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Eulenfisch

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… und dann war Frieden!

Veröffentlichung:1.1.2023

Der Fachartikel im Heft ru heute steht unter dem Titel „… und dann war Frieden!“. Nach dem vorliegenden Auszug umfasst er sechs Seiten, Seite 118 bis 123. Der Artikel zeigt an einem Praxisbericht aus der Sekundarstufe zwei, wie Bibliodrama im Religionsunterricht helfen kann, Konflikte in einer Lerngruppe zu bearbeiten und neue Zugänge zu biblischen Texten zu eröffnen.

Im Mittelpunkt steht die Erfahrung, dass eine belastete Lerngruppe durch ganzheitliche, biografisch orientierte Arbeit mit dem Evangelium wieder zu mehr Ruhe, Vertrauen und Gemeinschaft finden kann. Der Fachartikel behandelt dabei vor allem diese theologischen Probleme: das Verhältnis von persönlicher Lebensgeschichte und biblischer Botschaft, Heilung und Lähmung als religiöse und existenzielle Erfahrungen, Schuld und Vergebung, das Verständnis von Gemeinschaft und Solidarität sowie die Frage, wie das Evangelium heute als befreiende und heilende Botschaft wirksam werden kann.

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Der Artikel beschreibt einen Praxisbericht aus dem Religionsunterricht der Oberstufe. Ausgangspunkt ist die Erfahrung, dass viele Lernende nach Corona Pandemie, Schulschließungen, Homeschooling, Klimakrise, Inflation und dem russischen Angriffskrieg stark belastet waren. Diese Belastungen wirkten sich auch auf den Unterricht aus. Die Gruppe erlebte viel Unruhe, Konflikte und Überforderung. In einem Krisengespräch äußerten die Lernenden den Wunsch, im Religionsunterricht etwas für ihr Leben zu lernen. Daraufhin entschied sich der Autor für Bibliodrama als besondere Methode.

Bibliodrama wird als ganzheitlicher Zugang zur Bibel beschrieben. Es geht nicht nur um kognitive Erschließung von Inhalten, sondern um die Verbindung von biblischem Text, eigener Biografie, Körpererfahrung und sozialem Miteinander. Im Mittelpunkt der vorgestellten Einheit steht die Heilung des Gelähmten aus dem Matthäusevangelium. Der Autor versteht Bibliodrama hier als letzte Möglichkeit, um eine festgefahrene und konfliktreiche Unterrichtssituation zu verändern und neue Erfahrungen von Gemeinschaft zu ermöglichen.

Zu Beginn wurde mit den Lernenden vereinbart, dass die Leistungen während des Bibliodramas nicht benotet werden. Außerdem konnten sie jederzeit aus dem Prozess aussteigen. Dies sollte Sicherheit schaffen und den Druck nehmen. Nach einer exegetischen Vorbereitung des biblischen Textes wurden die Grunderfahrungen der Erzählung herausgearbeitet, nämlich Lähmung und Lebendigkeit.

In einer ersten Phase wurden die Lernenden für diese Erfahrungen sensibilisiert. Durch verschiedene Gehübungen setzten sie sich körperlich mit ihrem eigenen Befinden auseinander. Danach suchten sie in ihrer Umgebung Gegenstände oder Zeichen für etwas Erstarrtes und etwas Lebendiges, das zu ihrer eigenen Lebenssituation passte. In Partnergesprächen erzählten sie einander von ihren Erfahrungen. Schon an dieser Stelle verbanden sich persönliche Lebenserfahrungen mit den Grundmotiven des Evangeliums.

Anschließend arbeiteten die Lernenden mit einem Spiel im Raum, bei dem sie sich verschiedenen Begriffen aus dem Wortfeld der biblischen Erzählung zuordneten. So setzten sie sich mit Themen wie getragen werden, im Mittelpunkt stehen, übersehen werden oder unsichtbar sein auseinander. Die jeweils gewählten Begriffe wurden mit Gesten verbunden und in der Gruppe nachvollzogen. Dadurch entstand ein erster gemeinsamer Ausdruck für persönliche Betroffenheit und zentrale Erfahrungen des Textes.

In einer weiteren Phase standen Körperübungen im Mittelpunkt. Die Lernenden machten Erfahrungen damit, festgehalten zu werden, Widerstand zu spüren und getragen zu werden. Diese Übungen sollten nicht nur rationales Verstehen fördern, sondern auch unbewusste und körperlich gespeicherte Erfahrungen ansprechen. Anschließend hielten die Lernenden schriftlich und gestalterisch fest, was sie in ihrem Alltag lähmt und was sie trägt. Die Bilder wurden in Partnerarbeit betrachtet und besprochen, ohne sie vorschnell zu deuten.

Danach wurde der biblische Text selbst eingeführt. Über eine Fantasiereise wurden die Lernenden in die sozialen, historischen und theologischen Hintergründe der Perikope hineingeführt. Anschließend lasen sie den Text mit der Västerås Methode. Dabei markierten sie Stellen, die sie ansprachen, irritierten oder Fragen aufwarfen. So entstand eine enge Verbindung zwischen dem eigenen Erleben und dem Evangelium. Die Lernenden schrieben ihre Erfahrungen, Begriffe und Gedanken gleichsam in den Text hinein.

Eine weitere Vertiefung erfolgte durch ein Stuhltheater. Die verschiedenen Rollen der Erzählung, also der Gelähmte, die Träger, das Volk, Jesus und die Schriftgelehrten, wurden in Gruppen erschlossen. Die Lernenden formulierten Fragen an diese Figuren und entwickelten mögliche Antworten aus deren Perspektive. Dadurch setzten sie sich intensiv mit den Rollen und ihren inneren Beweggründen auseinander. Besonders wichtig war dem Autor, antijudaistische Missverständnisse zu vermeiden und die innerjüdischen Diskussionen im Text sachgerecht einzuordnen.

Im nächsten Schritt aktualisierten die Lernenden die biblische Botschaft. In verschiedenen kreativen Formen entwickelten sie Darstellungen dazu, welche frohe Botschaft der Text heute noch enthält. Dabei entstanden eigene Formulierungen des Evangeliums, etwa dass Menschen einander helfen, Lasten teilen, vergeben und so Leben ermöglichen sollen. Die Aktualisierung war kein bloßes Nachspielen der biblischen Geschichte, sondern Ausdruck eigener Deutungen und Erfahrungen.

Am Ende wurden die Ergebnisse präsentiert und gemeinsam reflektiert. In der Auswertung zeigte sich, dass Bibliodrama das Arbeiten und das Miteinander im Kurs deutlich verbessert hatte. Es gab weniger Störungen, mehr Motivation und ein stärkeres Interesse an den Inhalten. Die Lernenden erlebten es als bereichernd, ihr eigenes Leben mit dem Evangelium in Beziehung zu setzen. Der Autor zieht daraus das Fazit, dass Bibliodrama gerade in schwierigen Unterrichtssituationen eine wirksame Methode sein kann, um Bewegung in festgefahrene Prozesse zu bringen und ganzheitliches Wachstum zu fördern. Zugleich betont er, dass die Methode anspruchsvoll ist und eine fundierte Ausbildung voraussetzt.

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