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Münchner Theologische ZeitschriftMichelle Becka

Münchner Theologische Zeitschrift,

Michelle Becka

Strukturen der Sünde?

Veröffentlichung:1.5.2026

Der Beitrag reflektiert die Frage, inwieweit strukturelle Faktoren sexuellen Missbrauch, sowie nicht-verantwortungsvollen Umgang damit, begünstigen. Es wird argumentiert, dass generelle Tendenzen von Institutionen (etwa der erschwerten Veränderbarkeit) durch theologische Motive und Narrative verstärkt werden.

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Der Beitrag reflektiert die Frage, inwieweit strukturelle Faktoren sexuellen Missbrauch, sowie nicht-verantwortungsvollen Umgang damit, begünstigen. Es wird argumentiert, dass generelle Tendenzen von Institutionen (etwa der erschwerten Veränderbarkeit) durch theologische Motive und Narrative verstärkt werden. Als besonders gravierend erweist sich die theologische Verschleierung von Macht und der Klerikalismus. Es wird auch erörtert, ob in diesem Zusammenhang die Rede von „Strukturen der Sünde“ berechtigt ist. Leitend ist die Frage, wie Verantwortung strukturell besser verankert werden kann. „Die Strukturen müssen sich ändern.“ Es ist einer jener Sätze, die im Umgang mit sexualisierter Gewalt und mit Missbrauch verschiedener Art häufig zu hören sind. Der Satz ist richtig. Aber wie ändern sich, wie ändert man Strukturen? Schon die Suche nach dem grammatikalischen Subjekt des Satzes weist auf das Problem hin, dass die Strukturen nicht einfach die Mehrzahl individueller Handlungsmacht sind. Hinter dem diffusen Plural der Strukturen droht vielmehr die Verantwortung ganz zu verschwinden. Es ist nötig, insbesondere die strukturelle Dimension von Verantwortung zu reflektieren, weil sexualisierte Gewalt (immer noch) als Taten Einzelner abgetan werden. Es handelt sich aber nicht allein um Vergehen in der Kirche, sondern um Vergehen der Kirche. Es gibt, so die These, strukturelle Bedingungen, die sexualisierte Gewalt begünstigen. Dazu, so wird zu zeigen sein, verstärken sich die in Institutionen angelegten Tendenzen und das Machtmodell der Katholischen Kirche gegenseitig, so dass eine missbrauchsanfällige Form der Machtausübung der einen über die anderen begünstigt wird. Weil die sakramentale Struktur der Kirche allzu leicht die institutionelle Struktur zu überlagern droht (und meine Perspektive zudem eine sozialethische ist), wähle ich zunächst einen institutionentheoretischen Zugang und stelle kurz Charakteristika und Gefahren der Institutionenbildung heraus. Im zweiten Schritt greife ich den Begriff der „Strukturen der Sünde“ auf. Ich argumentiere, dass sich im Umgang mit sexualisierter Gewalt in der Kirche ein „Verlangen nach Macht [zeigt] mit dem Vorsatz, anderen den eigenen Willen aufzuzwingen“ (SRS 37), so dass die Übertragung des Begriffs auf die Kirche unter bestimmten Bedingungen zulässig erscheint. Anschließend erläutere ich, mit Bezug zum Münchener Gutachten1, welche kirchen- und theologieimmanenten Faktoren, beschränkt auf eine

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