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Wachstum ohne Ende?

Veröffentlichung:1.1.2012

Das Themenblatt „Wachstum ohne Ende?“ mit 12 Seiten der Bundeszentrale für politische Bildung setzt sich mit der grundlegenden Frage auseinander, ob dauerhaftes wirtschaftliches Wachstum angesichts begrenzter natürlicher Ressourcen möglich und wünschenswert ist. Das Medium verbindet wirtschaftliche, ökologische und gesellschaftliche Perspektiven und thematisiert unter anderem Ressourcenknappheit, Bevölkerungswachstum, Energieverbrauch, Konsum, Wohlstand und Lebensqualität. Ausgangspunkt ist die Bedeutung wirtschaftlichen Wachstums für Löhne, Renten, Investitionen und Staatsausgaben sowie die Frage, welche Folgen entstehen, wenn Ressourcen knapper und damit teurer werden. Die Arbeitsblätter führen über ein alltagsnahes Entscheidungsproblem und die Analyse von Karikaturen zu realen Fragen rund um begrenzte Öl und Gasvorräte sowie eine wachsende Weltbevölkerung. Anschließend richtet sich der Blick auf unterschiedliche Vorstellungen von Wohlstand und Glück und auf die Frage, ob das Bruttoinlandsprodukt allein geeignet ist, gesellschaftlichen Wohlstand abzubilden. Ergänzt werden die Arbeitsmaterialien durch Hintergrundinformationen, statistische Darstellungen, ein Glossar sowie didaktische Hinweise für den Unterricht.

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Für den Religionsunterricht eignet sich das Medium besonders, weil die wirtschaftliche Wachstumsfrage mit ethischen Fragen nach Verantwortung, Gerechtigkeit, Lebensqualität und einem gelingenden Leben verbunden werden kann. Dabei lässt sich das Material über seinen ursprünglich politischen und ökonomischen Kontext hinaus für eine ethische und religionspädagogische Auseinandersetzung erschließen. Ein möglicher Einstieg ist das auf Arbeitsblatt A vorgestellte Gedankenexperiment mit den begrenzten Gaskartuschen. Die Lernenden müssen zwischen Sparen, der Suche nach einer Alternative und dem zunächst unveränderten Weiterhandeln wählen und anschließend Vorzüge und Nachteile der Möglichkeiten abwägen. Diese Entscheidungssituation eignet sich als Modell für die spätere Auseinandersetzung mit begrenzten Ressourcen. Im Unterricht können die Lernenden zunächst individuell Stellung beziehen, anschließend ihre Entscheidungen in Kleingruppen vergleichen und Kriterien sammeln, nach denen verantwortliches Handeln beurteilt werden kann. Auf diese Weise werden neben der Sachkompetenz besonders Urteilskompetenz und Argumentationsfähigkeit gefördert.

Die beiden Karikaturen auf Arbeitsblatt A ermöglichen anschließend eine stärker problemorientierte Beschäftigung mit Wirtschaftswachstum. Die Lernenden können zunächst beschreiben, anschließend die dargestellte Kritik erschließen und schließlich selbst dazu Stellung beziehen. Das Begleitmaterial weist ausdrücklich darauf hin, dass hierbei nicht eine einzige richtige Interpretation im Mittelpunkt steht, sondern die Plausibilität unterschiedlicher Deutungen und möglicher Alternativen. Für den Religionsunterricht bietet sich daran anschließend die Frage an, nach welchen Maßstäben wirtschaftliches Handeln beurteilt werden sollte. Begriffe wie Bewahrung der Schöpfung, Verantwortung, Gerechtigkeit, Maßhalten, Solidarität und Verantwortung gegenüber kommenden Generationen können als ethische Deutungshorizonte eingebracht und auf die dargestellten Konflikte bezogen werden.

Besonders ergiebig ist zudem die Auseinandersetzung mit Konsum und dem eigenen Lebensstil. Das Titelbild zeigt weggeworfene Konsumgüter und eröffnet damit einen lebensweltlichen Zugang zu Wegwerfgesellschaft, Elektroschrott, Rohstoffknappheit, Verbraucherverantwortung und Konsumkritik. Das Material schlägt hierzu unter anderem Assoziationen zum Bild, Mindmaps sowie eine Untersuchung des eigenen Konsumverhaltens vor. Im Religionsunterricht kann daraus eine Reflexion über Bedürfnisse und Wünsche entstehen. Die Lernenden können beispielsweise untersuchen, welche Dinge sie für ein gutes Leben tatsächlich benötigen, wodurch ihre Konsumwünsche geprägt werden und wo persönliche Freiheit mit der Verantwortung gegenüber Mitmenschen, Umwelt und zukünftigen Generationen in Konflikt gerät. Wichtig ist dabei ein offener Zugang, der nicht auf eine moralische Bewertung einzelner Lebensstile zielt, sondern die Lernenden dazu befähigt, eigene Maßstäbe zu entwickeln und diese argumentativ zu begründen.

Einen besonders geeigneten Übergang zu genuin religionspädagogischen Fragestellungen bietet der Materialteil „Was gehört zum guten Leben?“. Dort werden Gesundheit, intakte Umwelt, Bildung, Einkommen, Freundschaften, sinnvolle Arbeit, Entscheidungsfreiheit, Nahrung und weitere Aspekte von Lebensqualität zur persönlichen Gewichtung angeboten. Die Lernenden können zunächst eine individuelle Rangfolge erstellen und ihre Auswahl anschließend in Partnerarbeit vergleichen. In einer weiteren Phase können Gemeinsamkeiten und Unterschiede sichtbar gemacht und Kriterien für ein gutes Leben gesammelt werden. Diese Ergebnisse lassen sich mit religiösen Vorstellungen von Glück, erfülltem Leben, Gerechtigkeit und menschlicher Würde in Beziehung setzen. Besonders produktiv ist dabei die Frage, ob ein gutes Leben vor allem durch materiellen Wohlstand bestimmt wird oder ob Beziehungen, Sinn, Freiheit, Gesundheit, gesellschaftliche Teilhabe und Verantwortung mindestens ebenso bedeutsam sind.

Das Medium ermöglicht außerdem eine Diskussion über Generationengerechtigkeit. Die Kopiervorlage fordert ausdrücklich zur Auseinandersetzung mit der Verantwortung der gegenwärtigen Generation für ökologische und gesellschaftliche Folgekosten auf und lädt die Lernenden dazu ein, aus der Perspektive ihrer eigenen Generation ein Plädoyer zu formulieren. Methodisch bietet sich hierfür eine strukturierte Diskussion, ein Schreibgespräch oder eine Positionierung im Raum an. Ebenso können Kleingruppen unterschiedliche Perspektiven übernehmen, etwa die einer konsumorientierten Person, eines Unternehmens, einer zukünftigen Generation oder einer umweltpolitischen Initiative. Die Lernenden erfahren dadurch, dass ethische Entscheidungen häufig von konkurrierenden Interessen geprägt sind und verantwortliches Urteilen die Wahrnehmung unterschiedlicher Perspektiven voraussetzt.

Zum Abschluss bietet sich die Leitfrage nach dem Verhältnis von Wachstum und Glück an. Das Material stellt der Messung von Wohlstand durch das Bruttoinlandsprodukt Werte wie Zufriedenheit, Gesundheit, politische Teilhabe, soziale Sicherheit und Bildung gegenüber. Daraus kann eine abschließende Urteilsaufgabe entwickelt werden, beispielsweise zur Frage, ob eine Gesellschaft auch dann als erfolgreich gelten kann, wenn ihre Wirtschaft nicht ständig wächst. Im Religionsunterricht lässt sich diese Diskussion mit der Frage verbinden, was Menschen wirklich zum Leben brauchen und welche Vorstellungen eines guten und verantwortlichen Lebens religiöse Traditionen anbieten. Als Lernprodukt eignen sich ein persönliches Werteprofil, ein Plädoyer für ein gutes Leben, ein Kriterienkatalog für verantwortliches Wirtschaften oder eine begründete Stellungnahme zur Leitfrage „Brauchen wir Wachstum, um gut zu leben?“. Auf diese Weise verbindet das Medium ökonomisches Orientierungswissen mit ethischer Reflexion und eröffnet zahlreiche Möglichkeiten für einen lebensweltbezogenen, diskursiven und urteilsorientierten Religionsunterricht.

Hessen

Hessen

Sekundarstufe I | Jahrgangsstufe 9

9G.2 Darf man alles, was man kann? Fortschritt und menschliche Zukunft.

Rheinland-Pfalz

Rheinland-Pfalz

Sekundarstufe I | Jahrgangsstufe 9

9.2 Nach Gerechtigkeit streben: Gleiche Lebensbedingungen für alle.

Beispielhafte Lernsequenzen

  • Soziale Fragen im 19. Jh. und heute

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