Probleme beitragen können. Die Lernenden können dazu die Aussage diskutieren: „Wir brauchen nicht weniger Technik, sondern bessere Technik.“

Als Abschluss bietet sich eine strukturierte ethische Urteilsbildung an. Die Lernenden benennen zunächst den Konflikt, sammeln die beteiligten Personen und Gruppen, bestimmen die betroffenen Werte, vergleichen Handlungsoptionen und untersuchen deren mögliche Folgen. Erst danach formulieren sie ein persönliches Urteil. Auf diese Weise wird deutlich, dass ethisches Urteilen mehr bedeutet als die Äußerung einer spontanen Meinung.


Fragestellungen zum Medium mit Antworten


Was ist das zentrale Thema des Beitrags?

Im Mittelpunkt steht die Frage nach verantwortlichem Handeln angesichts moderner Technologien. Am Beispiel des Lithiumabbaus wird untersucht, wie Klimaschutz, technischer Fortschritt, wirtschaftliche Interessen und Naturschutz miteinander abgewogen werden können.


Wer war Hans Jonas?

Hans Jonas war ein jüdischer Philosoph und Theologe. Er beschäftigte sich intensiv mit der Frage, welche Verantwortung Menschen angesichts der weitreichenden Möglichkeiten moderner Technik besitzen.


Was versteht Hans Jonas unter Verantwortung?

Verantwortung bezieht sich für Jonas nicht ausschließlich auf die unmittelbaren Folgen einer Handlung. Menschen müssen auch langfristige Auswirkungen auf zukünftige Generationen und die natürlichen Lebensgrundlagen berücksichtigen.


Warum hält Jonas eine neue Ethik für notwendig?

Moderne Technik ermöglicht Eingriffe mit sehr weitreichenden Folgen. Manche Folgen zeigen sich erst nach langer Zeit und können große Räume oder zukünftige Generationen betreffen. Deshalb reicht eine Ethik, die nur unmittelbare Folgen betrachtet, nach Jonas nicht aus.


Was besagt der neue kategorische Imperativ von Hans Jonas?

Vereinfacht ausgedrückt fordert Jonas, so zu handeln, dass die Folgen des eigenen Handelns mit dem Fortbestand echten menschlichen Lebens auf der Erde vereinbar bleiben.


Bezieht sich die Verantwortung nur auf Menschen?

Nein. Jonas erweitert den Bereich menschlicher Verantwortung ausdrücklich. Auch Tiere und Natur sollen bei der Bewertung menschlichen Handelns berücksichtigt werden.


Was bedeutet Heuristik der Furcht?

Damit bezeichnet Jonas eine besondere Vorsicht gegenüber möglichen schwerwiegenden und unumkehrbaren Folgen technischen Handelns. Wenn die langfristigen Folgen nicht sicher vorhersehbar sind, sollen mögliche Gefahren besonders ernst genommen werden.


Warum spielt Wissen für Verantwortung eine wichtige Rolle?

Menschen können nur dann verantwortungsvoll entscheiden, wenn sie versuchen, die möglichen Folgen ihres Handelns zu verstehen. Deshalb gehört für Jonas die Suche nach Wissen selbst zur ethischen Verantwortung.


Warum ist Lithium für die Energiewende wichtig?

Lithium wird unter anderem für Batterien benötigt. Diese spielen bei Elektroautos und bei der Speicherung von Energie eine wichtige Rolle. Deshalb ist Lithium ein bedeutender Rohstoff für Veränderungen in Mobilität und Energieversorgung.


Welches ethische Problem entsteht beim Lithiumabbau?

Der Abbau kann einerseits Rohstoffe für eine klimafreundlichere Mobilität bereitstellen. Andererseits kann er Natur und Lebensräume beeinträchtigen. Damit stehen unterschiedliche ökologische Ziele miteinander in Konflikt.


Warum handelt es sich um ein ethisches Dilemma?

Es gibt nicht einfach eine gute und eine schlechte Seite. Sowohl Klimaschutz als auch Naturschutz stellen wichtige Ziele dar. Eine Entscheidung für einen Wert kann negative Auswirkungen auf einen anderen Wert besitzen.


Was hat der Lithiumabbau mit zukünftigen Generationen zu tun?

Sowohl Klimawandel als auch Umweltzerstörung können langfristige Folgen haben. Entscheidungen der Gegenwart beeinflussen deshalb die Lebensbedingungen von Menschen, die heute noch nicht geboren sind.


Was bedeutet Bewahrung der Schöpfung?

Bewahrung der Schöpfung bezeichnet aus christlicher Perspektive die Verantwortung des Menschen für einen achtsamen Umgang mit der Welt. Dazu gehören Menschen, Tiere, Pflanzen und natürliche Lebensgrundlagen.


Welche Verbindung besteht zwischen Hans Jonas und christlicher Schöpfungsverantwortung?

Beide Perspektiven betonen eine Verantwortung, die über unmittelbare persönliche Interessen hinausgeht. Während Jonas philosophisch argumentiert, wird Schöpfungsverantwortung religiös aus dem Verhältnis von Gott, Mensch und Welt begründet.


Warum eignet sich ein Planspiel für dieses Thema?

Ein Planspiel macht unterschiedliche Interessen erfahrbar. Lernende müssen Argumente aus einer bestimmten Perspektive entwickeln und auf andere Positionen reagieren. Dadurch wird ein abstrakter ethischer Konflikt konkret.


Warum müssen Lernende nach dem Planspiel ihre Rolle wieder verlassen?

Die im Planspiel vertretene Position ist nicht automatisch die persönliche Meinung. Nach dem Spiel sollen die Lernenden zwischen Rollenperspektive und eigener Überzeugung unterscheiden und ein persönliches Urteil entwickeln.


Führt der kategorische Imperativ von Hans Jonas automatisch zu einer eindeutigen Entscheidung?

Nein. Ein ethisches Prinzip hilft dabei, relevante Gesichtspunkte zu erkennen und Entscheidungen zu prüfen. In komplexen Konflikten können Menschen jedoch auch unter Anwendung desselben Prinzips zu unterschiedlichen Urteilen gelangen.


Ist technischer Fortschritt grundsätzlich problematisch?

Nein. Der Beitrag stellt unterschiedliche Einschätzungen gegenüber. Neue Technologien können Gefahren verursachen, aber zugleich zur Lösung bestehender Probleme beitragen. Entscheidend ist deshalb die verantwortliche Prüfung ihrer möglichen Folgen.


Was ist wichtiger, Klimaschutz oder Naturschutz?

Beide Ziele sind eng miteinander verbunden und besitzen eine hohe ethische Bedeutung. Der Konflikt um Lithium zeigt jedoch, dass sie in konkreten Situationen miteinander konkurrieren können. Eine verantwortliche Entscheidung muss deshalb Folgen, Risiken, Alternativen und betroffene Interessen berücksichtigen.


Warum eignet sich das Thema besonders für den Religionsunterricht?

Das Thema verbindet philosophische Ethik mit christlicher Verantwortung. Lernende setzen sich mit Freiheit, Verantwortung, Schöpfung, Gerechtigkeit, Technik, Zukunft und den Folgen menschlichen Handelns auseinander. Dadurch wird Religion mit einer aktuellen gesellschaftlichen Herausforderung verbunden.


Welche zentrale Frage kann am Ende der Unterrichtseinheit stehen?

Eine zentrale Frage lautet: „Wie müssen wir heute handeln, damit auch zukünftige Generationen gut leben können?“ Diese Frage verbindet das Prinzip Verantwortung von Hans Jonas mit christlicher Schöpfungsverantwortung und aktuellen Herausforderungen des Klimawandels.


Der Text setzt bei der Grundthese von Hans Jonas an, dass moderne Hochtechnologien Handlungsfolgen erzeugen, die zeitlich, räumlich und in ihrer Tragweite weit über die traditionelle Ethik hinausreichen. Die klassische Ethik – exemplarisch mit Kant verbunden – greife zu kurz, weil sie häufig anthropozentrisch bleibt, von relativer Konstanz menschlicher Verhältnisse ausgeht, nahe Folgen betrachtet und für moralische Urteile kaum naturwissenschaftlich-technisches Wissen voraussetzt. Jonas dagegen formuliert Verantwortung als Zukunftsethik: Maßstab ist die Verträglichkeit der Handlungsfolgen mit dem Fortbestand echten Lebens. Daraus ergibt sich sein neuer Imperativ: so handeln, dass die Wirkungen mit der Permanenz echten menschlichen Lebens auf Erden vereinbar sind – bei Jonas ausdrücklich mit Ausweitung der Verantwortung über den Menschen hinaus auf alles Leben.

Didaktisch stark ist die Einbettung in zwei weitere Kernmotive: die „Pflicht zum Wissen“ (ethische Urteile benötigen Sachkenntnis über Technik, Nebenfolgen, Risiken) und die „Heuristik der Furcht“ (im Zweifel ist der schlechteren Prognose Vorrang zu geben: in dubio pro malo). Beides passt sehr gut zu einer Unterrichtssituation, in der Schüler*innen erleben, dass Entscheiden unter Unsicherheit keine Schwäche, sondern ein ethisches Problem ist. Gleichzeitig wird der Ansatz nicht unkritisch gesetzt: Der Artikel skizziert Gegenpositionen (z. B. Verantwortung als mehr Technik- und Wissensentwicklung statt Selbstbescheidung; Skepsis, ob Menschen ihr Verhalten wirklich ändern). So wird Jonas als relevanter, aber diskussionswürdiger ethischer Zugang profiliert.

Das Planspiel selbst ist als praxisnahes, rollengebundenes Verfahren angelegt: Ausgangspunkt ist ein realitätsnaher Konflikt um Lithiumabbau und Verarbeitung vor Ort – zentral für Batterien und damit für Verkehrswende, zugleich mit Befürchtungen zu Eingriffen in ein sensibles Ökosystem. Die Lernenden übernehmen Rollen (z. B. Unternehmen, kommunale Politik, Umweltverbände, Rohstoffagentur, kirchliche Gemeindevertretung). Dadurch werden Wertekonflikte konkret: globale Verantwortung (Klimaschutz, Energiewende) vs. lokale Verantwortung (Naturschutz, Lebensqualität, regionale Zukunft); außerdem Konflikte zwischen ökonomischen Interessen, politischer Steuerung, ökologischem Risiko, sozialer Akzeptanz und ethischen Maßstäben. Als besonderes religionspädagogisches Element wird eine Gruppe mit christlicher Perspektive (Bewahrung der Schöpfung) eingebunden, wodurch religiöse Argumentationsformen in eine öffentliche Debatte übersetzt werden.

Methodisch empfiehlt der Text, ethische Modelle im Vorfeld zu klären (Kant vs. Jonas) und das Planspiel dann als Anwendung zu nutzen. Praktisch wichtig sind: ein klar sichtbarer Ablaufplan, Zeitmanagement, strukturierte Aufgaben pro Runde und eine Vorlage zur schriftlichen Stellungnahme. Ein sinnvoller Baustein ist außerdem das bewusste Ein- und Aussteigen aus der Rolle (symbolische Geste), um Rollendruck zu reduzieren und Reflexionsfähigkeit zu stärken. Nach dem Planspiel liegt der Schwerpunkt auf Ergebnissicherung (Argumente der Gruppen, explizite Anwendung des Jonas-Imperativs) und auf einer doppelten Reflexion: inhaltlich (Welche Lösung erscheint verantwortbar? Welche Risiken wiegen wie schwer?) und metareflexiv (Welche Dynamiken, Kommunikationsmuster, Interessenlagen wurden sichtbar?). Genau hier entsteht Lerngewinn: Schüler*innen erfahren, dass ethische Urteile oft nicht eindeutig sind, aber begründet, transparent und verantwortungsbewusst getroffen werden müssen.

Hessen

Hessen

Sekundarstufe I | Jahrgangsstufe 9

9G.2 Darf man alles, was man kann? Fortschritt und menschliche Zukunft.

Rheinland-Pfalz

Rheinland-Pfalz

Sekundarstufe I | Jahrgangsstufe 9

9.2 Nach Gerechtigkeit streben: Gleiche Lebensbedingungen für alle.

Beispielhafte Lernsequenzen

  • Soziale Fragen im 19. Jh. und heute

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell, während andere uns helfen, diese Website und Ihre Erfahrung zu verbessern Datenschutz.