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Bebauen und bewahren?

Christliche Wirtschaftsethik und Green Economy

Veröffentlichung:1.1.2021

Der Fachartikel wurde von Torsten Meireis unter dem Titel „Bebauen und bewahren? Christliche Wirtschaftsethik und Green Economy“ verfasst und umfasst drei Seiten, Seite 45 bis 47. Meireis untersucht aus protestantischer sozialethischer Perspektive, wie christlicher Glaube, Nachhaltigkeit und eine gerechtere Wirtschaftsordnung miteinander verbunden werden können. Ausgangspunkt ist die Frage, ob Wohlstand auch mit weniger Konsum und ohne dauerhaftes Wirtschaftswachstum möglich ist.

Der Artikel behandelt insbesondere die theologischen Probleme des Verhältnisses von Mensch und Schöpfung, der Verantwortung für Natur und Mitgeschöpfe, der sozialen und generationenübergreifenden Gerechtigkeit sowie der Frage nach einem guten Leben jenseits von Konsum, wirtschaftlichem Erfolg und ständigem Wachstum. Theologisch begründet Meireis Nachhaltigkeit vor allem mit dem Schöpfungsgedanken, der an Jesus Christus orientierten Gerechtigkeit und der protestantischen Rechtfertigungslehre.

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Torsten Meireis setzt sich in seinem Fachartikel mit der Frage auseinander, wie eine nachhaltige Wirtschaftsweise aus christlicher und insbesondere protestantischer Perspektive begründet werden kann. Den Ausgangspunkt bildet die gesellschaftliche Diskussion darüber, ob Wohlstand auch mit weniger Konsum und ohne fortgesetztes Wirtschaftswachstum möglich ist. Meireis stellt fest, dass die Idee einer Wirtschaft nach dem Prinzip des Genug nicht neu ist. Bereits verschiedene christlich geprägte wirtschaftsethische Ansätze haben Modelle entwickelt, die Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit stärker berücksichtigen. Dazu gehört die Vorstellung einer Vorsorgegesellschaft, in der die Orientierung am Konsum durch eine Orientierung an Fürsorge ersetzt wird. Auch Modelle einer stationären Wirtschaft wenden sich gegen die Vorstellung, dass eine Volkswirtschaft dauerhaft quantitativ wachsen müsse.

Die unterschiedlichen Konzepte weisen nach Meireis zahlreiche Gemeinsamkeiten auf. Vorgeschlagen werden ökologische Investitionen, eine stärkere Berücksichtigung der ökologischen Folgekosten wirtschaftlichen Handelns, ein Ausbau personenbezogener Dienstleistungen, eine Verringerung sozialer Ungleichheit, eine Begrenzung des Konsums und eine Neuordnung der globalen Finanzstrukturen. Als konkretes Beispiel nennt Meireis den Nationalen Wohlfahrtsindex. Dieser soll wirtschaftlichen Wohlstand umfassender messen als herkömmliche wirtschaftliche Kennzahlen, weil er auch ökologische Kosten und Aspekte gesellschaftlicher Wohlfahrt berücksichtigt.

Eine wichtige Rolle bei der Entwicklung des Nachhaltigkeitsgedankens schreibt Meireis den christlichen Kirchen zu. Bereits in den siebziger Jahren wurde im Umfeld des Ökumenischen Rates der Kirchen über eine nachhaltige Gesellschaft nachgedacht. Christliche Umweltbewegungen und Eine Welt Bewegungen beeinflussten zudem die Entwicklung des fairen Handels. Die Formel von Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung trug dazu bei, Nachhaltigkeit innerhalb der Kirchen und darüber hinaus bekannt zu machen. Als weitere Beispiele nennt Meireis die Enzyklika Laudato Si von Papst Franziskus, Stellungnahmen der Evangelischen Kirche in Deutschland und kirchliche Umweltinitiativen.

Anschließend fragt Meireis, weshalb nachhaltige Wirtschaftsmodelle trotz ihrer langen Geschichte bisher nicht umfassend umgesetzt wurden. Einen Grund sieht er darin, dass die bisherige Wirtschaftsweise durchaus Erfolge hervorgebracht hat. Das Versprechen zunehmenden Wohlstands konnte außerdem Konflikte über die gerechte Verteilung von Ressourcen teilweise überdecken, allerdings um den Preis erheblicher ökologischer Belastungen. Hinzu kommt, dass Wirtschaftsweise, politische Institutionen, internationale Zusammenarbeit und individuelle Lebensweisen eng miteinander verbunden sind und sich gegenseitig stabilisieren. Dadurch haben alternative Wirtschaftsmodelle häufig nur geringe Möglichkeiten, sich durchzusetzen.

Im Mittelpunkt des theologischen Teils steht die Frage, warum christlicher Glaube und Nachhaltigkeit miteinander verbunden werden können. Meireis nennt dafür drei zentrale protestantische Motive. Das erste Motiv ist der Schöpfungsglaube. Wenn die Welt als Schöpfung Gottes verstanden wird, besitzt die Natur einen eigenen Wert und kann nicht lediglich als Ressource des Menschen betrachtet werden. Der biblische Auftrag, den Garten Eden zu bebauen und zu bewahren, erinnert nach Meireis daran, dass der Mensch selbst ein Geschöpf unter Mitgeschöpfen ist. Dadurch geraten Tiere, Pflanzen und ganze ökologische Systeme als Gegenstände moralischer Verantwortung in den Blick.

Das zweite Motiv ist die christliche Vorstellung von Gerechtigkeit, die durch das Wirken Jesu geprägt ist. Sie richtet die Aufmerksamkeit besonders auf Entrechtete und Ausgegrenzte. Auf die Nachhaltigkeitsfrage übertragen bedeutet dies, dass bei der Verteilung der Ressourcen der Erde auch arme und machtlose Menschen sowie zukünftige Generationen berücksichtigt werden müssen. Nachhaltigkeit ist deshalb nicht allein eine ökologische Frage, sondern zugleich eine Frage der Gerechtigkeit innerhalb der gegenwärtigen Generation und zwischen heutigen und zukünftigen Generationen.

Das dritte Motiv ergibt sich aus der protestantischen Rechtfertigungslehre. Nach diesem Verständnis erhält der Mensch seine Würde nicht durch wirtschaftlichen Erfolg, Leistung oder sichtbaren Konsum. Seine Würde ist vielmehr ein Geschenk Gottes. Daraus entwickelt Meireis ein Verständnis des guten Lebens, bei dem nicht die möglichst große Menge an Besitz und Konsum im Mittelpunkt steht, sondern der Dienst am Nächsten. Dies bedeutet keine völlige Bedürfnislosigkeit. Es eröffnet jedoch die Möglichkeit, Bedürfnisse zu begrenzen und einen Lebensstil zu entwickeln, der mit weniger Ressourcen auskommt. Meireis verbindet dies mit dem Gedanken der Suffizienz. 

Abschließend nimmt Meireis die Erfahrungen der COVID 19 Pandemie auf. Er warnt davor, Pandemie und Klimakrise unmittelbar gleichzusetzen, da beide Krisen unterschiedlich wahrgenommen werden und die Klimakrise wesentlich langfristiger zu bewältigen ist. Dennoch sieht er mögliche Lernerfahrungen. Die Pandemie habe gezeigt, dass Konsumgewohnheiten und Lebensweisen auch in liberalen Gesellschaften verändert werden können. Außerdem seien die ökologischen und gesellschaftlichen Kosten eines konsumorientierten Wirtschaftsmodells deutlicher geworden. Schließlich habe sich gezeigt, dass wirtschafts- und sozialpolitische Veränderungen zugunsten personenbezogener Dienstleistungen grundsätzlich möglich sind. An die Stelle der Vorstellung unbegrenzt steigender Produktivität könne daher die Vorstellung eines erfüllten Lebens mit einem kleineren ökologischen Fußabdruck treten. Aus protestantischer sozialethischer Perspektive sieht Meireis dafür gewichtige Gründe

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