Der Artikel von Eva Stögbauer-Elsner untersucht die bibeldidaktische Vermittlung des Buches Ijob in der Sekundarstufe II. Zunächst werden empirische Befunde zur Rezeption der Theodizeefrage durch Jugendliche dargestellt: Sie deuten Leidfragen sowohl säkular als auch religiös und nutzen dabei verschiedene Bewältigungsstrategien. Neuere Studien zeigen, dass mit dem Plausibilitätsverlust des theistischen Gottesbildes auch die Theodizeefrage an Relevanz verliert. Jugendliche können theoretisch verschiedene theologische Theodizee-Strategien durchdenken und bevorzugen dabei solche, die die Autonomie des Individuums bewahren. Ihre Gottesvorstellungen sind durch kritische Haltung gegenüber tradierten Bildern, deistische Denkmuster und eine Verlagerung des Göttlichen ins Innere des Menschen gekennzeichnet. Der Artikel analysiert dann die literarische Struktur des Ijob-Buches mit seinen drei Teilen (Prolog, Dialog, Epilog) und seiner komplexen Entstehungsgeschichte. Das Buch wird als dramatisches Bühnenstück und theologisches Lehrbuch interpretiert, das verschiedene Positionen zur Leiddeutung durcharbeitet. Zentral ist die Darstellung der Klage als legitime und notwendige Ausdrucksform vor Gott, die das existenzielle Ringen mit Gott ausdrückt und zugleich Vertrauen in Gottes Handlungsfähigkeit voraussetzt. Der Artikel verdeutlicht, dass die Beschäftigung mit Ijob Jugendlichen ermöglicht, ihre eigenen Gotteserfahrungen zu reflektieren und alternative Ausdrucksformen religiöser Erfahrung zu erschließen.