Der Artikel setzt bei einer verbreiteten Engführung an. Wenn von Heil und Erlösung die Rede ist, denken viele fast ausschließlich an Sündenvergebung und ewiges Leben. Der Autor hält dem entgegen, dass Glück für Menschen heute eine zentrale Lebenskategorie ist und nicht gegen Heil ausgespielt werden darf. Menschliche Erfüllung und göttliches Heil gehören zusammen. Gerade darin sieht er einen lebensweltlichen Zugang für den Religionsunterricht, denn wenn Heil als Erfüllung verstanden wird, erscheint der Glaube nicht als Hindernis des Glücks, sondern als Weg, glücklich zu werden.
Zuerst klärt der Text, was Heil bedeutet. Mit Emmanuel Durand beschreibt er das Heilsgeschehen als patrofinal strukturiert. Damit ist gemeint, dass die ganze Heilsökonomie auf Gott den Vater als Ziel hin ausgerichtet ist. Jesus verkündet das Reich Gottes in ständiger Beziehung zum Vater und ist nicht auf sich selbst zentriert, sondern ganz auf den Vater hingeordnet. Auch die Vollendung der Geschichte wird so verstanden, dass alles auf den Vater zuläuft. Zugleich ist der Vater nicht nur der Endpunkt, sondern auch der Ausgangspunkt des Heils. Er hat die erste Initiative, entwirft den Plan der Güte und setzt die Gnade ursprünglich in Gang. Aus dieser doppelten Perspektive ergibt sich, dass Heil in der ewigen Gemeinschaft mit dem Vater besteht.
Damit ist Heil grundsätzlich relational. Es besteht in einer Beziehung, die Menschen in die bedingungslose Liebe Gottes hineinzieht. Diese Beziehung ist nach biblischem Zeugnis eine Liebesbeziehung. Liebe aber ist nur als Freiheitsgeschehen denkbar, weil echte Liebe nicht erzwungen werden kann. Um Menschen in diese Gemeinschaft zu führen, sendet der Vater den Sohn und den Geist. Beide wirken auf unterschiedliche Weise, aber mit dem gleichen Ziel, die Menschen in die Liebe des Vaters zu integrieren.
Der Autor erläutert zunächst Christus. Die Kirche bekennt die Wesensgleichheit von Sohn und Vater. Darum trägt der Sohn dieselbe göttliche Liebe in sich. In der Menschwerdung tritt diese Liebe in die Geschichte ein und wird für Menschen erfahrbar. Gottes Liebe ist nicht nur eine Idee, sie muss in menschlicher Wirklichkeit begegnen. Deshalb ist nicht allein der Kreuzestod, sondern das ganze Leben Jesu die geschichtliche Realisierung und Offenbarung der Liebe Gottes. Besonders deutlich wird dies in den Mahlgemeinschaften Jesu mit gesellschaftlich Ausgegrenzten. Gottes Liebe gilt ohne Bedingung, sie kommt dem Menschen zuvor und bietet Gemeinschaft an, bevor der Mensch etwas leisten kann. Der Mensch kann diese Liebe nicht verdienen. Er kann sie nur annehmen und mit Liebe beantworten. Diese Antwort wird als Glaube verstanden. So erfahren Menschen Anerkennung durch Gott, nämlich dass sie sein dürfen und sein sollen, als sie selbst und unbedingt.
Diese Liebe hält Christus bis zum Kreuz durch. Gerade dort zeigt sie ihre radikale Unbedingtheit, weil sie auch denjenigen gilt, die sie ablehnen und Christus töten. Das Kreuz wird dadurch zum stärksten Zeichen der Menschenliebe Gottes. In der Auferstehung bestätigt der Vater den Sohn und beglaubigt Jesu Verkündigung und Handeln als wahre Offenbarung. Zugleich zeigt die Auferstehung, dass Gottes Liebe stärker ist als der Tod.
Weil Jesus als Mensch räumlich und zeitlich begrenzt war, braucht es eine Weise, wie spätere Generationen an dieser Liebe teilhaben können. Darum sendet der Vater den Heiligen Geist. Der Geist gehört ganz zu Gott und trägt die Liebe des Vaters in sich. Er ist nicht an einen Ort gebunden, sondern kann immer und überall gegenwärtig sein. Seine Wirkung geschieht besonders im Inneren des Menschen. Er lässt Menschen Gottes Liebe erfahren und macht dadurch die Gegenwart Gottes real. So führt der Geist das Wirken Christi weiter und integriert Menschen zu allen Zeiten in die Beziehung zum Vater.
Im letzten Teil zeigt der Autor, warum diese Gemeinschaft mit Gott als Glück verstanden werden kann. Die Idee ist nicht neu, sondern findet sich bereits bei Athanasius, der Gemeinschaft mit Gott als Glückseligkeit deutet. Das hier dargestellte Heil als bedingungslose Anerkennung kommt zudem dem spätmodernen Bedürfnis nach Zugehörigkeit, Wertschätzung und Daseinsbestätigung entgegen. Wer Gottes Liebe annimmt, erfährt Vergebung, weil die Trennung von Gott aufgehoben wird, und Hoffnung auf ewiges Leben, weil Gott seine Geliebten nicht im Tod lässt. Diese Annahme hilft Menschen, sich selbst auszuhalten und die eigene Wirklichkeit zu übernehmen, ohne sich ständig rechtfertigen oder vor anderen verstellen zu müssen. Gleichzeitig respektiert Gott die Freiheit des Menschen. Das Angebot gilt immer, aber es erreicht sein Ziel nur, wenn der Mensch es frei annimmt und erwidert. Dieser Akt kann nicht delegiert werden, weil er personal und frei sein muss, auch wenn Gott dem Menschen dabei zu Hilfe kommt.
So versteht der Artikel Heil und Erlösung als Befreiung vom Druck der Selbstrechtfertigung. Gottes unbedingte Anerkennung schenkt dem Menschen Geborgenheit, Sicherheit und Halt. Damit wird der Glaube als positive Kraft für Persönlichkeitsentwicklung und als Weg zum Glück beschrieben. Denn das Evangelium bietet dem Menschen die Gemeinschaft mit dem liebenden Gott an, die Vergebung, Frieden und letztlich auch die Hoffnung über den Tod hinaus einschließt.