Das Medium eignet sich besonders für eine Unterrichtsreihe zum Thema Wunder in der Grundschule. Ausgangspunkt sollte zunächst das Vorverständnis der Lernenden sein. In einem offenen Unterrichtsgespräch können sie erzählen, was sie unter einem Wunder verstehen und wann sie selbst das Wort Wunder verwenden. Denkbar sind Fragen wie: Was ist für dich ein Wunder? Kann etwas wunderschön sein, ohne unerklärlich zu sein? Können Menschen Wunder bewirken? Kann Gott Wunder tun? Gibt es heute noch Wunder? Die Antworten können gesammelt und im Verlauf der Unterrichtsreihe erneut aufgegriffen werden. Dadurch werden Veränderungen und Differenzierungen im Wunderverständnis sichtbar. Entscheidend ist dabei die im Medium hervorgehobene Unterscheidung zwischen einem religiösen Wunderverständnis und Zauberei oder spektakulären Illusionen. Biblische Wunder sollen als Zeichen verstanden werden, die über das einzelne außergewöhnliche Geschehen hinaus auf die größere Wirklichkeit Gottes und sein heilvolles Handeln verweisen.
Für die erste Phase bietet sich die Begegnung mit biblischen Heilungserzählungen an. Das Medium schlägt zunächst die Heilung des Gelähmten nach Markus 2 und anschließend die Heilung des Bartimäus nach Markus 10 vor. Die Geschichten sollten möglichst anschaulich erzählt oder vorgelesen werden. Nach einer ersten Begegnung können die Lernenden Bilder zu einzelnen Szenen gestalten und dadurch ausdrücken, welche Aspekte der Erzählung ihnen besonders wichtig erscheinen. Anschließend können die Bilder präsentiert und miteinander verglichen werden. Dabei sollte die Aufmerksamkeit nicht ausschließlich auf die körperliche Heilung gerichtet werden. Ebenso bedeutsam ist die Frage, was sich für den geheilten Menschen in seinem Verhältnis zu anderen Menschen, zu sich selbst, zu Jesus und zu Gott verändert.
Für die Bartimäuserzählung schlägt das Medium eine Wahrnehmungsübung vor, bei der Lernende mit verbundenen Augen eine Situation eingeschränkten Sehens erfahren. Eine solche Methode sollte heute besonders sensibel gestaltet werden. Behinderung sollte nicht auf eine kurze Simulation reduziert oder als ausschließlich defizitäre Erfahrung vermittelt werden. Sinnvoller kann es sein, die Wahrnehmungsübung allgemein auf Orientierung, Vertrauen und die Bedeutung unterschiedlicher Sinne auszurichten. Anschließend können die Lernenden überlegen, welche Barrieren Bartimäus in der biblischen Geschichte erlebt und wie andere Menschen mit ihm umgehen. Dadurch wird neben der Wunderfrage auch die soziale Dimension der Erzählung erschlossen.
Besonders geeignet ist die im Medium enthaltene Bildfolge von Kees de Kort auf Seite 28. Sie zeigt mehrere zentrale Momente der Bartimäuserzählung und ermöglicht es, die Geschichte schrittweise zu rekonstruieren. Auch das großformatige Bild „Jesu Worte und Taten“ von Bodo Müller auf derselben Seite bietet zahlreiche Szenen aus dem Wirken Jesu. Die Bilder können zunächst ohne erklärenden Text betrachtet werden. Lernende beschreiben Personen, Körperhaltungen, Blickrichtungen und Handlungen und formulieren Vermutungen. Denkblasen und Sprechblasen können ergänzt werden. Das Medium schlägt außerdem einen Vergleich zwischen der Situation vor und nach der Heilung sowie ein Rollenspiel zur Bartimäuserzählung vor. So können die Lernenden herausarbeiten, dass Heilung mehr umfassen kann als eine körperliche Veränderung und auch Gemeinschaft, Anerkennung, Hoffnung und einen neuen Lebensweg einschließen kann.
In einem zweiten Schritt erweitert das Medium die Fragestellung auf mögliche Wunder in der Gegenwart und greift dafür Lourdes auf. Die Lernenden erhalten Informationen über die Marienerscheinungen und die Bedeutung des Ortes für Menschen, die dort beten und um Heilung bitten. Anschließend wird die Heilung von Jean Pierre Bély vorgestellt, die im Material als kirchlich anerkanntes Wunder beschrieben wird. Diese Materialien eignen sich für ein Gespräch darüber, was Menschen als Wunder deuten und welche Rolle Glaube, Gebet und persönliche Erfahrung dabei spielen. Dabei sollte zwischen der religiösen Deutung eines Ereignisses und naturwissenschaftlichen Erklärungsmöglichkeiten unterschieden werden. Lernende können beispielsweise unterschiedliche Perspektiven formulieren und diskutieren, warum ein Mensch ein Ereignis als Wunder Gottes versteht, während ein anderer Mensch zurückhaltender urteilt.
Ein Vergleich der biblischen Heilungsgeschichten mit der im Medium dargestellten Heilung in Lourdes kann die religiöse Urteilsbildung fördern. Die Lernenden können Gemeinsamkeiten und Unterschiede sammeln und fragen, welche Bedeutung Heilung jeweils besitzt. Das Medium regt dazu an, Bilder zur Heilung von Jean Pierre Bély zu gestalten und diese mit den zuvor entstandenen Bildern zu den Heilungen Jesu zu vergleichen. Methodisch kann daraus eine Bildergalerie entstehen. Unter jedes Bild schreiben die Lernenden einen Satz dazu, worin für sie das Wunder besteht. Anschließend können die unterschiedlichen Aussagen geordnet und diskutiert werden.
Der dritte Teil der Unterrichtsreihe ist für eine notwendige Differenzierung des Gottesbildes besonders wichtig. Unter der Überschrift „Dein Wille geschehe“ thematisiert das Medium, dass Gott nicht als Marionettenkönig oder Wunscherfüller verstanden werden soll. Lernende sollen erkennen, dass Menschen Gott um etwas bitten können, die Erfüllung einer Bitte jedoch nicht einfach verfügbar ist. Hier bietet sich zunächst eine Auseinandersetzung mit dem Vaterunser und insbesondere mit der Aussage „Dein Wille geschehe“ an. Die Lernenden können überlegen, was dieser Satz bedeuten könnte und welche Fragen er auslöst.
Die Erzählung „Kein Marionettenkönig“ vertieft diese Fragestellung anhand einer Alltagssituation. Nach einem Verkehrsunfall entsteht ein Gespräch darüber, ob bestimmte Ereignisse Gottes Wille sind und ob Gott Menschen wie Marionetten lenkt. Die Erzählung weist eine solche Vorstellung zurück und verbindet Gottes Willen mit der menschlichen Möglichkeit, anderen zu helfen. Methodisch kann die Geschichte abschnittsweise gelesen werden. An entscheidenden Stellen halten die Lernenden inne und formulieren eigene Vermutungen. Anschließend können Aussagen wie „Gott bestimmt alles“, „Menschen entscheiden selbst“, „Gott hilft durch Menschen“ oder „Wir können Gottes Willen nicht immer erkennen“ im Raum ausgelegt und diskutiert werden. Die Lernenden positionieren sich und begründen ihre Entscheidung. Dabei sollte ausdrücklich zugelassen werden, dass Fragen offenbleiben und sich religiöse Überzeugungen unterscheiden können.
Als Abschluss eignet sich die im Medium vorgeschlagene Arbeit mit Fürbitten. Die Lernenden ergänzen Satzanfänge wie „Gott, ich bitte Dich, dass …“ und bringen ihre Bitten zu einem gestalteten Mittelpunkt mit Kreuz und Kerze. Dabei sollte das Gebet nicht als Methode zur sicheren Erfüllung von Wünschen vermittelt werden. Vielmehr kann gemeinsam reflektiert werden, dass Menschen im Gebet Hoffnungen, Ängste, Wünsche, Dank und Vertrauen vor Gott bringen können. Abschließend können die zu Beginn gesammelten Vorstellungen von Wundern erneut betrachtet werden. Die Lernenden formulieren beispielsweise „Ein Wunder ist für mich …“, „An den Wundergeschichten Jesu ist mir wichtig …“ oder „Eine Frage zu Wundern ist für mich noch …“. So verbindet das Medium biblisches Lernen mit theologischer Reflexion, Bildarbeit, kreativem Gestalten, Gespräch, Perspektivwechsel und religiöser Urteilsbildung.
Dies gelingt durch Bilder und Texte zu folgenden Heilungswundern. Die Heilung des Gelähmten Mk 2,1-12 und die Heilung des Bartimäus Mk 10,46-52 sowie der dazu gestalteten Materialien M1 und M2. Ein Wunderbericht aus Lourdes in M3 und M4 zeigt Wunder der Zeitgeschichte. Eine Geschichte zu einem Autounfall verdeutlicht die nicht Vorhersehbarkeit von Gottes Willen und Handeln. Eigene Bitten können in M6 entwickelt werden.
Zur Visualisierung der Wundergeschichten der Bibel werden eine Reihe von Möglichkeiten angeboten wie Bilderstellung, Rollenspiel, auch Detailerschließungen von Bildern durch abdecken können genutzt werden. Ziel ist jeweils den Zusammenhang herzustellen, dass Gottes Heilswirken keine sofortige Wunscherfüllung anbietet. Abschließend kann eine eigene Bitte an Gott formuliert werden. Diese werden dann in einem Bettgebet gemeinsam vorgetragen. Die Bitten könnten auch Teil eines Schulgottesdienstes werden.