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Katholische Akademie Bayern

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Die Religion und ihre Bilder

Veröffentlichung:1.1.2025

Der Fachartikel umfasst sechs Seiten und reicht von Seite 24 bis Seite 29. Der Beitrag untersucht das Verhältnis von Mythos, Religion und Wahrheit mit einem besonderen Blick auf das Christentum. Dabei wird gezeigt, dass Religion nach Ernst Cassirer mythische Bilder nicht abschafft, sondern bewusst als Zeichen verwendet, die auf einen Sinn verweisen, ohne ihn vollständig zu erfassen.

Der Fachartikel behandelt insbesondere folgende theologischen Probleme: das Verhältnis von Mythos und Religion, die Frage nach der Wahrheit religiöser Aussagen, die Begrenztheit menschlicher Rede von Gott, den Umgang mit Bildern in der Religion, die Verbindlichkeit und Auslegung der Bibel, die Deutung der Schöpfungsberichte, das Verständnis von Eucharistie und Abendmahl sowie die Frage nach der Auferweckung Jesu.

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Der Artikel knüpft an die vorangehenden Ausführungen über die Welt der biblischen Mythen an und fragt nun genauer nach dem Unterschied zwischen Mythos und Religion. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass biblische Texte eng mit den Mythen anderer Religionen verflochten sind und wie diese der Orientierung des Menschen in Raum, Zeit und Existenz dienen. In Auseinandersetzung mit Ernst Cassirer und Hans Jonas wird deutlich gemacht, dass Mythen als geschichtlich bedingte Antworten auf existenzielle Fragen verstanden werden müssen. Der Beitrag konzentriert sich deshalb auf die Frage, wie Religion mit diesen Bildern umgeht und wie sich in diesem Zusammenhang Wahrheit denken lässt.

Nach Cassirer besteht der entscheidende Unterschied zwischen Mythos und Religion in einem Schnitt, den die Religion vollzieht. Im mythischen Denken fallen Zeichen und bezeichnete Wirklichkeit zusammen. Im religiösen Denken bleiben Bilder, Riten und Erzählungen zwar erhalten, doch werden sie als Bilder erkannt. Sie sind nicht selbst die göttliche Wirklichkeit, sondern verweisen auf sie. Religion weiß also um den Zeichencharakter ihrer Ausdrucksformen. Darin liegt eine neue Freiheit, aber auch ein Verlust an unmittelbarer Gewissheit. Der Mensch kann sich mithilfe religiöser Bilder orientieren, weiß jedoch zugleich, dass der Sinn, auf den sie hinweisen, durch kein Bild und keine Aussage vollständig ausgeschöpft werden kann.

Von hier aus beschreibt der Artikel die Begrenztheit aller Rede von Gott. In Bibel und theologischer Tradition finden sich zahlreiche Hinweise darauf, dass Gott menschlichem Denken unverfügbar bleibt. Das Bilderverbot des Dekalogs, die Aussage, dass kein Mensch Gott sehen könne, sowie neutestamentliche Aussagen über die Unfassbarkeit Gottes zeigen diese Grenze deutlich. Auch der kirchengeschichtliche Bilderstreit wird in diesem Licht gedeutet. Die Kirche hat sich mehrheitlich nicht gegen Bilder entschieden, sondern für einen bewussten Umgang mit ihnen. Bilder dürfen verehrt, aber nicht angebetet werden. Sie sind Zeichen, die auf Gott verweisen, ohne mit ihm identisch zu sein. Auch negative Theologie, Analogielehre und mystische Traditionen gehören für den Autor in diesen Zusammenhang. Sie alle machen deutlich, dass religiöse Sprache notwendig, aber immer unzureichend ist.

Im nächsten Teil wendet sich der Artikel der Wahrheit religiöser Aussagen zu. Wahrheit erscheint hier nicht als direkt verfügbare Gewissheit, sondern als Zielpunkt des Sinns, auf den religiöse Zeichen verweisen. Der Glaube nähert sich der Wahrheit nur auf dem Weg vielfältiger Bedeutungen. Deshalb wird die Pluralität religiöser Deutungen nicht als bloße Beliebigkeit verstanden, sondern als notwendige Folge menschlicher Begrenztheit.

Diese Überlegung wird zunächst auf die Verbindlichkeit der Bibel angewendet. Die Bibel ist für Judentum und Christentum Heilige Schrift und höchste Norm des Glaubens. Dennoch bleibt sie nur lebendig, wenn sie gelesen und ausgelegt wird. Jede Lektüre ist aber Interpretation, weil jeder Mensch mit eigenem Erfahrungshorizont liest. Daraus folgt eine Vielfalt von Deutungen, die sich historisch in Gruppen, Konfessionen und theologischen Richtungen niedergeschlagen hat. Der Artikel betont, dass die Frage nicht lautet, ob es diese Vielfalt geben darf, sondern wie mit ihr umzugehen ist. Als positives Beispiel wird die talmudische Tradition genannt, in der unterschiedliche und sogar widersprüchliche Deutungen nebeneinanderstehen können. Auch im Christentum habe sich langsam die Einsicht durchgesetzt, dass Vielfalt im Bibelverständnis nicht zwangsläufig die Wahrheit zerstört, sondern vor einem Rückfall in mythisches Denken schützen kann, das nur die eigene Sicht für wahr hält.

Danach wird der Streit um die Schöpfungsberichte behandelt. Der Autor kritisiert sowohl naturwissenschaftlich argumentierende Religionskritik als auch fundamentalistische Verteidigungen der Bibel. Beide Seiten missverstehen die Schöpfungserzählungen, weil sie sie als naturwissenschaftliche Theorien lesen. Tatsächlich stellen Naturwissenschaft und Religion unterschiedliche Fragen und bewegen sich in verschiedenen Deutungshorizonten. Der Kreationismusstreit beruht daher auf einem gemeinsamen Irrtum. Der Artikel plädiert stattdessen für ein Verhältnis, in dem Naturwissenschaftlerinnen und gläubige Menschen die Grenzen ihrer jeweiligen Zugänge anerkennen und sich nicht gegenseitig in Konkurrenz setzen.

Ein weiteres Beispiel ist der Abendmahlsstreit zwischen katholischer und protestantischer Tradition. Lange Zeit wurde die katholische Lehre von der Transsubstantiation als Rückfall in mythologisches Denken kritisiert, während Katholiken den Protestanten mangelnden Glauben vorwarfen. Der Artikel erklärt jedoch, dass ein großer Teil des Streits auf einem Sprachwandel beruht. In der älteren Theologie meinte Substanz nicht Materie, sondern Wesen oder Bedeutung. Die Wandlung bezog sich also nicht auf eine physische Veränderung der Stoffe, sondern auf die neue Bedeutung von Brot und Wein als Zeichen der Gegenwart Christi. Erst später wurde Substanz zunehmend mit Materie gleichgesetzt, was zu Missverständnissen führte. Im Anschluss an Cassirer lässt sich sagen, dass Brot und Wein reale Gegenwart Christi bezeichnen, ohne dass das Zeichen mit dem Bezeichneten identisch würde. Dadurch konnten sich katholische und evangelisch lutherische Auffassungen in der Neuzeit deutlich annähern.

Schließlich befasst sich der Artikel mit der Auferweckung Jesu. Cassirer und Hans Jonas sehen hier eine besondere Schwierigkeit des Christentums, weil die neutestamentlichen Osterberichte stark mythisch geprägt sind. Der Artikel bestreitet, dass diese Texte als widerspruchsfreie historische Tatsachenberichte gelesen werden können. Ihre Spannungen und Unterschiede sprechen dagegen. Stattdessen deutet er sie als sprachliche Versuche, eine tiefgreifende Erfahrung auszudrücken. Nach dem Tod Jesu seien die Jüngerinnen und Jünger zunächst verzweifelt gewesen. Dann aber hätten sie eine neue Kraft, eine bleibende Nähe Jesu und seine Verbundenheit mit Gott erfahren. Um dieses Unerwartete auszudrücken, griffen sie auf die mythischen Bilder ihrer Zeit zurück. Diese Bilder waren nicht identisch mit dem Geschehen, sondern Hinweise auf eine Wirklichkeit, die sich anders kaum sagen ließ. Auch die späteren kirchlichen Bilderwelten dienen demselben Zweck, nämlich die bleibende Präsenz des Gekreuzigten und Auferweckten auszudrücken.

Am Ende fasst der Artikel zusammen, dass christlicher Glaube auf eine ungreifbare Wirklichkeit ausgerichtet ist. Er lebt nicht von vollständiger Sicherheit, sondern bewegt sich im Raum von Freiheit, Zweifel und Hoffnung. Gerade dadurch unterscheidet er sich vom mythischen Denken, das seine Wahrheit unmittelbar zu besitzen meint. Religion weiß um den Unterschied zwischen Zeichen und Wirklichkeit. Dennoch bleibt immer die Gefahr bestehen, in mythisches Denken zurückzufallen, wenn Menschen ihre Deutungen verabsolutieren. Die Aufgabe der Theologie besteht deshalb darin, von Gott zu reden und zugleich die eigene Begrenztheit nicht zu vergessen.

Hessen

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