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Schuld – Vergebung – Versöhnung

Veröffentlichung:1.1.2016

Der Fachartikel von Adrian Schenker OP ist im Heft RELIGIONSUNTERRICHTheute 01/2016 erschienen. Er trägt den Titel „Schuld – Vergebung – Versöhnung. Drei Wege der Versöhnung in der Bibel“ und umfasst die Seiten 4 bis 9, also insgesamt 6 Seiten.

Der Artikel behandelt zentrale theologische Probleme wie das biblische Verständnis von Schuld als Haftung, die Frage nach Gerechtigkeit und Wiedergutmachung, die Rolle von Opfer und Kult bei der Sündenvergebung, das Verhältnis von Strafe und Barmherzigkeit Gottes sowie unterschiedliche biblische Modelle von Versöhnung.

In wenigen Sätzen zusammengefasst: Der Artikel zeigt, dass Schuld im biblischen Sinn als Haftung für zerstörtes Gut verstanden wird und Wiedergutmachung verlangt. Er entfaltet drei biblische Wege der Versöhnung: Ausgleich und Sühne, Geduld im Strafaufschub sowie Großmut gegenüber dem Feind. Dabei wird deutlich, dass göttliche Vergebung sowohl Gerechtigkeit als auch Barmherzigkeit umfasst und auf Umkehr und erneuerte Gemeinschaft zielt.

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Der Artikel entfaltet das Thema Schuld Vergebung Versöhnung anhand dreier biblischer Wege der Versöhnung und beginnt mit einer grundlegenden Klärung des biblischen Schuldverständnisses. Ausgangspunkt ist die Vaterunserbitte im Matthäusevangelium und Lukasevangelium, in der Schuld als Schulden bezeichnet wird. Diese Bildsprache verweist darauf, dass Sünde im biblischen Sinn nicht nur moralisches Fehlverhalten meint, sondern eine Haftung begründet. Wer schuldig wird, verursacht einen Verlust, ein Defizit, das ausgeglichen werden muss. Schuld bedeutet Bindung, Verpflichtung und Verlust von Freiheit. Wie ein finanzieller Schuldner haftet, so haftet auch der Sünder für das von ihm angerichtete Unrecht. Sünde zerstört ein Gut, das letztlich Gott gehört, besonders wenn es um das Leben und die Würde von Menschen geht. Anhand alttestamentlicher Erzählungen wie der Geschichte von Nabot oder dem Gleichnis vom armen Mann wird deutlich, dass Gott als Anwalt der Schwachen auftritt und Unrecht nicht gleichgültig hinnimmt.

Dabei spielt die Absicht nur eine begrenzte Rolle. Auch unabsichtliche Schuld schafft Haftung, etwa beim unabsichtlichen Totschlag. Entscheidend ist, dass ein Schaden entstanden ist, der Verantwortung nach sich zieht. Wiedergutmachung ist daher eine absolute Pflicht. Vor diesem Hintergrund beschreibt der Autor die erste Form der Versöhnung als Ausgleich und Sühne. Im altorientalischen Recht steht nicht Vergeltung im Mittelpunkt, sondern der Ausgleich zwischen den Parteien. Ziel ist es, Gemeinschaft zu bewahren und Gesichtsverlust zu vermeiden. Versöhnung gelingt, wenn der Schuldige seine Verantwortung anerkennt und bereit ist, den Schaden gutzumachen, während die geschädigte Partei auf maßlose Rache verzichtet und sich für einen Vergleich öffnet.

Als Beispiel dient die Begegnung von Jakob und Esau. Jakob versucht, seinen Bruder durch ein Geschenk zu besänftigen. Das Geschenk ist Ausdruck seiner Anerkennung der Schuld und seines Willens zur Wiedergutmachung. Die Versöhnung zeigt sich darin, dass Esau Jakobs Gesicht aufhebt, also Wohlwollen zeigt und ihn wieder annimmt. Versöhnung setzt somit Reue, Einsicht und Wiedergutmachungsbereitschaft auf der einen sowie Großmut und Friedenswillen auf der anderen Seite voraus. Diese menschliche Erfahrung bildet das Modell für das Verständnis der Versöhnung mit Gott. In der Liturgie Israels wird diese Dynamik in Opferhandlungen sichtbar. Opfer sind dabei nicht menschliche Leistungen, die Gott zwingen, sondern von Gott selbst geschenkte Mittel, durch die der Mensch seine Reue ausdrücken und den Weg zur Vergebung beschreiten kann.

Die zweite Form der Versöhnung zeigt sich in der Offenbarung Gottes am Sinai. Dort wird Gott als barmherzig, langmütig und reich an Huld beschrieben. Besonders wichtig ist die Deutung, dass Gott die Strafe aufschiebt, um Raum für Umkehr zu geben. Statt sofortiger Vergeltung gewährt Gott Geduld und Bewährung. Diese Geduld ist selbst schon Ausdruck von Vergebung. Sie eröffnet dem Schuldigen die Chance, sich zu ändern. Damit wird Vergebung als göttliche Zurückhaltung im Strafen verstanden, die auf innere Umkehr zielt und letztlich mehr bewirkt als reine Bestrafung.

Die dritte Weise der Versöhnung wird im vierten Gottesknechtslied im Buch Jesaja sichtbar. Der Knecht leidet Unrecht, ohne sich zu verteidigen oder Gott zur Vergeltung aufzurufen. Sein Schweigen ist Ausdruck von Großmut. Er verzichtet auf sein Recht, Anklage zu erheben, und schont seine Feinde. Diese Haltung zielt nicht auf Vernichtung des Gegners, sondern auf seine Umstimmung. Großmut kann den Feind vor die Entscheidung stellen, ob er in der Feindschaft verharren oder sich gewinnen lassen will. Vergebung erscheint hier als freiwilliger Verzicht auf Vergeltung zugunsten einer möglichen inneren Wandlung des anderen.

Insgesamt zeigt der Artikel, dass die Bibel Vergebung nicht als billigen Freispruch versteht. Schuld schafft reale Haftung und verlangt Verantwortung. Doch Gott eröffnet Wege, auf denen Schuld überwunden werden kann: durch Wiedergutmachung und Ausgleich, durch geduldigen Strafaufschub zur Ermöglichung von Umkehr und durch großmütigen Verzicht auf Rache. Ziel aller drei Wege ist die Wiederherstellung von Gemeinschaft und Frieden zwischen Menschen und zwischen Gott und Mensch.

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7G.1 Schuld und Vergebung. Gewissen, Umkehr, Versöhnung.

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6.1 Entscheidungen treffen: Gut und Böse.

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