Der Artikel verortet die Einstellungsforschung als Teilbereich der Professionsforschung und untersucht persönliche sowie professionsbezogene Überzeugungen von Religionslehrkräften im Kontext inklusiver Bildung. Mit der Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention 2009 wurde Inklusion zur gesamtgesellschaftlichen Aufgabe, die einen fundamentalen Paradigmenwechsel von Integration zu Inklusion markiert. Während Integration auf Anpassung von Individuen abzielt, fordert Inklusion die Umgestaltung von Systemen, damit Differenzen nicht zu Ausschluss führen. In religionspädagogischer Perspektive wird Inklusion als theologische Fundamentalkategorie verstanden, die mit der christlichen Botschaft der bedingungslosen Liebe Gottes korrespondiert. Der "Index für Inklusion" von Booth und Ainscow bietet mit seinen drei Dimensionen (inklusive Kulturen, Strukturen und Praktiken) ein Werkzeug zur inklusiven Schulentwicklung, wobei die Schaffung inklusiver Kulturen auf Wertschätzung und Respekt basiert. Thorsten Knauth conceptualisiert inklusive Pädagogik als diversitätssensible allgemeine Pädagogik, die die Verschiedenheit jedes Einzelnen zur Grundlage hat und keine stigmatisierenden Kategorisierungen vornimmt. Annebelle Pithan überträgt die drei Dimensionen des "Index für Inklusion" auf die Religionspädagogik und bezieht sie sowohl auf Unterrichtsgestaltung als auch auf die religiöse Schulkultur. Die zentralen Grundsätze inklusiven Religionsunterrichts werden durch das Comenius-Institut in zehn Prinzipien konkretisiert. Der Artikel verdeutlicht, dass Einstellungen und Werthaltungen von Lehrkräften einen bedeutsamen Einfluss auf die erfolgreiche Umsetzung inklusiver Bildungsprozesse haben und daher ein wichtiger Forschungsgegenstand sind.