Die Lernenden analysieren neutestamentliche Wundererzählungen, vergleichen unterschiedliche Auslegungen und setzen sich mit theologischen, historischen und naturwissenschaftlichen Perspektiven auseinander. Offene Aufgabenstellungen fördern die Entwicklung eigener Fragestellungen sowie eine reflektierte Urteilsbildung über das Verhältnis von Glaube und Vernunft. Besonders gewinnbringend ist die Verbindung von Bibelarbeit, historischer Kontextualisierung und lebensweltbezogener Reflexion. Kreative Methoden wie szenische Darstellung, Bildbetrachtung, Schreibaufgaben, Rollenspiele oder Perspektivwechsel eröffnen vielfältige Zugänge zu den Erzählungen. Ebenso bieten sich Diskussionen über persönliche Grenzerfahrungen, Hoffnung, Heilung, Vertrauen und die Bedeutung von Wundern in der heutigen Zeit an. Das Modul unterstützt die Entwicklung theologischer Deutungskompetenz, fördert Empathie und stärkt die Fähigkeit, biblische Texte in Beziehung zu aktuellen Fragen des Lebens und Glaubens zu setzen.
Im Zentrum steht die Frage, wie Wunder verstanden werden können – damals wie heute: Sind sie naturwissenschaftlich erklärbare Phänomene, symbolische Zeichen oder reale göttliche Eingriffe? Das Material lädt dazu ein, die Voraussetzungen des antiken Weltbilds kritisch mit heutigen Deutungsmustern zu vergleichen und dadurch die Perspektivenvielfalt im Umgang mit Wundergeschichten zu erkennen. Besonders hervorgehoben wird die Unterscheidung zwischen Wundern als „Mirakel“ und als „Zeichen“ (griechisch semeia), die auf das anbrechende Reich Gottes hinweisen. Entscheidend ist dabei nicht der Beweis göttlicher Macht, sondern die heilende, gemeinschaftsstiftende Wirkung auf den betroffenen Menschen.
Die fünf modular aufgebauten Kopiervorlagen unterstützen diesen Zugang methodisch wie inhaltlich: Sie behandeln das antike Wunderverständnis, die Frage nach der Realität von Wundern, ihre übertragene Bedeutung sowie eine kreative Podiumsdiskussion zum Thema „Heilung als Befreiung und Re-Integration“. Dabei wird deutlich gemacht, dass Wunder im Neuen Testament nie Selbstzweck sind, sondern eingebettet sind in Jesu Verkündigung, die auf Vertrauen, Gnade und Erneuerung zielt. Für aufgeklärte Schülerinnen und Schüler ist dies eine wertvolle Einladung zur Glaubensreflexion jenseits von Naivität und Rationalismus.
Ziel des Materials ist es, eine klare theologische Prioritätensetzung zu vermitteln: Nicht der Verstand soll über Glaube oder Unglaube an Wunder entscheiden, sondern der Glaube selbst ist das Kriterium, vor dem sich Wunder überhaupt erst erschließen. Dies stellt das Vertrauen in Gott ins Zentrum – unabhängig davon, ob Wundergeschichten im engeren Sinne für historisch „wahr“ gehalten werden. Die Einheit fördert damit eine theologisch reflektierte Haltung, die sowohl die biblischen Texte ernst nimmt als auch zur geistigen Redlichkeit in einer naturwissenschaftlich geprägten Welt beiträgt.