Der Artikel setzt mit einer kritischen Darstellung des Relativismus ein. Anhand einer literarischen Parodie auf Albert Einstein wird gezeigt, wie die Vorstellung verbreitet werden kann, dass alles nur relativ sei und keine feste Wirklichkeit existiere. Diese Position wird philosophisch hinterfragt. Eine kleine Szene aus einem Café dient als Beispiel. Ein Philosoph behauptet dort, alles sei nur Schein und vom Menschen konstruiert. Gleichzeitig setzt er sich selbstverständlich auf einen Stuhl und handelt damit so, als ob dieser wirklich existiere und ihn tragen könne. Dieses Beispiel zeigt, dass Menschen im Alltag unausweichlich davon ausgehen, dass es Wirklichkeit gibt.
Der Autor greift dabei Gedanken der Philosophie auf, besonders von Immanuel Kant. Kant hatte gezeigt, dass alles, was wir erkennen, immer in der Perspektive eines erkennenden Subjekts steht. Wirklichkeit wird also immer gedacht und erlebt. Daraus ergibt sich die Frage, ob Wirklichkeit vollständig vom Menschen konstruiert ist oder ob es etwas gibt, das unabhängig vom Denken existiert.
Der Artikel führt das sogenannte Sachhaltigkeitspostulat ein. Damit ist gemeint, dass Menschen im Alltag selbstverständlich davon ausgehen, dass es wirkliche Dinge gibt. Dieses Vertrauen zeigt sich in allen Handlungen. Wer einen Stuhl benutzt oder am Frühstückstisch sitzt, setzt unausgesprochen voraus, dass diese Dinge real sind. Philosophie beginnt damit, diese Selbstverständlichkeiten bewusst zu machen und zu hinterfragen.
Im weiteren Verlauf geht der Autor der Frage nach, was alle Dinge gemeinsam haben, wenn sie als wirklich bezeichnet werden. Wirklichkeit ist nicht einfach eine zusätzliche Eigenschaft wie Farbe oder Gewicht. Auch ausgedachte Dinge besitzen eine bestimmte Form von Wirklichkeit, nämlich die Wirklichkeit des Gedachtseins. Daraus ergibt sich ein weiter Horizont des Denkbaren. Menschen können sich unendlich viele Möglichkeiten vorstellen, reale, mögliche oder auch unsinnige.
Dieser Horizont des Denkbaren wird als Bereich des Meinbaren beschrieben. Alles, was gedacht oder gemeint werden kann, gehört zu diesem Bereich. Von hier aus stellt sich die klassische metaphysische Grundfrage, warum überhaupt etwas existiert und nicht vielmehr nichts. Diese Frage führt über die empirischen Wissenschaften hinaus, da diese nur einzelne Bereiche der Wirklichkeit untersuchen. Die Metaphysik fragt dagegen nach den grundlegenden Voraussetzungen dafür, dass Menschen überhaupt etwas erfahren und erkennen können.
Der Autor betont, dass Wirklichkeit als solche nicht isoliert beschrieben werden kann. Menschen erfahren Wirklichkeit immer nur in konkreten Erkenntnisvollzügen. Wenn wir etwas erkennen, setzen wir bereits voraus, dass es wirklich ist. Wirklichkeit ist daher eine grundlegende Bedingung unseres Erkennens und unseres Daseins.
An dieser Stelle öffnet sich der Übergang von der Philosophie zur Weltanschauung und zur Theologie. Der Grund aller Wirklichkeit kann unterschiedlich interpretiert werden. Es gibt atheistische Deutungen, religiöse Deutungen oder andere philosophische Modelle. Der Autor richtet den Blick schließlich auf die christliche Interpretation.
Aus christlicher Sicht wird der Grund der Wirklichkeit in Gott gesehen. Diese Deutung verbindet sich mit der christologischen Aussage, dass Gott in Jesus Christus Mensch geworden ist. Das Konzil von Chalcedon beschreibt Christus als wahrer Gott und wahrer Mensch. Damit wird ausgedrückt, dass das Geheimnis der Wirklichkeit nicht vollständig rational erklärbar ist, sondern nur in paradoxen Aussagen beschrieben werden kann.
Der Autor entwickelt eine anthropologische Perspektive. Menschen erfahren ihr Leben als etwas, in das sie hineingeworfen werden, ohne es selbst gewählt zu haben. Diese Erfahrung kann unterschiedlich gedeutet werden, etwa als Zufall der Naturgeschichte oder als Ausdruck göttlicher Vorsehung. Zugleich suchen Menschen nach Liebe, Beziehung und Sinn. In dieser Suche kann die Gestalt Jesu als Beispiel vollkommener Liebe verstanden werden.
So erscheint Gott nicht als abstrakte Macht, sondern als personaler Grund der Wirklichkeit, der sich in Liebe zeigt. Die christliche Botschaft deutet die Wirklichkeit daher als von Liebe begründet und getragen. Der Artikel endet mit dem Gedanken, dass diese Überlegungen keinen mathematischen Beweis für Gott liefern. Sie zeigen jedoch, dass der christliche Glaube eine vernünftige und sinnvolle Deutung der Wirklichkeit darstellen kann.