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Eulenfisch

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Das Meer und der Tod

Veröffentlichung:1.1.2015

Der Fachartikel von Iris Maria Gniosdorsch ist im Heft ru heute unter dem Titel „Das Meer und der Tod. Was geschah 1571, was geschieht heute auf dem Mittelmeer? Gedanken zu Felix Droeses Gemälde Zyklus Die Schlacht von Lepanto“ erschienen und umfasst etwa Seite 72 bis 76. Der Beitrag verbindet die historische Seeschlacht von Lepanto aus dem Jahr 1571 mit der heutigen Situation von Geflüchteten auf dem Mittelmeer. Theologisch behandelt der Artikel Fragen nach Gottes Gegenwart im Krieg, nach der religiösen Rechtfertigung von Gewalt sowie nach christlicher Verantwortung gegenüber leidenden Menschen und Geflüchteten.

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Der Artikel setzt sich mit dem Gemäldezyklus Die Schlacht von Lepanto des deutschen Künstlers Felix Droese auseinander und verbindet historische, künstlerische und theologische Perspektiven. Ausgangspunkt ist die Seeschlacht von Lepanto im Jahr 1571, bei der eine Flotte des Osmanischen Reiches und eine christliche Allianz aus Spanien und Venedig aufeinandertrafen. In dieser Schlacht kämpften hunderte Schiffe gegeneinander und zehntausende Menschen starben innerhalb weniger Stunden. Beide Seiten verstanden den Krieg auch als religiösen Kampf und riefen jeweils Gott um Beistand an.

Die Autorin beschreibt, wie die Schlacht aus der Perspektive der Beteiligten erlebt worden sein könnte. Soldaten, Ruderer und Sklaven befanden sich in einer Situation von Angst, Gewalt und religiösem Fanatismus. In der Enge der Schiffe verwandelte sich der Kampf in ein chaotisches Massaker. Der Tod traf Menschen unterschiedslos. Die Anführer standen symbolisch für religiöse und politische Systeme, während die einfachen Kämpfer kaum Einfluss auf ihr Schicksal hatten.

Felix Droese greift diese Ereignisse in seinem Gemäldezyklus auf. Ein zentrales Bild zeigt ein rotes Tatzenkreuz und eine grüne Mondsichel, die an das christliche und das islamische Symbol erinnern. Die Formen wirken aggressiv und zerrissen. Die Farbspuren erinnern an Blut und Gewalt. Die Komposition macht deutlich, dass religiöse Zeichen in der Geschichte oft mit militärischer Gewalt verbunden wurden. Gleichzeitig zeigt das Bild eine leere Mitte im Kreuz, die als Hinweis auf das verlorene Zentrum christlicher Botschaft verstanden werden kann.

Nach der Schlacht wurde der Sieg der christlichen Seite religiös interpretiert. Der Sieg wurde der Hilfe der Jungfrau Maria zugeschrieben und führte zur Entstehung des Rosenkranzfestes. Die Erinnerung an die Schlacht wurde so religiös überformt und in eine Erzählung von göttlicher Hilfe und triumphalem Sieg verwandelt. Die Autorin fragt jedoch kritisch, ob eine solche Deutung die Gewalt und das Leid der Opfer verdrängt.

Der Künstler Felix Droese erinnert mit seinen Werken bewusst an die Opfer und die Gewalt der Geschichte. Seine sogenannten Totenbretter greifen eine alte Tradition auf, bei der Holztafeln für Verstorbene aufgestellt wurden. Ein darauf geschriebener Satz lautet sinngemäß, dass man einem Sohn Glück wünscht und ihn ins Meer schickt. Dieser Satz verweist auf das Vertrauen auf Gott, zeigt aber zugleich die Unsicherheit und Gefährdung menschlichen Lebens.

Im theologischen Teil stellt der Artikel die Frage nach Gottes Rolle in Situationen von Krieg und Gewalt. Wenn beide Seiten Gott um Hilfe bitten, entsteht ein Widerspruch. Die christliche Botschaft Jesu fordert Liebe, Barmherzigkeit und sogar die Liebe zu den Feinden. Diese Botschaft steht im starken Gegensatz zu religiös motivierter Gewalt und zu Kriegen, die im Namen Gottes geführt werden.

Die Autorin überträgt diese Überlegungen auf die Gegenwart. Heute sterben erneut viele Menschen auf dem Mittelmeer. Geflüchtete versuchen über das Meer nach Europa zu gelangen und ertrinken häufig auf dieser Flucht. Diese Tragödien geschehen nicht in einer großen Schlacht, sondern in vielen einzelnen Ereignissen. Dennoch fordert diese Situation die Gesellschaft moralisch und religiös heraus.

Der Artikel kritisiert die Gleichgültigkeit wohlhabender Gesellschaften gegenüber dem Leid von Geflüchteten. Wirtschaftliche Interessen, politische Macht und globaler Wohlstand werden dabei wie ein neuer Gott behandelt. Menschen sterben auf dem Meer, während wirtschaftliche Systeme profitieren. In dieser Situation stellt sich erneut die Frage nach christlicher Verantwortung.

Die Werke von Felix Droese werden deshalb als Mahnung verstanden. Sie erinnern daran, dass christliche Symbole nicht zur Rechtfertigung von Gewalt dienen dürfen. Im Zentrum des christlichen Glaubens stehen vielmehr Liebe, Barmherzigkeit und Solidarität mit den Schwachen. Der Blick auf die Geschichte von Lepanto und auf die heutigen Ereignisse im Mittelmeer fordert dazu auf, über Verantwortung, Menschlichkeit und Glauben neu nachzudenken.

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Sekundarstufe II | 12/2 Gutes Handeln unter dem Anspruch des Christseins

12.2 / 1. Grundzüge christlicher Moral im Kontext philosophischer Ethik.

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