Die Fokusgruppendiskussion ist eine Datenerhebungsmethode mit Ursprüngen in der Mitte des 20. Jahrhunderts, zunächst zur Analyse von Kriegspropaganda entwickelt und später in Marktforschung und Sozialwissenschaften etabliert. Sie wird definiert als moderiertes, strukturiertes Verfahren, bei dem eine thematisch orientierte Gruppeninteraktion durch einen Stimulus initiiert wird, um Sichtweisen und Erfahrungen der Teilnehmenden zu erfassen. Das zentrale Merkmal ist die Bedeutung der Gruppeninteraktion: Durch gegenseitiges Zuhören und Reagieren entstehen tiefe Einsichten, die in Einzelinterviews nicht zugänglich wären. Die Methode unterscheidet sich von der Gruppendiskussion durch ihr Erkenntnisziel (explizite Inhalte statt kollektive Orientierungsmuster) und ihren Steuerungsgrad (fokussiert statt selbstläufig) und vom Gruppeninterview durch die zentrale Rolle der Gruppeninteraktion (versus befragungsorientiertes Gespräch). Fokusgruppendiskussionen sind flexibel einsetzbar in explorativen, explanativen und evaluativen Studien, können allein oder in Kombination mit anderen Methoden verwendet werden und sollten bis zur theoretischen Datensättigung durchgeführt werden. Teilnehmende sollten einen gemeinsamen Erfahrungs- oder kulturellen Hintergrund teilen, aber hinsichtlich ihrer Einstellungen heterogen sein. In der deutschsprachigen und besonders der religionspädagogischen Forschung spielt die Methode bislang eine marginale Rolle, gewinnt aber zunehmend an Bedeutung.