Empirische Unterrichtsforschung wird als systematische Beobachtung und Beschreibung von Interaktionsprozessen zwischen Lehrenden und Lernenden sowie deren Zusammenhang mit Schüler- und Lehrermerkmalen definiert. Ihr Hauptziel besteht in der Qualitätsverbesserung von Unterricht, wobei die zentrale Forschungsfrage lautet: „Was ist guter Unterricht?" Allerdings reicht empirische Beobachtung allein nicht aus; theoretische Vorentscheidungen anthropologischer, bildungsphilosophischer und gesellschaftstheoretischer sowie normative Orientierungen sind unverzichtbar. Seit der Jahrtausendwende verschiebt sich der Fokus von allgemeinen Unterrichtsmerkmalen zu fachdidaktischen Zugängen, mit der Erkenntnis, dass guter Unterricht durch gute Erschließung fachlicher Inhalte gekennzeichnet ist. Die Wendung zur Kompetenzorientierung hat diese fachdidaktische Fokussierung weiter verstärkt. Die Verwendung von Videoaufzeichnungen seit den 1970ern revolutionierte die Unterrichtsforschung durch kombinierte qualitative und quantitative Auswertungsverfahren. Zentral erwies sich die sogenannte Tiefenstruktur des Unterrichts (Merkmale wie Zielklarheit, Transparenz, Klassenführung, kognitive Aktivierung) als entscheidend für Unterrichtserfolg, nicht die bloße Oberflächenstruktur. Bei der videogestützten Unterrichtsforschung wird zwischen niedrig