"Ost und West – Die Spannungen der Kirche in der Geschichte"
Ziel: Die Schüler sollen die historischen Spannungen zwischen Ost- und Westkirche verstehen, deren theologischen und politischen Hintergründe reflektieren und einen Bezug zur heutigen Einheit der Christen herstellen.
I. Einführung (15 Minuten)
Aktivierung des Vorwissens: Kurze Fragerunde: "Was wisst ihr über die Ost- und Westkirche?" Brainstorming auf der Tafel.
Videoauszug zeigen: Zeige einen prägnanten Ausschnitt (5 Minuten) aus dem Video (z. B. 01:25–02:00) über das Konzil von Chalcedon.
Einstiegsfrage: "Warum könnte die Einheit der Christen damals wie heute so wichtig sein?"
II. Diskussion (20 Minuten)
Leitfrage: "Welche Faktoren führten zum Schisma zwischen Ost und West?"
Schüleraktivität:
Bildet zwei Gruppen: Ostkirche und Westkirche. Diskutiert aus der jeweiligen Perspektive, warum eure Position „die richtige“ ist.
Ergebnispräsentation in der Klasse.
Moderation: Lehrer erklärt die theologischen und politischen Unterschiede (z. B. Monophysitismus vs. Chalcedonisches Glaubensbekenntnis).
Rollenkarten: Diskussion zwischen Ostkirche und Westkirche
Gruppe 1: Ostkirche
Rolle: Verteidiger der Ostkirche und ihrer Traditionen.
Position:
Wir betonen die Einheit der göttlichen und menschlichen Natur Christi (Monophysitismus oder Miaphysitismus). Diese Lehre steht in unserer Tradition und spiegelt den wahren Glauben wider.
Die Entscheidungen des Konzils von Chalcedon sind für uns nicht bindend, da sie unsere theologischen Überzeugungen ignorieren und spalten.
Unsere Liturgie und Sprache sind an unsere Kultur angepasst und für uns heilig. Warum sollte Rom uns vorschreiben, was richtig ist?
Argumente:
„Unsere Theologie ist tief in den östlichen Traditionen verankert.“
„Rom versteht unsere kulturellen und religiösen Eigenheiten nicht.“
„Wir streben Einheit an, aber nicht auf Kosten unserer Überzeugungen.“
Ziel:
Wir wollen, dass unsere Lehre respektiert wird und wir nicht zu Kompromissen gezwungen werden, die unsere Identität zerstören.
Gruppe 2: Westkirche
Rolle: Verteidiger der Westkirche und der päpstlichen Autorität.
Position:
Das Konzil von Chalcedon hat die wahre Lehre Christi definiert: Christus ist wahrer Gott und wahrer Mensch, ohne Vermischung seiner Naturen. Diese Lehre muss von allen anerkannt werden.
Der Papst in Rom ist der Nachfolger Petri und die höchste Autorität der Kirche. Er hat die Aufgabe, die Einheit der Kirche zu bewahren.
Die Ostkirche gefährdet durch ihre Abweichung die universelle Einheit der Christenheit.
Argumente:
„Die Beschlüsse des Konzils sind vom Heiligen Geist geleitet und verbindlich für alle Christen.“
„Der Papst hat die apostolische Vollmacht, die Kirche zu leiten.“
„Einheit bedeutet, dass wir denselben Glauben teilen – nicht nur lokal, sondern weltweit.“
Ziel:
Wir wollen die Ostkirche überzeugen, sich dem Beschluss des Konzils von Chalcedon zu unterwerfen und die Einheit mit Rom wiederherzustellen.
III. Praktische Anwendung (20 Minuten)
Rollenspiel:
Schüler übernehmen Rollen historischer Figuren (z. B. Kaiser Justinian, Papst Hormisdas, Patriarch von Konstantinopel).
Aufgabe: Gestaltet ein historisches Friedensgespräch. Diskutiert, wie Einheit erreicht werden könnte.
Ergebnis: Jeder Teilnehmer notiert die wichtigsten Argumente seiner Figur.
Beschreibung eines historischen Friedensgesprächs
Teilnehmer:
Kaiser Justinian (Ostrom): Fokus auf politische Stabilität und religiöse Einheit im Reich.
Papst Hormisdas (Rom): Vertreter der westlichen Kirche, der die Einheit auf Grundlage des Konzils von Chalcedon anstrebt.
Patriarch von Konstantinopel: Stimme der östlichen Kirche, die kulturelle und theologische Eigenheiten bewahren möchte.
Gesprächsverlauf:
Kaiser Justinian:
Eröffnungsrede:
"Meine Herren, als Kaiser sehe ich die Spannungen zwischen unseren Kirchen nicht nur als theologisches Problem, sondern als Bedrohung für die Stabilität meines Reiches. Wir müssen Einheit erreichen, um Frieden zu sichern. Ich schlage vor, dass wir uns auf die Grundwerte unseres Glaubens konzentrieren."
Argumente:
Politische Einheit ist für die Sicherheit des Reiches unabdingbar.
Kompromisse sind nötig, damit sich beide Seiten respektiert fühlen.
Papst Hormisdas:
Reaktion:
"Eure kaiserliche Majestät, ich stimme zu, dass Einheit wichtig ist. Doch Einheit kann nur erreicht werden, wenn die göttliche Wahrheit, wie sie im Konzil von Chalcedon definiert wurde, respektiert wird."
Argumente:
"Die Lehre des Konzils von Chalcedon ist verbindlich: Christus hat zwei Naturen, göttlich und menschlich, unvermischt und ungeteilt."
"Die Autorität des apostolischen Stuhls in Rom muss anerkannt werden. Ohne dies gibt es keine echte Einheit."
Patriarch von Konstantinopel:
Einwand:
"Mit allem Respekt, Eure Heiligkeit, das Konzil von Chalcedon widerspricht den Traditionen vieler Gläubiger im Osten. Die Monophysiten fühlen sich ausgeschlossen und unterdrückt."
Argumente:
"Wir akzeptieren die Einheit, aber sie darf nicht auf Kosten unserer kulturellen und theologischen Eigenheiten gehen."
"Warum sollte die Einheit der Kirche nur auf römischen Standards beruhen? Unsere Tradition ist ebenso alt und heilig."
Kaiser Justinian:
Kompromissvorschlag:
"Was, wenn wir eine gemeinsame Formel entwickeln, die die göttliche und menschliche Natur Christi anerkennt, ohne dabei die östlichen Traditionen zu untergraben? Wir könnten eine Einheit auf der Basis gegenseitigen Respekts schaffen."
Zusatz:
"Ich bin bereit, politische Mittel einzusetzen, um diese Formel zu unterstützen."
Papst Hormisdas:
Antwort:
"Ein Kompromiss ist möglich, solange die Einheit im Glauben gewahrt bleibt. Die Autorität des Papstes darf jedoch nicht infrage gestellt werden."
Patriarch von Konstantinopel:
Schlussbemerkung:
"Wenn meine Gläubigen sich in ihren Traditionen respektiert fühlen, bin ich bereit, die Diskussion über eine gemeinsame Formel voranzutreiben."
Ergebnisse:
Argumente der Figuren:
Kaiser Justinian: Fokus auf Stabilität und politische Einheit; Bereitschaft, Kompromisse zu fördern.
Papst Hormisdas: Bestehen auf der chalcedonischen Lehre und der Autorität des Papstes.
Patriarch von Konstantinopel: Wunsch nach Respekt für östliche Traditionen und Ablehnung westlicher Dominanz.
Möglicher Kompromiss:
Eine gemeinsame Glaubensformel, die die theologischen Unterschiede überbrückt, unter Beibehaltung der Autorität des Papstes und der kulturellen Eigenheiten der Ostkirche.
IV. Präsentation der praktischen Anwendung (10 Minuten)
Jede Gruppe stellt ihr Gesprächsergebnis vor.
Fokus auf: "Welche Kompromisse waren möglich, welche nicht? Warum?"
V. Reflexion und Zusammenfassung (10 Minuten)
Reflexionsfragen:
Was haben wir heute über die Einheit und Spaltung der Kirche gelernt?
Gibt es Parallelen zu aktuellen Konflikten in der Weltkirche?
Zusammenfassung: Lehrer gibt einen Überblick über die historischen Ereignisse und ihre Relevanz für die heutige Kirche.
VI. Hausaufgabe (5 Minuten)
Aufgabe: Schreibe einen Brief aus der Perspektive von Papst Hormisdas an Kaiser Justinian. Beschreibe, warum Einheit für die Christenheit wichtig ist. Nutze mindestens ein Bibelzitat aus der Reflexion.
VII. Abschließende Worte (5 Minuten)
Impuls: "Wie kann Einheit in Vielfalt gelingen?"
Motivation: "Denkt daran, dass auch heute jede Stimme zählt, um Frieden und Einheit zu schaffen – sei es in der Kirche oder im Alltag."
VIII. Zusätzliche kreative Ideen
Kartenübung: Markiert auf einer Weltkarte, wo sich Ost- und Westkirche damals befanden. Überlegt, wie geografische Entfernungen zur Spaltung beitrugen.
Kunstaufgabe: Malt Symbole, die für euch Einheit zwischen Ost und West symbolisieren (z. B. Kreuz, Hagia Sophia, Papstkrone).
IX. Bibelzitate
Johannes 17:21: „Damit sie alle eins seien, wie du, Vater, in mir und ich in dir.“
1. Korinther 1:10: „Ich ermahne euch, Brüder und Schwestern, dass ihr alle einmütig seid und keine Spaltungen unter euch zulasset.“
Matthäus 16:18: „Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen.“
Fragen und Antworten:
Frage: Welche Bedeutung hatte Kaiser Justinian für das Byzantinische Reich?
Zeitstempel: 00:32
Antwort: Kaiser Justinian gilt als einer der bedeutendsten Herrscher der Spätantike. Unter ihm erreichte das Byzantinische Reich seine größte Ausdehnung, und er ließ die Hagia Sophia erbauen.
Frage: Was führte zum Schisma zwischen der Ost- und der Westkirche im Jahr 518?
Zeitstempel: 01:25
Antwort: Das Schisma entstand durch Streitigkeiten über die Natur Christi, insbesondere durch die Ablehnung des Monophysitismus und die Beschlüsse des Konzils von Chalcedon.
Frage: Wie reagierte Papst Hormisdas auf das Schisma und die Herausforderungen der Einheit?
Zeitstempel: 03:09
Antwort: Papst Hormisdas sandte Legaten mit einer Einheitsformel, um die kirchliche Einheit wiederherzustellen. Diese Formel betonte die Treue zur katholischen Lehre und die Autorität des Apostolischen Stuhls.
Frage: Welche Bedeutung hatte die Formel von Hormisdas für die Kirche?
Zeitstempel: 05:25
Antwort: Die Formel war ein wichtiger Schritt zur Wiederherstellung der Einheit zwischen Ost und West. Sie wurde feierlich unterzeichnet, hatte jedoch auch Widerstand in Teilen des Ostens zur Folge.
Frage: Wie beeinflusste Kaiser Justinian das römische Recht und die Kirche?
Zeitstempel: 07:12
Antwort: Justinian kodifizierte das römische Recht, das bis heute eine Grundlage für europäisches Recht darstellt. Seine Politik beeinflusste auch die kirchliche Organisation und den Glauben.
Was war die Hauptleistung von Kaiser Justinian im byzantinischen Reich?
a) Er war der erste christliche Kaiser.
b) Er dehnte das Reich auf seine größte Fläche aus.
c) Er führte die Trennung zwischen Ost- und Westkirche ein.
d) Er wurde in Rom zum Kaiser gekrönt.
Was war der Hauptgrund für das Schisma zwischen Ost- und Westkirche im Jahr 518?
a) Unterschiedliche Meinungen über die Rolle des Papstes.
b) Streit um die Natur Christi und die Beschlüsse des Konzils von Chalcedon.
c) Politische Spannungen zwischen Rom und Konstantinopel.
d) Die Einführung neuer liturgischer Traditionen im Westen.
Welches Ereignis wird mit der „Formel von Hormisdas“ in Verbindung gebracht?
a) Der Bau der Hagia Sophia.
b) Die Wiederherstellung der kirchlichen Einheit.
c) Der Tod von Kaiser Anastasios.
d) Die Einführung eines neuen Glaubensbekenntnisses.
Wie reagierte Kaiser Anastasios auf die Forderungen des Papstes?
a) Er exkommunizierte den Papst.
b) Er ignorierte die Forderungen vollständig.
c) Er schrieb einen demütigen Brief an den Papst und bot Verhandlungen an.
d) Er setzte Reformen in Konstantinopel um, um den Papst zu beschwichtigen.
Welche langfristige Auswirkung hatte der Konflikt zwischen Ost und West?
a) Dauerhafte Vereinigung der Kirche.
b) Verschärfte Spaltung und ein tieferer Graben zwischen beiden Kirchen.
c) Abschaffung des Patriarchats von Konstantinopel.
d) Einführung eines neuen Glaubensbekenntnisses im Westen.
Antworten:
b) Er dehnte das Reich auf seine größte Fläche aus.
b) Streit um die Natur Christi und die Beschlüsse des Konzils von Chalcedon.
b) Die Wiederherstellung der kirchlichen Einheit.
c) Er schrieb einen demütigen Brief an den Papst und bot Verhandlungen an.
b) Verschärfte Spaltung und ein tieferer Graben zwischen beiden Kirchen.