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Diakonie

Diakonie

Diakonie sein

Veröffentlichung:1.1.2011

Die Unterrichtssequenz "Diakonie sein" reflektiert auf zehn Seiten mit vier Materialien die Bedeutung der Diakonie als Zeichen der Nächstenliebe im Christentum.

Das Medium „Diakonie sein“ ist ein Unterrichtsmaterial für die Primarstufe und führt Lernende altersgerecht an die Bedeutung von Diakonie, Nächstenliebe, Hilfe und sozialer Verantwortung heran. Diakonie wird als soziale Arbeit der Evangelischen Kirche vorgestellt, die Menschen in unterschiedlichen Lebenslagen unterstützt und sich dabei am christlichen Gebot der Nächstenliebe sowie an der Würde jedes Menschen orientiert. Das Material verbindet biblisches Lernen mit lebensweltlichen und handlungsorientierten Zugängen. Es umfasst vier zentrale Bausteine: die biblischen Wurzeln diakonischen Handelns anhand von Matthäus 25, die Geschichte „Lauf kleiner Spatz“ über Hilfebedürftigkeit, Freundschaft und ein Leben mit Einschränkungen, die Begegnung mit Menschen im Rahmen eines diakonischen Projekts sowie die Auseinandersetzung mit dem Kronenkreuz als Zeichen der Diakonie. Ziel ist es, Lernende für die Bedürfnisse anderer Menschen zu sensibilisieren und Fähigkeiten wie Helfen, Trösten und Freude schenken zu fördern. Zugleich sollen sie erkennen, dass jeder Mensch im Laufe seines Lebens Hilfe benötigen kann und dass ein erfülltes und sinnvolles Leben auch unter schwierigen Bedingungen möglich ist.

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Das Medium eignet sich besonders für einen Religionsunterricht, der christliche Nächstenliebe nicht ausschließlich als theologischen Begriff behandelt, sondern mit konkreten Erfahrungen und Handlungsmöglichkeiten der Lernenden verbindet. Als Einstieg bietet es sich an, zunächst über das Thema Hilfe nachzudenken. Fragen wie „Wann brauche ich Hilfe?“, „Wem habe ich schon einmal geholfen?“, „Wie fühlt es sich an, Hilfe zu bekommen?“ oder „Kann jeder Mensch anderen helfen?“ eröffnen einen unmittelbaren Lebensweltbezug. Die Antworten können in einem Gesprächskreis gesammelt oder auf Karten festgehalten werden. Dabei sollte deutlich werden, dass Hilfebedürftigkeit keine Eigenschaft bestimmter Gruppen ist, sondern grundsätzlich zum menschlichen Leben gehört. Diese Perspektive entspricht dem Ziel des Mediums, Lernenden zu vermitteln, dass jeder Mensch Hilfe benötigen und zugleich Hilfe geben kann.

Anschließend kann der Begriff Diakonie eingeführt werden. Die Lernenden können zunächst Vermutungen äußern und Beispiele sozialer Einrichtungen aus ihrem Umfeld sammeln. Danach wird erarbeitet, dass Diakonie die soziale Arbeit der Evangelischen Kirche bezeichnet und beispielsweise in Einrichtungen für ältere Menschen, Krankenhäusern, Beratungsstellen, Kindertageseinrichtungen und Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen tätig ist. Das Material verbindet dieses Engagement ausdrücklich mit der Achtung und Wertschätzung jedes Menschen unabhängig von Alter, Gesundheit, Geschlecht oder Herkunft. Für den Religionsunterricht ist dieser Gedanke besonders bedeutsam, weil dadurch die Verbindung von Menschenwürde, christlichem Menschenbild und praktischem Handeln sichtbar wird.

Mit dem Material M1 können anschließend die biblischen Wurzeln der Diakonie erschlossen werden. Grundlage sind Aussagen aus Matthäus 25 zu Hunger, Durst, Fremdsein, fehlender Kleidung, Krankheit und Gefangenschaft. Auf Seite 4 werden diese Situationen mit kleinen Zeichnungen verbunden, die von den Lernenden den jeweiligen Aussagen zugeordnet werden. Die visuelle Gestaltung ermöglicht einen niedrigschwelligen Zugang zum Bibeltext. Nach der Zuordnung sollte jedoch eine vertiefende Auseinandersetzung erfolgen. Die Lernenden können überlegen, welche Formen von Not sie aus ihrer eigenen Lebenswelt kennen und wie Hilfe heute aussehen kann. Dabei können die biblischen Aussagen in heutige Situationen übertragen werden. Aus „Ich bin hungrig gewesen“ kann beispielsweise die Frage entstehen, was Menschen tun können, wenn andere nicht genug zu essen haben. Aus „Ich bin fremd gewesen“ kann ein Gespräch darüber entstehen, wie neue Menschen in einer Gemeinschaft aufgenommen werden können.

Methodisch bietet sich auch ein Zuordnungsspiel an. Auf einer Seite stehen Situationen von Menschen, die Unterstützung benötigen, auf der anderen mögliche Formen der Hilfe. Die Lernenden finden passende Verbindungen und begründen ihre Entscheidungen. Wichtig ist dabei, Hilfe nicht als einseitiges Verhältnis zwischen starken Helfenden und schwachen Empfangenden darzustellen. Menschen können in einer Situation Unterstützung benötigen und in einer anderen selbst etwas für andere tun. Diese wechselseitige Perspektive schützt vor einer problematischen Einteilung in Hilfebedürftige und Helfende und unterstützt ein Verständnis von Gemeinschaft, in der Menschen füreinander Verantwortung übernehmen.

Einen emotionalen und narrativen Zugang eröffnet das Material M2 mit der Geschichte „Lauf kleiner Spatz“. Ein Spatz wird durch einen Unfall verletzt und kann anschließend nicht mehr fliegen. Zunächst reagiert er verzweifelt, erfährt jedoch Unterstützung durch seine Freunde Maus und Rabe und entdeckt neue Lebensmöglichkeiten. Die Geschichte kann abschnittsweise vorgelesen werden. An ausgewählten Stellen können die Lernenden Vermutungen darüber formulieren, wie es weitergeht, Gedanken des Spatzes aufschreiben oder die Gefühle der beteiligten Figuren benennen. Das Material selbst schlägt vor, darüber nachzudenken, wie sich Spatz, Maus und Rabe fühlen, und die Geschichte anschließend als Rollenspiel umzusetzen.

Für das Rollenspiel können verschiedene Gruppen einzelne Szenen übernehmen. Anschließend wird gemeinsam reflektiert, welche Art der Unterstützung hilfreich war. Dabei kann zwischen praktischer Hilfe, Trost, Ermutigung, Zuhören, Gemeinschaft und dem Zutrauen eigener Fähigkeiten unterschieden werden. Die Lernenden können auch alternative Reaktionen der Freunde entwickeln und beurteilen, welche davon dem Spatz tatsächlich helfen würden. Bei der Behandlung von Behinderung sollte darauf geachtet werden, Menschen nicht auf Einschränkungen oder Hilfebedürftigkeit zu reduzieren. Das zentrale Lernziel sollte vielmehr darin bestehen, Verschiedenheit wahrzunehmen, Fähigkeiten zu entdecken und zu erkennen, dass jeder Mensch Unterstützung geben und erhalten kann.

Besonders wertvoll ist der dritte Baustein, da er den Religionsunterricht aus dem Klassenraum in eine konkrete Begegnung führt. Das Material sieht den Besuch einer diakonischen Einrichtung oder die Einladung eines Menschen und einer betreuenden Person in die Schule vor. Zur Vorbereitung entwickeln die Lernenden Interviewfragen. Auf Seite 6 wird dafür eine kreative Methode vorgeschlagen: Die Lernenden zeichnen ihre eigene Hand, schreiben persönliche Antworten hinein und können diese ihrem Gegenüber schenken. Anschließend zeichnen sie die Hand der interviewten Person und halten darin deren Antworten fest. Die Hand erhält dadurch eine symbolische Bedeutung, denn sie kann für Begegnung, Unterstützung, Geben, Empfangen und gemeinsames Handeln stehen.

Ein solcher Besuch sollte sorgfältig vorbereitet werden. Gemeinsam können Gesprächsregeln formuliert und respektvolle Fragen gesammelt werden. Sinnvoll sind Fragen nach dem Alltag, nach Tätigkeiten, Fähigkeiten, schönen Erfahrungen, Herausforderungen und Formen gegenseitiger Unterstützung. Weniger geeignet sind Fragen, die Menschen auf Krankheit, Alter oder Behinderung reduzieren. Nach der Begegnung sollte ausreichend Zeit für eine Auswertung eingeplant werden. Die Lernenden können beschreiben, was sie überrascht hat, welche Vorstellungen sich verändert haben und was sie über diakonisches Handeln erfahren haben. Fotos, Zeichnungen, kurze Texte oder die gestalteten Hände können zu einer gemeinsamen Dokumentation zusammengestellt werden.

Mit dem Kronenkreuz wird anschließend die symbolische Ebene erschlossen. Das Material erklärt das Zeichen aus Kreuz und Krone. Das Kreuz wird mit Not und Tod verbunden, die Krone mit der Hoffnung auf Jesus Christus. Zusammengenommen bringt das Kronenkreuz die Hoffnung zum Ausdruck, dass Not und Tod überwunden werden. Die Lernenden können zunächst nur das Symbol betrachten und eigene Vermutungen zu seiner Bedeutung formulieren. Danach werden Kreuz und Krone einzeln untersucht und schließlich auf die Arbeit der Diakonie bezogen. Auf dem Arbeitsblatt M4 können die Lernenden das Kronenkreuz gestalten und Erfahrungen aus dem durchgeführten Projekt festhalten. Dadurch wird das Symbol nicht nur erklärt, sondern mit eigenen Erfahrungen verbunden.

Als Abschluss der Unterrichtsreihe bietet sich eine Reflexion über die Frage „Was bedeutet Diakonie sein?“ an. Die Lernenden können zunächst individuell einen Satz formulieren und ihre Antworten anschließend zu einem gemeinsamen Plakat zusammenfügen. Denkbar sind Aussagen über Helfen, Trösten, Teilen, Zuhören, Mut machen, Gemeinschaft, Freundschaft, Verantwortung und Nächstenliebe. Die zu Beginn gesammelten Vorstellungen können erneut betrachtet und mit den neuen Erkenntnissen verglichen werden. Auf diese Weise verbindet das Medium biblisches Lernen, ethisches Lernen, soziales Lernen und konkrete Begegnungen. Es ermöglicht Lernenden, Diakonie nicht lediglich als kirchliche Institution kennenzulernen, sondern als Ausdruck christlicher Nächstenliebe und als Einladung, Verantwortung für andere Menschen im eigenen Alltag zu übernehmen.


In einem ersten Schritt wird über das Gleichnis zum Weltgericht die biblische Grundlage der Diakonie elementarisiert erfasst. Dazu werden die sechs Zitate mit Hilfen Bildern zugeordnet. Das Lösungswort aus den Buchstaben an diesen Bildern ergibt das Wort Diakonie. In einem weiteren Schritt werden Einschränkungen und Behinderungen als Herausforderung, nicht als Zerstörung des Lebens aufgefasst. Dies gelingt über eine Fabel, die in Kleingruppen erarbeitet wird und ein Unterrichtsgespräch dazu. Ein dritter Schritt bietet einen Interviewleitfaden an. Eine Einrichtung der Diakonie in der Umgebung soll aufgesucht oder eine Person daraus eingeladen und interviewt werden. Dazu werden die Hände der Interviewer und des Interviewten nachgemalt und Fragen und Antworten hineingeschrieben. Abschließend wird das Kronenkreuz als Symbol der Wichtigkeit der Hilfe gezeichnet.

Material:

M1 Biblische Wurzeln

M2 „Lauf kleiner Spatz“ – Jeder braucht im Leben Hilfe

M3 Diakonisches Projekt

M4 Das Kronenkreuz als Zeichen der Diakonie


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