Die Zukunft der Religionspädagogik lässt sich nicht vorhersagen – das zeigt uns nicht zuletzt die COVID-Pandemie eindrucksvoll. Doch aus einer aufmerksamen Beobachtung gegenwärtiger Entwicklungen und der Identifikation von Handlungsnotwendigkeiten lassen sich zukünftige Narrative strukturieren und so eine Orientierung für religionspädagogisches Denken und Handeln schaffen.
Der vorliegende Artikel skizziert fünf Themenfelder, die die Religionspädagogik bis 2030 prägen dürften: Erstens die religiöse Bildung unter pluralen Bedingungen – angesichts von religiöser und weltanschaulicher Vielfalt in unseren Gesellschaften ist die Illusion einer homogenen Religiosität endgültig zu verabschieden. Schulen müssen sich multireligiös, multikulturell und multilingual ausrichten und interreligiöse Bildung weiterentwickeln, die alle Schüler*innen einschließt. Zweitens wird religiöse Bildung sich verstärkt jungen Menschen in prekären Lebensverhältnissen zuwenden müssen. Diese interessieren sich weniger für Freiheitsaspekte von Religion als für Sicherheit und Orientierung – eine Herausforderung, auf die Religionspädagogik mit Gegennartiven reagieren muss, die strukturelle Ungerechtigkeit benennen und Hoffnungspotenziale aufzeigen, ohne zu beschämen.
Das dritte Themenfeld betrifft Gender und Religion. Die massiven Widerstände vieler Religionen gegenüber ernsthaften Auseinandersetzungen mit Gendertheorien werfen Fragen zur zukünftigen Glaubwürdigkeit religiöser Gemeinschaften auf. Viertens wird Nachhaltigkeit zu einem zentralen Thema religiöser Bildung werden müssen – eine Aufgabe, die tiefer geht als bloße ökologische Wissensvermittlung. Und fünftens stellt die Digitalisierung die Religionspädagogik vor erhebliche Herausforderungen in einer zunehmend digital geprägten Welt.
Der Artikel ergänzt diese Analyse um die Ergebnisse einer Delphi-Studie, um auch die wissenschaftliche Entwicklung der Religionspädagogik in den Blick zu nehmen und so ein umfassendes Bild der Disziplin in den kommenden Jahren zu zeichnen.