Das Medium eignet sich besonders für den Religionsunterricht der Sekundarstufe zwei sowie für den Ethik und Philosophieunterricht. Es eröffnet Zugänge zu den Themen Verantwortung, Fortschritt, Gerechtigkeit, Schöpfungsverantwortung, Nachhaltigkeit, Freiheit, Zukunft, Hoffnung und moralisches Handeln. Die Lernenden erkennen, dass Fortschritt weit mehr umfasst als technische Innovationen und immer auch ethisch beurteilt werden muss.
Als Einstieg kann die Frage dienen, was die Lernenden persönlich unter Fortschritt verstehen. Die Begriffe technischer Fortschritt, gesellschaftlicher Fortschritt und moralischer Fortschritt werden zunächst gesammelt und voneinander unterschieden. Anschließend überlegen die Lernenden, welche Entwicklungen sie tatsächlich als Verbesserung ihres Lebens ansehen und welche Fortschritte gleichzeitig neue Probleme hervorgebracht haben.
Während des Sehens erhalten die Lernenden einen Beobachtungsauftrag. Sie notieren Beispiele für technischen Fortschritt, moralischen Fortschritt, Krisen, Regression und Problemlösungen. Anschließend werden die Ergebnisse gemeinsam geordnet und diskutiert. Dabei wird deutlich, dass technische Entwicklungen häufig sowohl Chancen als auch Risiken mit sich bringen und deshalb immer ethisch bewertet werden müssen.
Ein besonderer Schwerpunkt kann auf dem Begriff der Problemlösung liegen. Die Lernenden untersuchen, weshalb Rahel Jaeggi Fortschritt nicht als Erreichen eines festen Zieles versteht, sondern als die Fähigkeit, neue Probleme verantwortungsvoll zu lösen. Anhand aktueller Beispiele wie Klimawandel, Energieversorgung, Digitalisierung oder künstliche Intelligenz überprüfen sie, ob bestimmte Entwicklungen langfristig neue Handlungsmöglichkeiten eröffnen oder zukünftige Lösungen erschweren.
Im Religionsunterricht bietet sich ein Vergleich mit biblischen Vorstellungen von Verantwortung an. Die Lernenden können den Auftrag zur Bewahrung der Schöpfung mit den Aussagen des Mediums verbinden. Dabei wird deutlich, dass verantwortliches Handeln nicht nur gegenwärtige Bedürfnisse berücksichtigt, sondern auch die Lebensmöglichkeiten zukünftiger Generationen schützt. Ebenso lassen sich Bezüge zur christlichen Sozialethik, zur Gerechtigkeit und zur Verantwortung für die Mitmenschen herstellen.
Methodisch eignet sich eine Gruppenarbeit. Verschiedene Gruppen untersuchen Beispiele wie Atomenergie, Digitalisierung, künstliche Intelligenz, soziale Medien oder medizinische Entwicklungen. Sie arbeiten jeweils Chancen, Risiken und mögliche langfristige Folgen heraus und beurteilen, ob die jeweilige Entwicklung als Fortschritt verstanden werden kann. Anschließend vergleichen die Gruppen ihre Ergebnisse und entwickeln gemeinsame Kriterien für verantwortlichen Fortschritt.
Eine weitere Unterrichtsphase kann sich mit dem Begriff der Regression beschäftigen. Die Lernenden überlegen, welche Entwicklungen in Gesellschaft, Politik oder Umwelt als Rückschritte verstanden werden können und welche Ursachen dahinter stehen. Dabei erkennen sie, dass Krisen häufig entstehen, wenn notwendige Veränderungen unterbleiben oder Probleme verdrängt werden.
Das Medium eignet sich außerdem hervorragend für eine Diskussion über die Frage, ob wirtschaftliches Wachstum automatisch gesellschaftlichen Fortschritt bedeutet. Die Lernenden entwickeln eigene Positionen und begründen diese mit Beispielen aus dem Video sowie mit religiösen und ethischen Maßstäben.
Das Medium fördert insbesondere die ethische Urteilsbildung, die Fähigkeit zur Perspektivübernahme sowie die Kompetenz, komplexe gesellschaftliche Entwicklungen differenziert zu beurteilen. Es unterstützt die Lernenden dabei, Fortschritt nicht nur technisch, sondern immer auch menschlich, sozial und moralisch zu bewerten. Gleichzeitig stärkt es das Bewusstsein dafür, dass verantwortliches Handeln langfristiges Denken, Solidarität und die Bereitschaft zur Veränderung voraussetzt.