Die Religionspädagogik steht vor einer neuen Herausforderung: Wie kann religiöse Bildung zu einer sozial-ökologischen Transformation beitragen? Der vorliegende Artikel geht dieser Frage nach und nimmt dabei die Bewegung der „Letzten Generation" als aktuellen Anlass und Spiegel. Die Aktivist:innen, die durch spektakuläre Protestformen wie Hungerstreiks und Straßenblockaden auf die Dringlichkeit der Klimakrise hinweisen, werden von der Gesellschaft kontrovers beurteilt. Doch einige religiöse Akteure wie der Jesuit Jörg Alt schließen sich der Bewegung an – aus christlicher Überzeugung heraus. Dies wirft fundamental religionspädagogische Fragen auf: Welche Rolle spielen religiöse Motivationen bei der Forderung nach radikaler gesellschaftlicher Veränderung? Wie radikal darf oder soll eine Transformation sein?
Der Artikel führt zunächst in die Debatte um die „Letzte Generation" ein, würdigt sowohl ihre moralische Überzeugung als auch die berechtigte Kritik an ihren Methoden, und ordnet die Bewegung soziologisch als Teil der Generation Z ein. Danach wird „sozial-ökologische Transformation" präzise definiert: ein weltweiter Wandel zu einer Gesellschaft, in der gelingendes Leben für alle möglich ist, realisiert durch gerechte Verteilung globalen Wohlstands innerhalb planetarischer Grenzen und im Rahmen der Nachhaltigen Entwicklungsziele. Mit der Metapher der Schmetterlingsmetamorphose wird deutlich gemacht, dass Transformation nicht linear geplant werden kann, sondern durch tiefgreifende, oft chaotische Prozesse entsteht.
Die zentrale Leistung des Textes liegt darin, dass er religionspädagogische Bildung nicht als passive Vermittlung von Wissen versteht, sondern als transformativ wirksame Praxis. Der Artikel fragt nach den theologisch-ethischen Grundlagen, auf die eine religiöse Bildung für nachhaltige Entwicklung (rBNE) zurückgreifen kann. Damit öffnet er einen Raum für eine „transformative religiöse Bildung", die Lernende befähigt, radikal und gerechtfertigterweise an der notwendigen gesellschaftlichen Umwälzung teilzuhaben – nicht trotz, sondern wegen ihrer religiösen Überzeugungen.