Das Video eignet sich für eine Unterrichtseinheit über Gebet, Gottesvorstellungen, Jesus, Vergebung, Gerechtigkeit und christliche Hoffnung. Es kann sowohl zur Einführung in das Vaterunser als auch zur Vertiefung eines bereits bekannten Gebetes eingesetzt werden. Besonders geeignet ist das Medium für Lernende ab der Grundschule. In höheren Klassenstufen kann es als Ausgangspunkt für eine theologische und sprachliche Untersuchung der einzelnen Bitten dienen.
Vor der ersten Sichtung kann die Lehrkraft danach fragen, in welchen Situationen Menschen beten. Mögliche Antworten sind Gottesdienst, Krankheit, Angst, Dankbarkeit, Freude, Trauer, Hoffnung und die Bitte um Hilfe. Dabei sollte deutlich werden, dass nicht alle Lernenden persönliche Gebetserfahrungen besitzen oder an Gott glauben. Der Religionsunterricht bietet einen geschützten Raum zur Wahrnehmung und Reflexion religiöser Praxis. Niemand muss selbst beten oder ein persönliches Glaubensbekenntnis abgeben.
Als weiterer Einstieg kann der Satz „Beten bedeutet für mich …“ ergänzt werden. Die Antworten werden gesammelt, ohne sie vorschnell als richtig oder falsch zu bewerten. Mögliche Vorstellungen sind Reden mit Gott, Schweigen, Bitten, Danken, Klagen, Hoffen, Nachdenken oder das Erleben von Gemeinschaft. Nach der Arbeit mit dem Video können die Lernenden zu ihren ersten Aussagen zurückkehren und prüfen, ob sich ihr Verständnis verändert hat.
Bei der ersten Sichtung erhalten die Lernenden noch keinen detaillierten Arbeitsauftrag. Sie achten lediglich auf die Atmosphäre, die Person und die Wirkung des gesprochenen Gebetes. Danach beschreiben sie ihren Eindruck. Sie können beispielsweise wahrnehmen, ob das Gebet ruhig, vertraut, feierlich, persönlich oder nachdenklich wirkt. Dabei sollte zwischen Beobachtung und Bewertung unterschieden werden.
Vor der zweiten Sichtung kann die Klasse den Wortlaut des Vaterunsers erhalten. Die Lernenden markieren Wörter und Sätze, die sie bereits verstehen, und kennzeichnen Stellen, zu denen sie Fragen haben. Besonders erklärungsbedürftig sind häufig die Formulierungen „geheiligt werde dein Name“, „dein Reich komme“, „dein Wille geschehe“, „unser tägliches Brot“, „unsere Schuld“, „Versuchung“ und „erlöse uns von dem Bösen“.
Bei der zweiten Sichtung können Kleingruppen unterschiedliche Beobachtungsaufträge übernehmen. Eine Gruppe achtet auf die Aussagen über Gott. Eine zweite Gruppe sammelt Aussagen über menschliche Bedürfnisse. Eine dritte Gruppe beschäftigt sich mit Schuld und Vergebung. Eine vierte Gruppe untersucht, welche Hoffnung im Gebet zum Ausdruck kommt. Die Ergebnisse werden anschließend den entsprechenden Bitten des Vaterunsers zugeordnet.
Für die weitere Erarbeitung eignet sich eine Einteilung des Gebetes in Sinnabschnitte. Die Anrede eröffnet eine Beziehung zu Gott. Die ersten Bitten richten den Blick auf Gottes Namen, Gottes Reich und Gottes Willen. Die folgenden Bitten betreffen menschliche Grundbedürfnisse, Vergebung, Bewahrung und Erlösung. Diese Struktur hilft den Lernenden zu erkennen, dass das Gebet sowohl die Beziehung zu Gott als auch die Verantwortung für das menschliche Zusammenleben umfasst.
Die Anrede „Vater unser im Himmel“ sollte sensibel besprochen werden. Manche Lernende verbinden mit dem Wort Vater Geborgenheit und Vertrauen. Andere besitzen belastende oder schmerzhafte Erfahrungen. Deshalb darf die menschliche Vatererfahrung nicht einfach auf Gott übertragen werden. Die biblische Anrede beschreibt Gott als fürsorglich, zugewandt und verlässlich. Ergänzend können auch andere biblische Bilder für Gott betrachtet werden, etwa Mutter, Hirte, Licht, Quelle, Schutz oder Burg.
Das Wort „unser“ ist didaktisch besonders ergiebig. Die Lernenden können untersuchen, warum das Gebet nicht mit „mein Vater“ beginnt und nicht um „mein tägliches Brot“ bittet. Das gemeinsame Fürwort verweist auf die Verbundenheit aller Betenden und auf die Verantwortung füreinander. Daraus können Fragen nach Hunger, Armut, ungerechter Verteilung und Solidarität entwickelt werden.
Die Bitte um das tägliche Brot kann zunächst wörtlich verstanden werden. Brot steht für Nahrung und die Sicherung des Lebens. In einem weiteren Schritt sammeln die Lernenden, was Menschen außerdem täglich benötigen. Dazu können Wasser, Wohnung, Kleidung, Gesundheit, Bildung, Frieden, Beziehungen, Anerkennung und Hoffnung gehören. Die Lernenden gestalten eine Brotsilhouette und tragen darin ein, was für ein menschenwürdiges Leben erforderlich ist.
Die Bitte um das Kommen des Reiches Gottes eröffnet einen Zugang zur Botschaft Jesu. Gottes Reich bezeichnet keine geographische Herrschaft, sondern eine Wirklichkeit, in der Gottes Liebe und Gerechtigkeit das Zusammenleben bestimmen. Die Lernenden können Bilder oder kurze Szenen gestalten, die zeigen, wo etwas von diesem Reich sichtbar wird. Beispiele sind Versöhnung, Hilfe für Bedürftige, Schutz der Schwachen, Teilen, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung.
Bei der Bitte „dein Wille geschehe“ muss der Eindruck vermieden werden, jedes Unglück sei unmittelbar von Gott gewollt. Krankheit, Gewalt und Unrecht dürfen nicht vorschnell als Gottes Wille bezeichnet werden. Im Kontext des Gebetes kann die Bitte als Vertrauen darauf verstanden werden, dass Gottes Wille auf Leben, Liebe, Gerechtigkeit und Frieden zielt. Zugleich fordert sie Betende dazu heraus, das eigene Handeln an diesen Maßstäben zu prüfen.
Die Bitte um Vergebung eignet sich für eine Unterrichtsphase über Schuld, Verantwortung und Versöhnung. Die Lernenden können anhand fiktiver Situationen untersuchen, wie Schuld entsteht und was zu einer ehrlichen Entschuldigung gehört. Vergebung bedeutet nicht, Unrecht zu verharmlosen oder verletzende Beziehungen ohne Schutz fortzusetzen. Sie kann vielmehr einen Prozess eröffnen, in dem Schuld benannt, Verantwortung übernommen und eine Veränderung des Verhaltens sichtbar wird.
Methodisch kann ein Standbild eingesetzt werden. Eine Gruppe stellt eine Situation des Streites dar, eine zweite eine ehrliche Entschuldigung und eine dritte einen möglichen Zustand nach der Versöhnung. Die Klasse beschreibt, was sich in Haltung, Abstand und Blickrichtung verändert. Persönliche Konflikte aus der Lerngruppe sollten dabei nicht öffentlich nachgestellt werden.
Die Bitte um Bewahrung vor Versuchung kann mit alltäglichen Entscheidungssituationen verbunden werden. Versuchung bezeichnet hier nicht nur den Wunsch nach Süßigkeiten oder verbotenen Dingen. Gemeint können Situationen sein, in denen Menschen versucht sind zu lügen, andere auszugrenzen, Macht zu missbrauchen oder nur an den eigenen Vorteil zu denken. Die Lernenden überlegen, was ihnen helfen kann, in solchen Situationen verantwortlich zu handeln.
Die Bitte um Erlösung vom Bösen sollte offen und altersgemäß behandelt werden. Das Böse kann sich in Gewalt, Hass, Krieg, Unterdrückung, Ausbeutung und bewusster Verletzung zeigen. Zugleich können Menschen unter Erfahrungen leiden, die sie nicht selbst verursacht haben. Das Gebet bringt die Hoffnung zum Ausdruck, dass das Böse nicht das letzte Wort behält.
Eine kreative Vertiefung ermöglicht ein Vaterunserbuch. Jede Seite behandelt eine Bitte. Die Lernenden übertragen die jeweilige Formulierung in eigene Worte, gestalten ein Bild und ergänzen eine Handlungsmöglichkeit. Zur Brotbitte kann beispielsweise das Teilen gehören, zur Vergebungsbitte eine ehrliche Entschuldigung und zur Bitte um Gottes Reich eine friedliche Lösung eines Konflikts.
Eine weitere Möglichkeit ist das Vaterunser mit Gesten. Für jede Bitte entwickelt die Klasse eine einfache Körperhaltung oder Bewegung. Offene Hände können das Empfangen des täglichen Brotes darstellen. Eine verbindende Bewegung kann für das gemeinsame „unser“ stehen. Vor der Durchführung sollte geklärt werden, dass die Gesten der Erschließung des Gebetes dienen und nicht zur bloßen Unterhaltung werden.
Für ältere Lernende bietet sich ein Vergleich der Fassungen in Matthäus 6 und Lukas 11 an. Sie untersuchen Gemeinsamkeiten und Unterschiede und klären, in welchem Zusammenhang Jesus das Gebet lehrt. Dadurch wird deutlich, dass die heute gebräuchliche Form eine liturgische Tradition besitzt und das Vaterunser in verschiedenen christlichen Konfessionen eine verbindende Bedeutung hat.
Am Ende der Unterrichtseinheit können die Lernenden eine persönliche Deutung auswählen. Sie erläutern, welche Bitte sie besonders wichtig finden und welche gesellschaftliche Verantwortung daraus entsteht. Alternativ verfassen sie ein Gebet in heutiger Sprache. Auch Lernende ohne persönlichen Glaubensbezug können die Hoffnungen und Werte des Vaterunsers beschreiben. Eine gemeinsame Gebetsphase ist möglich, muss aber klar als religiöse Praxis erkennbar und freiwillig sein.