Der Artikel analysiert das Sakrament der Firmung aus theologischer und praktisch-katechetischer Perspektive. Die zentrale Problematik besteht darin, dass die Firmung, obwohl sie theologisch als Vollendung der Taufe verstanden wird, von vielen Jugendlichen und Katecheten als bedeutungslos erlebt wird und vielmehr zu einem Abschiedsritual geworden ist. Im Neuen Testament ist Initiation mit Umkehr und Wiedergeburt durch den Heiligen Geist verbunden und wird in den Kirchen ursprünglich als ganzheitlicher Ritus (Taufe, Firmung, Eucharistie) verstanden. In der frühen Kirche vollzieht sich die Initiation von Erwachsenen nach dem Katechumenat in einer Feier, während unterschiedliche Traditionen – die westliche mit Handauflegung durch den Bischof und die östliche mit Myronsalbung – das primäre Symbol der Geistverleihung unterschiedlich gewichten. Die Westkirche erfährt durch die Ausbreitung der Kindertaufe ab dem 4. Jahrhundert eine graduelle Trennung der Initiationssakramente, die sich im Mittelalter durch scholastische Debatten weiter verfestigt und durch Trient und die Kommuniondekrete unter Pius X. endgültig festgelegt wird. Die Ostkirche hingegen bewahrt bis heute den ganzheitlichen Initiationsritus bei Säuglingstaufe, wobei der Presbyter die Myronsalbung und der Bischof die Myronweihe vornimmt. Die reformatorische Tradition lehnt die Firmung als Sakrament ab und entwickelt stattdessen die Konfirmation als katechetisches Zubereitungsritual zur Abendmahlszulassung. Durch die Liturgische Bewegung und das Zweite Vatikanische Konzil wird die Idee der ganzheitlichen Initiation neu betont, wodurch aktuelle katechetische Konzepte versuchen, den Zusammenhang von Taufe, Firmung und Eucharistie wieder stärker zu vermitteln.